Dienstag, 2. September 2014

Wirtschaft im Wandel – Jeremy Rifkins Sicht

Nichts bestimmt das Leben einer Gesellschaft mehr als die Wirtschaft. Auf diese Wahrheit muss immer wieder hingewiesen werden. ‚It‘s the economy, stupid!‘ so formulierte es einst das Wahlkampf-Team Bill Clintons. Mehrmals kam in diesem Blog der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz zu Wort. Wenn Stiglitz zu aktuellen Fragen Stellung bezog, hörten ihm nicht nur Wirtschaftswissenschaftler zu. Jeremy Rifkin (*1945) ist Soziologe, Ökonom und Publizist. Er ist zwar weder Nobelpreisträger noch Wirtschaftsprofessor, aber seine Einsichten in Fragen der Wirtschaft werden mindestens so viel diskutiert wie die von Stiglitz. Ich habe mich in den letzten 20 Jahren des Öfteren mit ihm befasst. Bekannt wurde er 1995 mit dem Buch Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft. Im Folgenden will ich auf zwei seiner neuesten Bücher eingehen. 

Dritte industrielle Revolution 

Das Buch ‚Die dritte industrielle Revolution‘ erschien 2011. Rifkins Vision ist die einer kohlenstofffreien Zukunft. Die Zweite Industrielle Revolution fand bekanntlich statt, als es der Menschheit gelungen war, zumindest in den Industrieländern durch den Abbau fossiler Energien und dank der Nutzung der Elektrizität eine neue Stufe des Wohlstands zu erreichen. Nicht nur gehen die fossilen Energien inzwischen zur Neige. Es hat sich herausgestellt, dass ihre weitere extensive Verwendung nicht ohne Auswirkungen auf Umwelt und Klima möglich ist. In dieser Diagnose sind sich viele Menschen einig. Über die Therapie, d.h. die Abkehr vom derzeitigen Wege, wird heftig diskutiert. Rifkin plädiert für eine totale Neuorientierung der Energieversorgung, unterstützt durch den verstärkten Einsatz von moderner Informations- und Kommunikationstechnik. Um das Ziel der CO2-freien Wirtschaft zu erreichen, sei nichts weniger als eine Revolution erforderlich. Diese beruhe auf fünf Säulen:  
  • Konsequenter Umstieg auf erneuerbare Energien
  • Umwandlung aller Gebäude in Mikrokraftwerke
  • Einsatz von Energiespeichern jeder Art
  • Nutzung der Informationstechnik (Internet der Dinge), um Erzeugung und Verbrauch von Energie zu optimieren
  • Umstellung des gesamten Transportwesens auf Elektro-Antrieb.  
Das Buch richtet sich primär an amerikanische Leser. Ihnen wird die Europäische Union (EU) teilweise als nachahmenswertes Vorbild entgegengehalten. Die EU sei für die Dritte Industrielle Revolution (DIR) gewappnet. Sie habe einen Plan, ein Narrativ. Die USA würden sich lieber für ‚technische Kinkerlitzchen‘ aus dem Silicon Valley interessieren, und glaubten an ihre Fortüne, anstatt etwas zu tun. Er fände bei Kanzlerin Merkel und Kommissionspräsident Barroso echtes Gehör, nicht jedoch bei Präsident Obama. 

Laut Rifkin erreichte die Globalisierung – wie er sie versteht  ̶  im Jahre 2008 ihren Gipfel. Die Finanzkrise sei zugleich der Anfang vom Ende der auf Erdöl basierten Wirtschaft gewesen. An der Energiefrage würde sich außer dem Schicksal unseres Planeten auch die Struktur der Wirtschaft entscheiden. Der Kapitaleinsatz erkläre ohnehin nur 14% des wirtschaftlichen Geschehens. Der Energieeinsatz sei ausschlaggebend. In Zukunft baue man auf dezentraler Energie. Dadurch würde auch die zentralistisch oder hierarchisch organisierte Wirtschaft durch eine laterale Wirtschaft mit einem horizontalen Markt abgelöst. Energie sei jetzt überall zu finden. Für ihre Beschaffung bedürfe es keiner großen Konzerne mehr. Eine kollaborative oder genossenschaftliche Organisation der Wirtschaft gewinne an Bedeutung. 

Rifkin beschreibt ausführlich drei Vorzeige-Projekte, bei denen er (oder seine Mitarbeiter) als Berater wirkten: die Stadt San Antonio, Texas, das Fürstentum Monaco, sowie die Stadt Utrecht in Holland. Im Falle San Antonios wird das Ziel der emissionsfreien Wirtschaft nur durch den Bau zweier neuer Atomkraftwerke (AKWs) erreicht. Als die ausführende japanische Firma Toshiba die Kostenziele verfehlte (statt 8,5 plötzlich 12,5 Mrd.$), kommt es fast zum Abbruch des Projektes. Es wurde nach dem Umdefinieren der Ziele und dem Auswechseln der Verantwortlichen schließlich fortgeführt. Aus deutscher Sicht interessant ist der Hinweis, dass Dieter Zetsche 2009 bei einer verkehrspolitischen Tagung die besorgte Bundeskanzlerin beeindrucken konnte mit der Aussage, dass Daimler-Benz plane, im Jahre 2015 mit Brennstoffzellen für Autos, Lastwagen und Busse in Serienfertigung zu gehen [Laut Wikipedia wurde das entsprechende Planungsdatum inzwischen auf 2017 verschoben]. 

Für das von Rifkin bereits vor 20 Jahren vorhergesagte Ende der massenhaften abhängigen Beschäftigung böten sich jetzt Alternativen an, gerade im Energiesektor. Nur muss der Staat helfen, den Wandel zu unterstützen, so wie er der Zweiten Industriellen Revolution durch den massiven Ausbau des öffentlichen Straßennetzes half. Jetzt gehe es darum, ähnlich wichtige Infrastrukturmaßnahmen zu finanzieren, etwa durch die Förderung neuer Techniken der Energiespeicherung, den Aufbau von elektrischen ‚Tankstellennetzen‘, die steuerliche Begünstigung des ‚Car sharing‘ gegenüber dem privaten Autobesitz, usw. 

Ein sehr schönes Zitat, das auf den Chemiker und Biologen L.J. Henderson zurückgehen soll, möchte ich unbedingt wiedergeben: ‚Die Wissenschaft verdankt der Dampfmaschine mehr als die Dampfmaschine der Wissenschaft‘. Ersetzt man das Wort Dampfmaschine durch das Wort Computer, ist es sehr aktuell. 

Null-Grenzkosten-Gesellschaft

Infolge des Fiaskos der UN-Klimakonferenz 2012 in Kopenhagen rückte das öffentliche Interesse an der CO2-Revolution etwas in den Hintergrund. Rifkins Beratungsunternehmen wandte sich daher einem andern Thema zu. ‘The Zero Marginal Cost Society’ (deutsch: Null-Grenzkosten-Gesellschaft) so heißt das neueste 2014 erschiene Buch aus Rifkins Schreibkammer. Die Grenzkosten (auch Marginalkosten) sind in der Betriebswirtschaftslehre diejenigen Kosten, die durch die Produktion einer zusätzlichen Mengeneinheit eines Produktes entstehen. Sie entsprechen den variablen Kosten, bezogen auf einen bestimmten Zeitpunkt im Verlaufe der Produktion. Den variablen Kosten stehen die Fixkosten gegenüber. Sie fallen an, unabhängig von der Zahl der produzierten Einheiten. Es ist seit über 50 Jahren bekannt, dass bei allen digitalen Produkten die variablen Kosten sehr gering sind im Vergleich zu den Fixkosten. Die These dieses Buches ist, dass dies auch bei nicht-digitalen, also physikalischen Produkten der Fall sei, und dass dies die Gesellschaft verändere.  

Es fällt auf, dass der Begriff der Transaktionskosten in der Weise benutzt wird, dass er die (Re-) Produktionskosten mitumfasst. Das ist nicht selbstverständlich und sollte gesagt werden. Transaktionskosten im engeren Sinne entstehen nämlich dann, wenn zwischen den an einem Geschäft beteiligten Personen oder Unternehmen Kommunikationsbedarf, Verständigungsprobleme, Missverständnisse oder Konflikte auftreten. Diese lassen sich reduzieren, indem man Vermittler und Sublieferanten ausschaltet, also stark vertikal integriert. Das ist aber nicht gemeint. Die zentrale Aussage, dass alle Profite in den Transaktionskosten lägen, macht  ̶  wenn überhaupt  ̶  nur bei der erweiterten Definition von Transaktionskosten Sinn. Dass Grenzkosten die Tendenz haben gegen Null zu gehen, macht er an vier Beispielen fest: 
  • Informationsprodukte (Musik, Filme, E-Books, Software)
  • Online-Kurse (MOOCs)
  • 3D-Drucken (mit wiederverwendbaren Materialien)
  • Grüne Energie (kostenlos von der Sonne).
Um Gegenargumenten den Wind aus den Segeln zu nehmen, stellt Rifkin klar, dass er, wenn er Grenzkosten Null sagt, in Wirklichkeit ‚nahe Null‘ meint. Jedenfalls bestehe in diesen Fällen kein Grund Profit zu machen. Da alle Branchen die Chance hätten, ihre Grenzkosten zu senken, würden Unternehmen, die Profit anstreben, an den Rand gedrängt und damit der Kapitalismus insgesamt. Natürlich spielt auch hierbei die Informations- und Kommunikationstechnik wieder eine wesentliche Rolle. Es ist das viel gelobte ‚Internet der Dinge‘ (engl. internet of things, Abk. IoT), das die Produktivität in nie geahnte Höhen treibt. Wieso bei null Grenzkosten noch eine Produktivitätssteigerung sinnvoll und möglich ist, entgeht mir allerdings. Wie von Rifkin in einem andern Buch (The Age of Access, 2000) verkündet, ist der Besitz von Produktionsmitteln oder Gütern ohnehin passé. 

Nach Rifkin gehört die Zukunft der Gemeinwirtschaft. Er benutzt dafür eine Bezeichnung, die neu ist und sich schwer ins Deutsche übersetzen lässt: Collaborative Commons. Sie ist offensichtlich dem Begriff der Creative Commons nachempfunden, einer Lizenzierungsform, die in akademischen Kreisen einen guten Ruf hat. Bei dem Begriff Commons (deutsch: Gemeingut, Allmende) denkt jeder an die Tragik der Allmende, ein Essay des Biologen und Ökologen Garrett Hardin von 1968. Es dauerte bis 1990, bis Elinor Ostrom, die spätere Nobelpreisträgerin, das von Hardin geschaffene negative Bild wieder etwas zurecht rückte.  

‘Collaborative commons have entered main stage’ ist die Kernthese, die Rifkin vertritt. Reaganismus und Thatcherismus seien überwunden. Richard Stallman habe Bill Gates besiegt. Damit seine amerikanischen Landsleute keine Angst bekommen, macht er eine zeitliche Prognose. Erst in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts gerate der Kapitalismus in Gefahr. Vorher würden beide Wirtschaftssysteme, die Kooperativen Commons und der Kapitalismus koexistieren. Die Jugend tendiere ohnehin weg vom Besitz materieller Güter, hin zu Diensten für die Gemeinschaft und zu mehr Transzendenz und Sinnfragen. Die Bewegung ‚Occupy Wall Street` und die Proteste im Gezi Park in Istanbul seien Vorboten gewesen. 

Die Entwicklung, die das Internet derzeit nehme, entspräche zwar eher der Einzäunungsphase der Weiden als der Allmende. Dennoch sei der Marsch der Vergemeinschaftung der Wirtschaft unübersehbar und unumkehrbar. Ähnlich fest glaubte auch Karl Marx an die Zwangsläufigkeit der von ihm vorgesehenen gesellschaftlichen Entwicklung. Es bereitete mir Schwierigkeiten im Verständnis, dass auch die Verteilung von Strom, Wasser und Nahrungsmitteln selbst als Teil des Internets der Dinge (IoT) bezeichnet wird, nicht nur die Verteilung von Informationen zur Steuerung dieser Dinge. 

Wenn Rifkin fordert. dass alles getan werden muss, um den ökologischen Fußabdruck (engl. oecological footprint) der Menschheit zu reduzieren, greift er eigentlich das Thema des vorangegangenen Buches auf. Aber da ist bekanntlich noch viel zu tun. Im Angesicht von Terror und ethnischen Konflikten in der Welt würde der technische Fortschritt allein nicht ausreichen. Es bedürfe des ‚homo empathicus’ in Verbindung mit dem verstärkten Einfluss der großen Weltreligionen. Dass das Buch bei einigen Lesern große Hoffnungen erweckt, zeigt folgende Beurteilung; „Ein visionärer Ansatz, der so seit einem halben Jahrhundert kaum noch gewagt wurde und unserem Denken und unserer Orientierung aufhelfen wird!“ Das Zitat stammt von Sigmar Gabriel, dem deutschen Vizekanzler. 

Losgetretene Gedanken

Ich will hier nur Gedanken wiedergeben, die mich beim Lesen des zweiten Buches beschäftigten. Das erste Buch ist vergleichsweise harmlos, ja uninteressant. Beim zweiten Buch sträubte sich Einiges. Dennoch fasse ich meine Kommentare unter zwei Teilthemen zusammen.  

Informationsgüter 

Niemand hat die Problematik klarer dargestellt als Jaron Lanier [1]. Lanier ist sowohl Musiker/Komponist wie Informatiker. Aufgrund der Digitalisierung verschob sich die Machtbasis zwischen Produzent und Konsument zu Gunsten des Konsumenten. Das Informationsprodukt kann (fast) ohne Grenzkosten auch vom Nutzer reproduziert werden. Deshalb kann der Urheber seine Kosten kaum noch über den Verkauf von Kopien wieder hereinbekommen. Er muss andere Wege suchen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, etwa Konzerte geben oder Andenken (e.g. T-Shirts) verkaufen. Zu sagen, Informationsgüter seien kostenlos, ist eine Irreführung. Fixe Kosten sind auch Kosten. Wenn bestimmte Marktteilnehmer in der Lage oder bereit sind, auf die Erstattung ihrer Kosten zu verzichten, räumen sie andern Marktteilnehmern einen Vorteil ein. Diese können sich dann Dinge leisten, die normalerweise für sie unerschwinglich wären, oder sie erhöhen ihren eigenen Profit.  

Auch bei vielen Nicht-Informationsprodukten verschieben sich die Kosten von der Reproduktion in Richtung Planung und Entwurf, also von variablen zu fixen Kosten. Das kann eine Folge der gestiegenen Produkt-Komplexität sein, aber auch eine Folge der gestiegenen Sensibilität der Nutzer, etwa wegen des Umweltbewusstseins oder des Lärmschutzes. Aus diesen Fällen eine neue Wirtschaftsordnung abzuleiten, ist sehr mutig, aber wenig realistisch. Es besteht kein Grund anzunehmen, dass die Welt nur aus Information besteht, oder dass wir von Information allein leben können. Bits und Atome gleichzusetzen, führt nicht weit. 

Gemeinwirtschaft 

Gemeinschaftlich betriebene Wirtschaftsunternehmen gab es in Europa seit dem Mittelalter. Der Fachbegriff heißt Genossenschaft. Die Allmende war und ist eine Form von Genossenschaft. In Amerika spielten Genossenschaften nie die Rolle, die sie in Europa spielten und spielen. Erst der ‚New Deal‘ unter Roosevelt änderte die Grundhaltung vieler Amerikaner. Sozialisten wurden sie trotzdem nicht. 

Genossenschaften können den Einkauf von Rohstoffen oder Handelsware betreiben. Sie können Produktion und Vertrieb unterstützen. Sehr bekannt sind Kreditgenossenschaften und Wohnungsbaugenossenschaften. Den Anteil von Genossenschaften an der gesamten Wirtschaft schätze ich auch in Deutschland auf deutlich unter 50%. Ihr Anteil steigt in wirtschaftlich schwierigen Phasen meist an. 

Referenz 

1. Buchbesprechung Lanier, J.: You Are Not a Gadget. In: Informatik-Spektrum 33,3 (2010), 332-333 [Kopie im Netz]

Kommentare:

  1. Ich habe noch einmal nachgelesen, was ich 2010 über Laniers Buch geschrieben hatte. Es gefällt mir immer noch. Da diese Rezension noch in die Papierzeit fiel, habe ich sie nachträglich ins Netz gestellt. Nur die drei mittleren Abschnitte betreffen unser aktuelles Thema.

    Wer ist Jaron Lanier? So werden am 12. Oktober 2014 einige Leute fragen. Darunter werden bestimmt auch Informatiker sein. Lanier empfängt dann in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

    AntwortenLöschen
  2. Der Erfolgsautor Jeremy Rifkin wurde gestern Abend ab 22:15 Uhr im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (ZDF) den deutschen Zuschauern vorgeführt. Er nutzte die Gelegenheit, um das Ankunftsdatum des (Freizeit-) Sozialismus zu präzisieren. Es wird im Jahre 2055, also in 40 Jahren sein. Das Gute an dem Datum ist, dass dann er und ich tot sind. Seine sonstigen Erklärungen wurden vom Gemurmel eines Dolmetschers überlagert.

    Die Vertreterin der Zuschauer, die Journalistin Maybrit Illner, wollte Genaues zum Thema 3D-Drucken wissen, nämlich ob sie sich dann ihr Auto zuhause statt in einer Fabrik bauen würde. Das wurde bejaht, mit der Bemerkung, dass sie aber später gar kein Auto mehr bräuchte. Der anwesende Ex-Umweltminister Peter Altmaier meinte, dass das wohl noch einige Zeit hin sei, und dass er (bei seiner Körperfülle) sich vermutlich nicht in dem von der Journalistin gedrucktem Gefährt sehr wohl fühlen würde.

    Anders reagierte die Spitzenkandidatin der Piratenpartei für den Landtag von Brandenburg. Anke Domscheit-Berg kam schon letztes Jahr in diesem Blog zu Wort. Das Wahlprogramm ihrer Partei fordere inzwischen die Anschaffung von 3D-Druckern für alle Schulen in Brandenburg. Schließlich sei ihr Vater Stellmacher gewesen, und kaum jemand wisse heute noch, was diese Leute einst machten. Auch die anwesende Vertreterin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi versicherte den Zuschauer, dass man ihrerseits diese Entwicklungen genauestens verfolge,

    Gefragt, ob er auch Facebook und Google für zu mächtig hielte, wich Rifkin aus. Man solle nicht vergessen, was diese Firmen für die Kommunikation zwischen Menschen, und damit für den Zusammenhalt der Gesellschaft täten. Um zu zeigen, dass es in Deutschland auch Unternehmer gibt, die sich über neue Geschäftspotentiale Gedanken machen, war ein Herr Froh (nomen est omen) der Firma WunderCar eingeladen. WunderCar vermittelt Mitfahr-Gelegenheiten im Netz. Er meinte, dass seine Software-Entwickler ganz schön hart ran mussten. Deshalb möchte er seine Firma auch nicht an Uber verkaufen. Uber kommt aus Amerika und breitet sich gerade in Europa aus. Dass deutsche Gerichte die Firma Uber ernsthaft aufhalten könnten, glaubte doch wohl niemand. Er habe bereits Verhandlungen mit Versicherungen aufgenommen, um Mitfahrer besser abzusichern. Uber könnte dies auch, wenn sie wollte.

    Mehr über die Sendung können Sie heute in zwei Beiträgen der FAZ lesen.

    AntwortenLöschen
  3. Am 12.9.2014 schrieb Hartmut Wedekind aus Darmstadt:

    Der Herr Rifkin sieht etwas elementar falsch in Sachen Grenzkosten. Hier eine Rekapitulation. Sei: f(x) = Gesamtkosten in Abhängigkeit von der Produktmenge x: f(x)/ x = c Durchschnittskosten oder Stückkosten. Wir wenden die Quotientenregel des Differenzieren an (http://de.wikipedia.org/wiki/Quotientenregel), dc / dx = { f‘(x) x - 1 f(x) } / x2 = 0, um das Kostenminimum zu finden. Daraus im Optimalfall: f‘(x) = f (x) / x. Oder in Worten: Da wo die Grenzkostenkurve die Stückkostenkurve schneidet, liegt das anzustrebende Stückkosten-Minimum.

    Ist f(x) linear, was häufig angenommen wird, brauchen wir eine unendliche Stückzahl x, um das Rifkinsche „Grenzkosten = 0“ oder f‘(x) =0 als Optimum zu erreichen. Das Internet ist in der Tat das Netz der großen Stückzahlen. Aber das Rifkinsche „Grenzkosten =0“ fällt nicht so einfach vom Himmel. ‚It isn‘t that easy.‘ Große Stückzahlen müssen hart erarbeitet werden, was jede Luftverkehrsgesellschaft beim Vollstopfen ihrer Maschinen mit Menschen weiß.

    AntwortenLöschen