Dienstag, 7. Januar 2014

Die drei Jahre dieses Blogs – statistisch gesehen

Dieser Blog floriert immer noch. Sein Profil und sein Publikum ändern sich, aber nicht mehr soviel wie am Anfang. Bald gehört er ja zum Establishment, wenn nicht zu den Altertümern des Internet. Dennoch will ich einen Vergleich mit früheren Statistiken anstellen. Wie es sich für einen Statistiker geziemt, halte ich an der Struktur der bisherigen Berichte weitgehend fest. Die heutigen Daten basieren auf dem Stand von 5.1.2014.

Besucherzahlen und Herkunft

Die Zahl der Besucher (Seitenaufrufe) des Blogs stieg weiter. Ihre Zahl hat sich von 19.151 im ersten Halbjahr 2013 auf 28.024 im zweiten Halbjahr erhöht. Die Steigerungsrate (also die zweite Ableitung) liegt noch bei rund 46 %, d.h. die absoluten Zahlen sind zwar höher als vorher, die relativen Zahlen jedoch niedriger. Das ist das bekannte Paradoxon, das bewirkt, dass kleine Firmen leichter hohe Wachstumsraten produzieren können als große Firmen. Insgesamt stieg die Zahl der bisherigen Besucher von 53.859 auf 81.883. In den letzten Monaten hatten wir täglich über 150 Besucher, im Schnitt etwa 4.700 pro Monat. Nicht schlecht!

Besucher und deren Herkunft

Die Verteilung der Leser auf Länder hat sich längst, was die ersten zehn Länder anbetrifft, stabilisiert. Dennoch gibt es innerhalb dieser Gruppe interessante Verschiebungen. So hat die Ukraine die Schweiz überholt. Meine Wachstumsmärkte waren zuletzt die USA, vor der Ukraine und England. Die Gruppe der ‚Übrigen Länder‘, also die nicht explizit benannten Länder, scheint weiter stark zu wachsen. Vielleicht gibt es noch einige Deutschlehrer nebst Schülern, deutsche Diplomaten oder Firmen- und Privatreisende, die auf diese Weise weiterhin Kontakt halten. Selbst in Deutschland gibt es ein Wachstum um rund 50%. Es bestimmte wegen der großen Zahl auch das Gesamtwachstum (52%). In den USA erreichte ich sogar im letzten Halbjahr eine Verdopplung. Das erinnert an die berühmte Geschichte von dem Blogger, der stolz davon berichtete, dass er seine Leserschaft um 100% gesteigert habe. Er habe jetzt nämlich neuerdings eine Freundin, die einen Internet Account besäße.

Themen und ihre Beliebtheit

Zunächst fällt auf, dass die Hälfte der zwanzig Spitzenreiter bereits aus dem Jahre 2011 stammt. Offensichtlich hatte ich in der Frühphase die attraktiveren Themen. Aus 2012 und 2013 stammen je fünf Beiträge. Vier Beiträge aus dem letzten Halbjahr schafften es an die Spitze. Zwei von ihnen behandeln ein politisches Ereignis, nämlich die Enthüllungen durch Edward Snowdon. Bei den fachlichen Beiträgen kommt niemand an Hasso Plattner (ich meine zahlenmäßig) heran und den Bericht über den MOOC-Kurs des HPI.
 

Spitzenreiter nach Themen

Es freut mich besonders, dass auch meine aktivsten Ko-Autoren mit je einem Beitrag auf dieser Liste vertreten sind. Von Hartmut Wedekind kam ja die Buchbesprechung vom ‚Billionen-Poker‘, der Analyse der Weltfinanzen eines Spiegel-Autors. Von Hans Diel und Peter Hiemann stammen die Betrachtungen zu Karl Popper, einem späten Vertreter der Wiener Schule des Denkens. Ich hatte ihnen mehr Leser gewünscht. Die meisten Beiträge legen jedoch im oberen Mittelfeld (> 200 Leser). 


Alter der Spitzenreiter

Da mich das Thema der Langlebigkeit von Blog-Eintragen schon früher interessierte, habe ich dieses Mal eine zusätzliche Auswertung gemacht. Das Alter der Beiträge wurde in Arbeitstagen berechnet (weil es diese Funktion in Excel gibt). Die Auswertung zeigt, dass der Vergleich eines Blogs mit einer Tageszeitung völlig daneben greift. Er ähnelt eher einer Fachzeitschrift, der man ja Platz im Regal einräumt. Viele meiner drei Jahre alten Beiträge haben mehr Besucher als einige aus dem letzten Monat. Es landet nichts in der Müllabfuhr oder im Feuer, es sei denn ich lösche die Beiträge. Gute Beiträge reifen wie guter Wein mit ihrem Alter. Für den Leser erscheinen sie wie frisch aus der Presse. Man sieht weder den Säurefraß am Papier noch die Fettflecken oder Eselsohren. 

 
Zugriffshäufigkeit aller Beiträge

Die Zugriffshäufigkeit aller 299 Beiträge zeigt weiterhin den bekannten langen Schwanz (engl. long tail). Die oben zitierten Spitzenreiter sind als Zacken gut zu erkennen. Sie ragen immer höher hervor. Die durchschnittliche Zugriffhäufigkeit liegt inzwischen bei 173 Seitenaufrufen, der niedrigste Wert bei 21.

Kommentare und Schlussfolgerungen

Inzwischen gehören Kommentare schon zur Regel. Mit zwölf Kommentaren hat einer meiner Snowden-Beiträge einen Allzeit-Rekord aufgestellt. Gegenüber Tageszeitungen mit 500+ Kommentaren in ihren elektronischen Kübeltüten ist das allerdings noch verschwindend wenig. Fast 90% der Kommentare stammen von Bekannten und Freunden aus meiner Altersklasse. Daraus folgt nicht, dass die Jugend meinen Blog nicht goutiert. Zumindest einer meiner Enkel behauptet das Gegenteil. (Übrigens finde ich auch seine Beiträge sehr lesenswert). Der zweite ist erst sieben und hat sich noch nicht zu Bertals Blog geäußert.

Aus den obigen Statistiken kann man ableiten, warum Leser angesichts eines schier übermäßigen und kostenfreien Angebots im Netz ausgerechnet diesen Blog verfolgen. Wie ich schon einmal schrieb, sind es die Besonderheiten, die es nur hier zu finden gibt. Mein ‚uninteressantester‘ Beitrag war der vom Wahlerfolg der Piraten motivierte Kommentar zum Wahlergebnis für das Berliner Stadtparlament. Da erwartet man nichts Erhebendes oder Neues aus dieser Quelle. Anders ist es bei Fragen aus meinem Fachgebiet oder der Informatik-Industrie. Dass auch meine historischen Hobbies Anklang finden, hat mich echt überrascht. Das Schreiben hat bekanntlich mehrere Ziele. Nicht nur befreit es den Autor von Etwas, was er mit sich herumträgt. Es kann aber auch dazu dienen, die Leser zu erfreuen. Wer primär an Letzteres denkt, sollte sich die obigen Statistiken anschauen.

Zum Schluss noch einmal vielen Dank allen Beitragenden, allen Leserinnen und Lesern und allen Kommentatoren.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen