Sonntag, 29. Juli 2012

New York, New York – Leben und Arbeiten in einer Millionenstadt

Ein Jahrzehnt nach meinem Studienaufenthalt in Ohio konnte ich noch ein zweites Mal über ein Jahr in den USA verbringen. Dies und die vielen Reisen, die ich später noch unternahm, bewirkten, dass ich eine besondere Beziehung zu diesem Lande entwickelte. So fühle ich mich sehr oft angesprochen, wenn das Land kritisiert wird oder Amerikaner etwas pauschal beurteilt werden. Der Unterschied zwischen einem Studienaufenthalt und dem Leben in Beruf und mit Familie ist signifikant. Wir lebten in New York von Oktober 1963 bis Juli 1964, d.h. meine Frau, unsere sechs Monate alte Tochter und ich.

Wie in einem früheren Beitrag näher beschrieben, verbrachten meine Frau und ich unser erstes Ehejahr im sonnigen Nizza. Dieser Aufenthalt neigte sich im Sommer 1963 seinem Ende zu, als mein Projekt auslief. Ich plante zunächst in das deutsche Labor der IBM in Böblingen bei Stuttgart überzuwechseln. Während ich zur Abwicklung meiner letzten Geschäfte wieder in Nizza war, traf ich dort  zwei Kollegen (Nat Rochester, Pete Sheridan) aus New York, die gerade in La Gaude ihr Projekt vorstellten, nämlich Fortran so zu erweitern, dass man auch kommerzielle Programme in dieser Sprache schreiben konnte. Als sie erfuhren, dass ich mit Algol, COBOL und Fortran gearbeitet hatte, und dazu noch mit ECMA die europäische Standardisierung von COBOL betrieben hatte, machten sie mir das Angebot, nach New York zu kommen. Im Weiteren zitiere ich wieder aus früheren Aufzeichnungen [1].


Rockefeller Center und Central Park

Vor die Wahl zwischen Weltstadt und schwäbischer Provinz gestellt, brauchte ich meine Frau kaum zu überreden. Anders war es mit dem Chef (damals Horst Remus), der mich in Böblingen erwartete. Nachdem ich ihm klargemacht hatte, dass das Projekt in New York für die Zukunft seiner Gruppe von großer Bedeutung sei, ließ er mich gehen. Ich suchte und fand in Böblingen ein Zimmer, in das ich alle unsere Möbel abstellen konnte. Meine Frau und unsere Tochter, die inzwischen ein halbes Jahr alt war, flogen von Nizza ins Ruhrgebiet zu meiner Schwiegermutter. Ich flog nach New York. Nach einer Woche kamen beide nach. Wir wohnten noch einige Wochen in einem Hotel, ehe wir eine Wohnung bezogen. Da das Hotel nicht weit vom Central Park entfernt lag, wollte meine Frau dort gerne mit unserer Tochter im Kinderwagen spazieren fahren. Sie wurde etwas ungnädig, als ich ihr ans Herz legte, dies nur dann zu tun, wenn auch andere Leute in der Nähe seien. Meine frühere Amerika-Erfahrung wirkte bereits bremsend.

Wohnen in New York City

Eine Wohnung in New York City zu finden, ist eine besondere Herausforderung. Erscheint die Stadt einem Touristen als riesige Ansammlung von Häusern und Wolkenkratzern, so bekommt sie für den Wohnungssuchenden eine ganz eigene Struktur. Da ich den Vorteil hatte, in eine Gruppe zu kommen, die hauptsächlich aus New Yorkern bestand, ließ ich mich beraten. Ich nahm schließlich die Kopie eines Stadtplans und markierte die einzelnen Viertel entsprechend. Als Wohngebiet für Leute, die in Manhattan arbeiten, erstreckt sich die Stadt nach Osten bis weit auf Long Island hinaus, nach Norden bis ins Westchester County und nach Westen weit nach New Jersey hinein. Ein deutscher Kollege, der gleichzeitig mit mir in New York tätig war, wohnte in New Jersey. Er wohnte jenseits des Hudson River und fuhr täglich per U-Bahn unter dem Hudson hindurch. Ein amerikanischer Kollege wohnte auf der Westseite des Hudson im Staat New York und benötigte für jede Strecke täglich mehr als eine Stunde mit der Bahn. Sehr beliebt war offensichtlich ganz Long Island bei Familien mit Kindern. Hier gab es eine lockere Bebauung mit Einfamilienhäusern und die Bahnve­rbindungen waren ausgezeichnet.

Mindestens so wichtig war es zu wissen, wo einer wie ich nicht wohnen sollte. Hier schieden zunächst ganze Stadtteile fast völlig aus, so Harlem und die Bronx, aber auch große Teile von Brooklyn. In Manhattan selbst könne man nur als Single oder als kinderloses Ehepaar wohnen, hieß es. Aber auch dafür gab es noch diverse Einschränkungen. Als akzeptabel aber teuer galt die Upper East Side, d.h. die Gegend östlich des Central Parks. Für Hippies, aber nicht für seriöse Geschäftsleute, käme noch die Südspitze in Frage, also die Battery und das Greenwich Village. Ein Makler bot uns auch eine Wohnung unweit der Grand Central Station an, also südlich der 42. Straße. An die Besichtigung dieser Wohnung erinnere ich mich noch heute. Sie lag in einem Hochhaus (Crescent City genannt), etwa im 20. Stockwerk. Das Haus hatte den Grundriss eines Halbmonds (daher der Name). Das Wohnzimmer hatte ein breites, nach Norden gerichtetes Fenster, in das die Wolkenkratzer des Rockefeller Centers wie Personen auf einem Gemälde hereinschauten. Am Abend muss dieser Blick überwältigend sein. Obwohl die von meiner Firma für die Wohnungsmiete vorgesehene Vergütung (Living Allowance) nicht knapp bemessen war, war diese Wohnung uns doch zu teuer.


In Jackson Heights

Wir entschlossen uns schließlich für ein Reihenhaus im Stadtteil Jackson Heights. Das ist in Queens, einem nördlich von Brooklyn gelegenen Stadtteil auf Long Island. Jackson Heights ist bekannt für den La Guardia Flugplatz und das Ausstellungsgelände von Flushing Meadows. In Flushing Meadows fand damals die Weltausstellung (Expo 64) statt. Bis heute gibt es dort das Tennisturnier US Open. Unsere Wohnung lag in der 73. Straße. Nicht allzu weit davon gab es eine U-Bahnstation (Northern Boulevard). Auf beiden Seiten der Straße gab es gleich aussehende Reihenhäuser aus rotem Backstein, soweit man blicken konnte. Sie hatten jeweils zwei Stockwerke. Eine Freitreppe führte zu der oberen Wohnung, die wir mieteten. Unter uns wohnten zwei junge Frauen, die auf dem Flughafen La Guardia beschäftigt waren. An sich fühlten wir uns in dieser Wohnung sehr wohl, da wir glück­licherweise nicht in der Einflugschneise von La Guardia lagen. Katastrophenalarm brach aus, als eines Tages meine Frau feststellte, dass sie in der Küche kleine Mitbewohner hatte. „Das sind Kakerlaken“ rief sie. Meine Frau putzte noch intensiver als bisher, besonders am Herd und unter dem Kühlschrank und so wurden wir sie alsbald los. Das seien die Kubaner schuld, die vorher hier wohnten, meinte der Hausbesitzer.

Der Eigentümer des Hauses wohnte einige Straßen weiter. Er war von seiner Abstammung her polnischer Jude und arbeitete als Schneider in der New Yorker Textilindustrie. Dass die Textilindustrie in New York City eine sehr bedeutende und traditionsreiche Rolle spielte, erfuhren wir von ihm. Noch mehr überraschte es uns, dass er am Ende jeder Saison entlassen wurde, und zu Beginn einer Saison neu angestellt wurde, obwohl er schon fast 30 Jahre dort tätig war. Er und seine Frau besaßen mehrere Häuser, die ihre finanzielle Existenz sicherten. So wie unser Vermieter als polnischer Jude so stellten sich auch alle Nachbarn mit ihrer ethnischen Herkunft vor. Ich bin Ire, ich Italiener, ich Deutscher, hieß es dann. Irgendwann konnte ich es mir nicht mehr verkneifen zu fragen, ob es denn hier keine Amerikaner gäbe.

An zwei Episoden aus Jackson Heights erinnern meine Frau und ich uns heute noch. Unser Haus war zwar außen mit Backsteinen verkleidet, bestand aber zu großen Teilen aus Holz. Deshalb standen überall Brandwarnungen. Besonders eingeschärft wurde dabei, nie Babys und Kleinkinder allein im Hause zu lassen. Deshalb war auch der Hintergrund klar, der hinter der Frage einer Nachbarin steckte, als sie meine Frau einmal allein in einem Einkaufszentrum antraf. „Where is the baby?“ fragte sie. „She is fine“, war die Antwort (auf Deutsch: Wo ist das Baby? – Ihm geht es gut). In Flushing Meadows fand, wie bereits erwähnt, 1964 die Weltausstellung statt. An einem Wochenende nahmen wir uns vor, dieses Spektakel zu besuchen. Wir luden unsere einjährige Tochter in ihren Sportwagen und marschierten zu Fuß zur nächsten U-Bahnstation und fuhren dann eine Station weiter zur etwa drei Kilometer entfernten Expo. Wir durchstreifen den ganzen Tag das Ausstellungsgelände und bewunderten die vielen technischen Neuerungen. Am Schluss des Tages ging es zurück zur U-Bahnstation. Die Beobachtung eines Amerikaners, mit der er sein Mitgefühl zum Ausdruck bringen wollte, war zwar gut gemeint, aber nicht ganz richtig. „He looks great, but his father is very tired“ (auf Deutsch: Er sieht großartig aus, aber der Vater ist sehr müde). Da unsere Tochter damals sehr dünne Haare hatte, wurde sie manchmal als Junge angesehen.


In Atlantic City

Meine früheren Erfahrungen in den USA bewogen mich dazu, alsbald ein Auto zu erwerben. Diesmal wurde es ein Oldsmobile. Ein deutschstämmiger Händler hatte mich überzeugt, dass dies ein guter Kauf sei. Er behielt im Prinzip auch recht. Nur konnte ich das Auto kaum nutzen, solange ich in New York City wohnte. Nach Manhattan hinein zu fahren, machte keinen Sinn. Nur am Wochenende konnte ich mit der Familie Ausflüge in die weitere Umgebung machen. So ging es mehrmals zu den Stränden auf Long Island (Coney Island, Rockaway Beach) und einmal nach Atlantic City an der Küste von New Jersey. Sobald es Winter wurde und der Schnee einbrach, stand das Auto wochenlang ungenutzt vor unserem Haus, oft mit einer 30-40 cm dicken Schneedecke bedeckt.

Arbeiten in New York City

Mein Arbeitsplatz in New York City lag in einem Hochhaus in Manhattan. Das Gebäude, in dem die Firma IBM eine Etage gemietet hatte, gehörte dem Zeitschriftenverlag Time/Life. Es liegt an der „Avenue of the Americas“ (nach der numerischen Zählung ist dies die 6th Avenue), etwa auf der Höhe der 54. Straße. Die Fassade war zwar aus Glas, dennoch besaßen die Büros nur künstliches Licht. Selbst an der Außenseite des Gebäudes kam nur wenig Licht herein, einerseits waren die Glasscheiben blau getönt, andererseits stand das nächste Hochhaus so nah, dass kein direktes Sonnenlicht einfallen konnte.


Time-Life-Hochhaus

Von Jackson Heights (Station Northern Boulevard) fuhr ich täglich ohne Umsteigen per U-Bahn direkt bis ins Rockefeller-Zentrum. Ohne ans Tageslicht aufsteigen zu müssen, gelangte ich von dort direkt zu den Fahrstühlen des Time/Life-Hochhauses. Erst wenn ich abends in Jackson Heights wieder der U-Bahn entstieg, konnte ich sehen, wie das Wetter an diesem Tage gewesen war. Sehr eingeprägt haben sich die Wintermonate Dezember bis Februar. Oft musste ich die Strecke von unserer Wohnung bis zur U-Bahn durch hohen Schnee stapfen oder bei klirrender Kälte zurücklegen. Hatte ich die U-Bahn erreicht, brachten mich die Winterkleidung und Überstiefel ganz schön ins Schwitzen. Befreien konnte ich mich erst von den schweren Sachen, nachdem ich meinen klimatisierten Arbeitsplatz erreicht hatte.


‚Pastrami on rye‘-Sandwich (Foto Katz)

Über eine Kantine verfügte meine Arbeitsumgebung nicht. Wir haben sie auch nicht vermisst. Meist gingen wir im Untergeschoss unsers Hochhauses oder in der Nähe der U-Bahnstation in einen der vielen Sandwichläden. In dieser Zeit lernte ich einige New Yorker Spezialitäten schätzen. Ganz hoch auf meiner Liste der Wunschgerichte stand „Pastrami on Rye“ (eine Art Rindfleischbraten auf Roggenbrot). Andere beliebte Sandwichs waren „Egg Salad or Liver on Whole Wheat“ (auf Deutsch: Eiersalat oder Leberwurst auf Weizenvollkornbrot). Die Sandwichs, die es hier gab, enthielten nicht nur eine Scheibe Wurst, sondern deren fünf bis sechs. Ein Glas eiskalte Milch oder eine Tasse Kaffee ergänzten die Mahlzeit. An den vielen Sorten von Speiseeis konnte man sich sattsehen, auch ohne sie alle zu probieren. Übrigens gab es im Büro laufend Kaffee, Milch oder einen Schokoladentrunk aus einem Automaten. Manche Kollegen schienen gar nicht anders arbeiten zu können, als von einer Tasse Kaffee angetrieben. Wollte man einmal nichts essen, so konnte man die Mittagspause auch sehr gut anders verbringen. In unmittelbarer Nähe des Gebäudes gab es mehrere gute Buchläden. Selbst bis zur berühmten Fifth Avenue konnte man sehr gut zu Fuß laufen. Saks, Bloomingdales und Tiffany’s haben hier ihre Hauptläden.

Bei meinen Kollegen in New York handelte es sich um eine etwas ungewöhnliche Gruppe. Einige von ihnen waren Teil des Teams gewesen, das in den Jahren von 1955 bis 1958 mit John Backus zusammen den ersten Fortran-Übersetzer der Welt entwickelt hatte (so Harlan Herrick, Lois Haibt und Irv Ziller). Sie waren überzeugte New Yorker, die sich einen andern Job in New York gesucht hätten, wenn IBM sie nicht weiter hier beschäftigt hätte. Andere wären bereit gewesen, den Einsatzort zu wechseln, vorausgesetzt, sie konnten auf ihrem Spezialgebiet, dem Übersetzerbau, weiterarbeiten. Natürlich gab es auch den flexiblen und jüngeren Mitarbeiter, der sich an jedem andern Ort der Firma auf jedem anderen Gebiet einsetzen ließ. Er oder sie waren eher die Ausnahme. Der Anteil an Frauen, auch in Management-Positionen, war für damalige Verhältnisse recht hoch.

Die Abteilung, der ich zugeordnet war, leistete Unterstützung bei der Definition der neuen Programmiersprache. Diese änderte mehrmals den Namen. Als ich kam, hieß sie Fortran VI. Dann wurde New Programming Language (NPL) daraus. Geblieben ist der Name Programming Language I (PL/I). Für die Sprachdefinition im engeren Sinne war ein Gremium bestehend aus drei IBMern (George Radin, C. W. Medlock und Bernice Weitzenhofer) und drei Kundenvertretern zuständig. Die übrigen Mitglieder unserer Abteilung bewerteten die Sprachvorschläge, etwa im Hinblick darauf, ob man existierende COBOL-Programme auch vollständig mechanisch umwandeln konnte. Neben mir gab es noch einen weiteren Europäer im Team (Louis Bolliet von der Universität Grenoble). Unser Abteilungsleiter (Dr. Paul Comba) war gebürtiger Italiener und stammte aus Turin. Vor allem zu George Radin hatte ich auch später immer wieder Kontakt. Über die Bedeutung und das Schicksal von PL/I zu berichten, würde hier zu weit führen.


Südeingang des Time/Life-Gebäudes

Wenige Wochen nach unserer Ankunft gab es ein Abendessen in einem New Yorker Hotel für alle Mitarbeiter und deren Angehörige. Es gab eine Vorspeise, ein dickes Steak (New York Cut Sirlain) und einen Nachtisch. Es gab während oder nach dem Essen die übliche Rede eines höheren Managers, in der er sich bei den Mitarbeitern und ihren Angehörigen bedankte. Schon vor Beginn der Rede hatten mehrere Frauen ihr Strickzeug hervorgeholt und betätigten sich mit Handarbeiten. Da wir gerade aus Frankreich kamen, kam uns das Essen als grober Stilbruch vor. Zu dem sehr guten Gericht gab es lediglich Eiswasser zu trinken. Wein oder Bier zu servieren hätte gegen damals geltende Firmenregeln verstoßen.

Dass die New Yorker ein etwas gestresster Menschenschlag sind, hat Woody Allen in seinen Filmen immer wieder herauszustellen versucht. Man erwartete eine Großstadt voll von Neurotikern. Aufgrund meiner Erfahrung mit New Yorkern hielt ich dies für reichlich übertrieben. Ein kleines Erlebnis, das ich hatte, schien jedoch Woody Allen Recht zu geben. Eines Sonntags ging ich im Stadtteil Riverdale im Norden der Stadt mit Frau und Kleinkind spazieren. Es ist dies der Stadtteil New Yorks, in dem sich auch die berühmte Columbia University befindet. Plötzlich stießen wir auf unserem Bürgersteig auf zwei etwa 5-6 Jahre alte Kinder, die sich heftig stritten. „I guess you are crazy; you better look up your psychiatrist“, schrie das eine Kind (zu Deutsch: Ich glaube Du bist verrückt. Du solltest Deinen Psychiater aufsuchen). Der Kleine muss diese Beschimpfung von Erwachsenen aufgeschnappt haben, dachte ich mir. Deutsche Kinder beschimpften sich (damals noch) anders.

Immer, wenn wir abends in New York ausgingen, wurde ein Baby Sitter engagiert. Verreisten wir außerhalb der Stadt, brachten wir unsere Tochter auch schon mal zu Kollegen. Sowohl für den Kunstfreund wie für den Theaterliebhaber ist New York ein Eldorado. Das Guggenheim Museum oder das Museum of Modern Art (Moma) sollte man mehr als nur einmal gesehen haben. Die Carnegie Music Hall, die Metropolitan Opera und die Theater des Broadway bieten das ganze Jahr über einen Höhepunkt nach dem andern. An einen Opernabend in der Met denke ich heute noch, wenn ich den Namen des Sängers Franco Corelli höre. Wie im Rausch schrie die Menge nach seiner Vorstellung „Da capo, da capo!“. Eine große Ent­täuschung dagegen war der Besuch des berühmtesten Restaurants mit deutscher Küche in New York (Luchow’s). Das Essen war nicht besonders gut, die Atmosphäre wirkte angestaubt und fremdartig, vielleicht war es das Berlin der zwanziger Jahre, an das erinnert werden sollte.

Die ganzen Widersprüche der amerikanischen Gesellschaft wurden deutlich, als am 3. November 1963 die Nachricht von der Ermordung John F. Kennedys durch die Medien ging. Bei IBM in New York hat an diesem Nachmittag niemand mehr gearbeitet. Alle Kollegen waren niedergeschlagen und konsterniert.

Nach einem Dreivierteljahr meinten meine Oberen, es wäre für das Böblinger Labor besser, wenn ich statt in New York City in einem der traditionellen Labors der Firma säße. So kam es Mitte 1964 zum Umzug nach Poughkeepsie, einer Kleinstadt im Hudson-Tal, etwa 100 km nördlich von New York.

Die zweifache Nennung des Namens New York im Titel dieses Beitrags hat zwei Gründe. Einerseits ruft er damit die Erinnerung an ein auch von Frank Sinatra gesungenes Lied hervor. Es enthält den berühmten Refrain: If you can make it there, you'll make it anywhere  (zu Deutsch: Wenn Du dort Erfolg hast, hast Du ihn überall). Anderseits ist dies der offizielle Name der Stadt, nämlich New York im Staat New York.

 

1. Reiseberichte enthalten auf der CD Gunst und Kunst des Reisens aus dem Jahre 2009. Die CD ist auf der Homepage ihres Autors im Abschnitt Media beschrieben

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