Mittwoch, 9. November 2016

Quo vadis, Amerika - und wohin gehen wir?

Das Wahlergebnis dieser Nacht wirkt wie ein Schock. Alle Kommentatoren sind sich einig, dass es schlimmer nicht hätte kommen können. Ein GAU, ein größtes anzunehmendes Unglück, sei eingetreten, der ‚worst case‘. Da ich zu Amerika – gemeint sind die USA  ̶  immer eine besondere Beziehung hatte, will ich kurz meine Gedanken zusammenfassen. Meine frühere Einschätzung hat sich größtenteils als falsch erwiesen. Ich bin bei weitem nicht der Einzige, dem dies passierte.

Was ist in den USA passiert?

Der Republikaner Donald Trump besiegte die Demokratin Hillary Clinton mit 279 : 228 Wahlmänner-Stimmen. Er gewann damit deutlicher als mehrere seiner Vorgänger. Ein Narziss, ein Populist, ein autoritärer Spalter übernimmt die älteste und wichtigste Demokratie der Welt. Das weiße, ländliche Amerika zwischen Texas und Minnesota hat sich über die ethnisch gemischten Küstenstaaten wie New York und Kalifornien hinweggesetzt. Trump hatte sich im Wahlkampf auf ein abstoßendes Niveau persönlicher Beschimpfungen konzentriert, verzichtete dabei weitgehend auf eine politische und inhaltliche Argumentation. Die Professionalität und die Perfektion, die Hillary Clinton während ihres Wahlkampfs an den Tag legte, zog nicht gegenüber der Amateurhaftigkeit und der Vulgarität eines Donald Trump. Es trat eine Polarisierung ein, die das Land spaltete, sowie ein Gegenbewegung (engl. backlash) gegen Globalisierung und Modernität. Trump wird außerdem die Vorteile einer bequemen Mehrheit der Republikaner im Kongress genießen können.

Welche Gründe mögen vorliegen?

Trump konnte die Mehrheit im Lande davon überzeugen, dass die so genannte ‚Politische Klasse‘ den Kontakt zur einfachen Bürger verloren hat. Nur er, der politische Außenseiter, sei in der Lage, die Probleme des Landes zu lösen. Dabei kämen ihm seine Erfahrungen als selbständiger Unternehmer zugute. Die Ursachen heutiger Problemen seien in der Einwanderungs-, Wirtschafts- und Sozialpolitik früherer Regierungen zu suchen, speziell denen der Obama-Zeit. Die Niederlagen und der anschließende Rückzug aus dem Nahen Osten, hätten den Ruf Amerikas angekratzt. Wie schon in einem Blog-Beitrag vor fünf Jahren angedeutet, ist das Land schon seit einiger Zeit verunsichert.

Welche Folgen kann diese Wahl haben für den Rest der Welt?

Meine erste Frage lautet: Wann kommt dieser politische Stil bei uns an? Meist dauert es 4-5 Jahre für ökonomische oder soziale Modethemen. Vielleicht geht es inzwischen schneller.

Der auf beiden Seiten des Atlantiks umstrittene Handelsvertrag TTIP wird wohl in der Versenkung verschwinden. Die Amerikaner können wirklich zu einer restriktiven Handelspolitik übergehen, wobei das Abfließen von Arbeitsplätzen nach Billiglohnländern wie China und Mexiko erschwert wird. Wie weit die Industrie darauf reagiert, ist eine offene Frage. Nachdem Kanada plötzlich zum Traumland vieler US-Bürger geworden ist, sollte sich die deutsche Industrie ebenfalls umorientieren. Alabama und Tennessee waren für deutsche Autobauer wirklich keine attraktiven Orte. Siehe da, CETA könnte helfen. Im Übrigen haben chinesische Investoren längst die Rolle übernommen, die US-Investoren vor 50 Jahren hatten. Putzmeister, KUKA und Aixtron sind nur Vorboten.

Die NATO wird sich neu besinnen müssen. Sie kann nicht länger davon ausgehen, dass die USA die Hauptlast tragen. In diesem Punkte wird Trump eine von Obama begonnene Politik nur fortsetzen. Möglicherweise wird der Ton sich ändern. Ob Trump den rechten Gruppen in Europa (wie Front National und AfD) weiteren Auftrieb geben wird, bezweifele ich. Ein weniger präsentes Amerika wird linke wie rechte Gruppen zum Umdenken zwingen. Wie hingegen Trump mit Baschar al-Assad, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan umgehen wird, das sind die großen spannenden Fragen. Wir werden es demnächst sehen.

Erste Reaktionen

Calvin Arnson aus Portland, Oregon schrieb:

Es ist mir und meiner Frau, als wenn wir in einem Alptraum sind – wir können es nicht fassen.  Die Situation ist gefährlich, und in diesem Moment droht noch gefährlicher zu werden. Die Trump-Unterstützer in der Festhalle rufen, „Lock her up!“ und wir sehen die ersten Anzeichen schon, dass die Trump-Management-Leute ihre Muskeln gegen die Demokraten spannen wollen.  Das Alles mag die Struktur der regierenden Institutionen des Landes nicht standhalten können.  Habe ich den Antisemitismus auch erwähnt?  ObamaCare und Dodd-Frank werden vernichtet.  FDA und OSHA werden gehemmt oder vernichtet.  „Regulations“ sind das Hauptböse im Land.

Ich sehe nicht, wie das vorwärtsgehen kann. Nur wie es untergehen kann. Die Republikaner werden den Congress in ihrer Macht haben. Supreme Court auch. It’s going to be a wild. … American tradition, law, and institutional structures do not allow for a real opposition that is independent of the Congress….I really respected government leaders during my time in Germany. I had reason to respect both the Right and the Left. Some amazing progress was made in Germany after the war.  Eine Blüte der Vernichtung und Irrwege vielleicht.  …Some hope that Trump will develop "Presidential airs" ... that is unbelievable after this election campaign.

Peter Hiemann aus Grasse meinte:

Meine erste Reaktion auf den Wahlausgang in USA betrifft nicht nur die Person Donald Trump. Sie betrifft vor allem die Denk- und Verhaltensweise der  amerikanischen Bevölkerung. Mir scheint, dass sich die Mehrheit  gegen existierende politische Institutionen und deren Eliten ausgesprochen hat. Trump hat im Wahlkampf deutlich gesagt, dass er nicht zur politischen Elite gehört. Mir scheint, dass die Wähler Trumps übersehen haben, dass ökonomische Eliten in USA schon längst die gesellschaftlichen Verhältnisse prägen. Trump als  herausragender Vertreter der ökonomischen Elite wird die Bevölkerung weiterhin polarisieren. Man darf gespannt sein, wie sich die Wahl Trumps auf das schon sehr angespannte gesellschaftliche Klima auswirken wird. Viele junge Leute unterstützen Bernie Sanders' Vorstellungen. Trump hat angekündigt, dass er Millionen Arbeitsplätze dadurch schaffen will, indem er Investitionen in die Infrastruktur (Straßen, Brücken, Schulen, etc.) veranlassen wird. Er hat nicht gesagt, wer das finanzieren wird. Hatten wir in Deutschland nicht einmal ähnliche Ankündigungen? 

Unter 'normalen' Bedingungen prägen Expertenwissen und Finanzkräfte gesellschaftliche Entwicklungen. Es ist nicht anzunehmen, dass weltverknüpfendes Wissen und Einstellungen in Bevölkerungen von mehr oder weniger Uninteressierten gesellschaftliche Entwicklungen beeinflussen wird. Normalsterbliche orientieren sich  pragmatisch und bevorzugen spontane emotionale Bauchentscheidungen. Mehr oder weniger 'Unwissende' können sich allerdings organisieren und gesellschaftliches Schwarmverhalten veranlassen. Es wird zukünftig darauf ankommen, dass politische, ökonomische und technische Eliten in Führungspositionen 'weltverknüpfendes Wissen' und offene Einstellungen besitzen. Eliten, die ausschließlich  Machtinteressen verfolgen und auf ökonomischen Erfolg setzen, setzen sich dem Vorwurf aus: Sie wissen nicht, was sie tun.  Bei Trump kann ich „weltverknüpfendes Wissen“ beim besten Willen nicht erkennen. 


Hartmut Wedekind aus Darmstadt schrieb:

Die politische Demoskopie versagt überall auf der ganzen Linie, weil  "political correct", die das Establishment unterstützt, die Leute zwingt, alles in pectora  (im Herzen) zu halten. In der Wahlkabine kommt es dann raus. Was man  deutlich merkt, ist eine Verunstaltung der Demokratie, die wie die Wissenschaft  auf Diskurs angewiesen ist. Eine  Unterdrückung unbeliebter Darstellungen ist undemokratisch und unwissenschaftlich. PUNKT!  Ein Befragter sagt in der Demoskopie nichts mehr, aus Furcht? Die sich äußern, sticht man aus wie Pilze und haut sie in die Pfanne. In Deutschland populär als Opfer war der Sarrazin. Jetzt liegt er in der Pfanne. Bei uns ist das genauso. Die Demoskopie sagt momentan für nächstes Jahr 12 % für die AfD voraus. Mit über 20 % können wir dann rechnen.

Ich sage wenigstens überall, was ich denke. Was soll ich wählen? Das Berliner oppositionslose Establishment? Nein. Zu viele Fehler in der letzten Dekade in der Finanz-, Energie- und unkontrollierten Flüchtlingspolitik. Da ist ein Riesendurcheinander, eigentlich führungslos. Die EU ist ein Club von Rechtsbrechern, eigene Gesetze werden gebrochen, wohlbemerkt!

Die AfD? Oben saßen früher die Professoren und unten die Proleten. Die Professoren oben sind weg. Als Alternative: Hingehen und alles durchstreichen? Früher habe ich mal FDP gewählt. Gibt's die noch? Was soll ich antworten, wenn mich ein politischer Demoskop aus Allensbach oder Forsa befragt? Schön wenigstens zu wissen, dass das vielen in der Welt auch so geht. Bloß der "Ausgediente Wedekind " kann sagen, was er denkt. Er ist keiner "politcal correctnes" unterworfen, nicht mehr, sollte hinzugefügt werden. Unsere Presse hat einen  gewaltigen Bias.

PS.: "utinamque oculos in pectora posses inserere" oder:  "Oh, dass Du in mein Herz schauen könntest". Frei übersetzt (nach Ovid). Und nach Horaz (Oden), das gilt auch für edel dreinschauende  Politiker:  "Quid pectora cogis, auri sacra fames". "Was zwingst du die sterblichen Herzen, oh heiliger (verfluchter) Hunger nach Gold".  Das muss man im Hexameter lesen. Sie sehen, durch die Lage werde ich wieder an meinen Lateinunterricht vor 65 Jahren erinnert. Die Leute, die etwas gegen Freihandel haben, sollten sich mal ordentlich artikulieren können, Chlorhühnchen und Genmanipulation nehme ich nicht ernst. Ein Bildungsstandard muss in einer Demokratie vorausgesetzt werden, sonst geht es nicht. Wenn es keinen Bildungsstandard in der Bevölkerung gibt, dann muss wenigstens eine Elite darüber verfügen. Gibt es eine politische Elite noch? Alles schaut jetzt auf Trump. Sich selbst sehen sie nicht mehr, die Blinden in einem Parlament, das sich immer mehr per Überhang aufbläht. Und: Als ob wir nicht eine Person hätten, die ein Präsidentenamt ausfüllen könnte?

Gerhard Schimpf aus Pforzheim schrieb:

Anbei eine Übersicht der NY Times zum Wählerverhalten in den USA (es dauert einige Zeit, bis sich die Seite aufgebaut hat). Die Struktur sieht ähnlich aus wie beim Brexit und es wird nicht schwer sein, den dahinter steckenden Frust auf Deutschland zu übersetzen.

Kommentare:

  1. Mein Tagebucheintrag vom 5.10.2016
    Donald Trump wird siegen, sagen die Linguisten. Glaub ich inzwischen auch, auch wenn es mir nicht gefällt. Ich sehe folgende Gründe für Trump:
    Die Amis haben politische Korrektheit satt;
    Sie wollen keine Polit-Clans mehr;
    Ein Reicher ist ein guter Mensch, sonst wäre er nicht reich;
    Er pfeift auf die Journalisten;
    Trump spricht die einfache Sprache der Amis, er ist verständlich und unterhaltsam;
    Hillary zuzuhören und zuzusehen ist hingegen eine Qual für mich.

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  2. Klaus Küspert zitierte und fragte:

    'Während viele Ökonomen wie der Ifo-Präsident Clemens Fuest Rückschläge für die Weltwirtschaft erwarten, sollte Trump tatsächlich Handelsschranken aufbauen, sieht manch ein deutscher Konzernchef auch Gutes am Wahlsieg des Republikaners. "Mittelfristig bin ich positiv gestimmt", sagte der Chef des Baukonzerns HeidelbergCement, Bernd Scheifele. Es sei damit zu rechnen, dass der Staat unter Trump mehr in Infrastruktur investiere. Und: Falls Trump tatsächlich die angekündigte Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen lasse, könne HeidelbergCement davon als Lieferant profitieren.'

    Ist das Satire oder nicht?

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  3. Hartmut Wedekind schrieb:

    Alles ganz einfach: Ich als Kandidat spiele den „ bad guy“, habe alle: Presse, Prognostiker, Establishment, insgesamt alle, die „politisch korrekt“ denken, gegen mich, und gewinne ...

    Wie kommt das, frage ich die politisch korrekt Denkenden? Eine Antwort bitte und kein Blabla. Kein „motherhood“ sagen die Amerikaner.

    Auf diese Frage antwortet das Getöse in der Presse nicht. Man macht den Eindruck wie ein angeschossenes Wildschwein. Ich glaube die erahnen etwas, wissen tun sie nichts. Doof sehen leider nur die Demoskopen aus. Die wissen nunmehr, dass sie doof aussehen. Ob die nächsten Talkshows die Frage klären? Geht nicht , weil eine Frage der kritischen Selbsterkenntnis dahinter steckt. Wehe denen in Berlin, wenn sich das nicht ändert. AfD –Leute politisch korrekt zu kleinen Nazis machen, das geht nicht. Das ist einfach! Auch der politisch korrekte Ausdruck „Populismus“ ist falsch, weil nicht trennend. Alle Politiker sind Populisten. „Wenn alle Politiker Populisten sind (das müssen sie in einer Demokratie sein), dann sind auch AfD-Leute Populisten“. Ich glaube, den Schluss verstehen sogar Kabinettsmitglieder in Berlin.

    Wo bleibt der Kritische Mensch, der sich vom Naiven und Dogmatiker abhebt? Ich fürchte, die haben begündungsorientiertes, kritsches Denken in ihrer Ausbildung nicht gelernt, obwohl das die Basis einer jeden Wissenschaft ist. „Kritik“ ist für die „Korrekten“ ein weitere Blabla-Begriff und kommt zu vielen anderen Begriffen dieser Art. Der Begiff „Werte“ ist auf dem Wege dahin. Dass bei uns eine christlich fundierte Aufklärung (enlightment) dahinter steckt, ist unbekannt.

    By the way: Die USA waren die erste Nation des „enlightment“. Siehe die Unabhängigkeitserklärung 1776. Man sollte daran mal wieder erinnern. Ob die von Europa Rat brauchen? Vom „Alten Fritz“ haben die sich nur die Generäle geholt (z.B. von Steuben aus Magdeburg).

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    1. Angela Merkel hat doch schon einen Anfang gemacht. Als sie Trump zum Sieg gratulierte, hat sie ihn daran erinnert, dass es Dinge wie Demokratie und Menschenrechte (etwa für Schwule) gibt. Er wird sehr beeindruckt gewesen sein.

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  4. Otto Buchegger aus Tübingen schrieb:

    Ich gehöre zwar nicht zu den Kommentatoren, aber Clinton wäre für mich noch schlimmer gewesen.

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  5. Die folgende Mail von Volker Tristram finde ich beachtenswert. Nach all dem Gejammere mal eine konstruktive Idee. [Bertal Dresen]:

    ... ist ja alles gut und schön, was [jemand] schreibt, in Sachen "mit USA leben". Was aber ist, wenn USA nicht mit uns leben will?! Und das scheint ja Trumps erster Gedanke zu sein: Wir machen alles selbst, sonst werden wir doch nur betrogen. "America First" heißt doch nichts anderes. "Monroe-Doktrin 4.0" . So wie ich den Mann einschätze, wird er versuchen, seine Versprechen wahr zu machen. Ob er damit auf die Dauer(!) durchkommt, ist zweifelhaft, aber was machen wir in Europa bis dahin?! Das kann dauern! Und der Typ ist beratungsresistent...

    Meine Sicht dazu: Ohne ein engeres Zusammenrücken innerhalb der (alten) EU werden die einzelnen Länder noch stärker leiden, als wenn sie zusammenstehen. Ein Vorgehen nach dem Motto "erst versuche ich es allein, wenn das nicht geht, rufe ich die EU" wird nicht funktionieren. Fazit: Entweder kriegen wir (Zentral-) Europäer die Kurve, d. h. miteinander zu gehen, oder es wird uns einzeln zerreißen.

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    1. Erich Ortner aus Konstanz erwiderte:

      Trump kann im amerikanischen System, dem "Vicious Circle of Wealth and Power", allein gar nichts ausrichten. Und die Frage, wie sich die amerikanischen Eliten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft (so z. B. auch ein Noam Chomsky oder ein Edward Snowden) dazu in nächster Zeit verhalten werden, ist doch noch gar nicht beantwortet.

      Die EU hat selbst gar nicht die Mittel (Können) - technologisch und politisch nicht - um das zu erreichen, was Du da als "Sollen" forderst. "Sollen impliziert Können", aber nur, wenn das Können (z. B. Technologie und wissenschaftlicher Fortschritt) da ist, ist das realistisch, sonst ist man von Anfang an auf dem falschen Dampfer. Ein marodes Schiff wie die EU auf offener See in ein modernes Kreuzfahrtschiff, auf dem es "gerecht" (z. B. maßvoller Wohlstand für alle) zugeht, umzubauen, ist ein verdammt schwieriges Unterfangen, vor allem dann, wenn es die Beteiligten (z. B. auch als Kern-EU - ohne UK - nicht) gar nicht wollen. Deutschland müsste zu viel von seinem Reichtum in der EU (z. B. überall gleiche Sozialstandards) "umverteilen". Und dazu (Transferunion) sind hier selbst die "Gutbürger" nicht willens. Noch schwerer wiegt aber natürlich auch der technologische und wissenschaftliche Rückstand.

      Beispielsweise bei den Wissenschaftlern: Sowohl in den MINT- als auch in den PSÖJ-Fächern [Psychologie, Soziologie. Ökonomie, Jurisprudenz] kommt alles, was Rang und Namen hat in den letzten 70 Jahren aus den USA oder die jungen Menschen sind zum studieren und wissenschaftlichen Arbeiten in die USA (Braindrain) gegangen. Was Wissenschaftler und Ingenieure aus vielen Ländern und natürlich auch aus den USA, dort entwickelt und entdeckt haben, macht sich natürlich zunächst das "amerikanische System" zu nutze.

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  6. Hartmut Wedekind zitiert aus der Süddeutschen Zeitung: „ Die LA Times sagte das Ergebnis korrekt voraus und wurde dafür angefeindet“. Dann fährt er fort:

    Denn für „apostolische Gesandte“ sind nur „ Politisch-Korrekte“ für das Korrekte zuständig. Inkorrekte (Trumpisten, AfD’ler etc. ), die aber demoskopisch fleißiger sind, gehören angefeindet. Punkt: Das ist ein Dogma! Keine Widerworte! So muss es sein!

    Ich wette, denen in Berlin geht jetzt (wie man beim Kommiss sagt) der Arsch mit Grundeis zu. Und das ist gut so! Denn doof sind die hoffentlich ja auch nicht. Das „Kleine-Nazi-Argument“ in Sachen AfD wird nicht viel nützen. Das sehen die vielleicht ein.

    Her mit der Diskussion, her mit der Argumenten! Das nennt man Demokratie, die einen gewissen mentalen Standard voraussetzt. Weg mit dem Krawall-Diskurs in Talk–Shows. Talk-Shows kommen aus Amerika. Ja woher denn sonst? Ob die da oben überhaupt noch diskutieren können? Im Bundestag jedenfalls können sie es nicht. Grässlich, was man auf Phönix manchmal sieht. Lauter belligerente Klugscheißer reden da und kotzen sich gegenseitig an. Mehr können die nicht, ganz furchtbar.

    Ein Problem, aus dem Griechischen: ein Gegenstand, der vor einem hingeworfen wurde, aufheben, von allen Seiten betrachten und Lösungsvorschläge unterbreiten, das können die nicht, das haben die nicht gelernt in ihren sozio-politologischen Uni-Seminaren. Kenntnisse sind dabei erforderlich, auch Basis-Kenntnisse, nicht nur Oberflächen-Plätschern. Sind das an den Unis herunter gekommene Kampf-Seminare und Kader-Schulungen? Was die können, kann der Trump auch. Warum sich also aufregen?

    Quatsch erzählen gehört zur Demokratie, sagt man. Aber, der, der Quatsch erzählt, muss belehrt werden (und zwar kritisch grundlegend), damit das Quatsch-Erzählen aufhört. Auch das gehört zur Demokratie. Demokratie ist viel wissenschaftlicher als so mancher da oben denkt. Für Puristen: „Demokratie = Wissenschaft“. Wenigstens ein Spur davon sollte zu spüren sein.

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    1. Mich wundert es, dass Ihnen so viel an den Meinungsforschern gelegen ist. Ja, sie haben sich mal wieder blamiert. Ihre Tagessätze sollten fortan halbiert werden. Vielleicht wollten das sogar einige Leute bezwecken, die Angst hatten, dass man Wahlen ganz abschaffen würde, da Meinungsforschung eh schneller und besser zu sein scheint.

      Sollte die Politik nicht immer daran interessiert sein herauszubekommen, was wir Bürger denken? So z.B., was wollen wir an unserer Situation bzw. unserem umgebenden System geändert haben, falls überhaupt etwas? Hier kann die Meinungsforschung aktiv werden, und sie ist es auch. Die Presse kann helfen, die Dinge zu beleuchten bzw. zu erklären. Aber nur, wenn sie nicht Gefahr läuft, als Lügenpresse angesehen zu werden. Dass die Presse als solche diffamiert wird, ist nicht das wahre Problem. Anklagen zu erheben ist leicht. Sie zu begründen gegenüber Richtern ist entscheidend.

      Vielleicht wird es nötig wie in der Schweiz bei jeder Abstimmung ein kleines Büchlein zu verteilen, das erklärt, was zur Abstimmung steht. Beamte oder Experten erklären darin das Pro und Kontra jeder Abstimmung. Bei einer Personalwahl delegieren wir oft Verantwortung, ohne zu wissen, was alles kommen kann.

      Jedes System ist verbesserbar, auch das politische System. Zu sagen, die da oben seien alle doof und uneinsichtig, ist mir zu einfach gedacht.

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  7. Peter Hiemann aus Grasse schrieb:

    Die Statistik der New York Times über das Wahlverhalten der US Bevölkerung vermittelt einige deutliche Einsichten bzw. Trends.

    Wer hat Trump seine Stimme warum gegeben?
    - Männer
    - weiße
    - Alter: 45 Jahre und darüber
    - Einkommen: 50 000 und mehr Dollar
    - Einwohner kleiner Städte und Landbevölkerung
    - politische Orientierung: konservativ
    - Religion: Protestant und andere Christen
    - verheiratet
    - Wichtigste politische Bereiche: Immigration, Terrorismus
    - Zukunftserwartung: schlechter als heute
    - Handel mit anderen Ländern: verringert Jobs
    - Ausweisung von Immigranten
    - Unzufriedenheit mit und Wut auf Regierung

    Wer hat Trump seine Stimme warum nicht gegeben?
    - Frauen
    - Alter: 18 bis 44 Jahre
    - Einkommen: unter 30 000 – 49 999 Dollar
    - Einwohner von Städten mit mehr als 50 000 Einwohner
    - politische Orientierung: liberal und moderat
    - unverheiratet
    - Wichtigste politische Bereiche: Außenpolitik, Ökonomie
    - Wichtigste Qualifikation des Präsident: Erfahrung, Urteilsvermögen

    Einige Trends in Deutschland (Pegida, AfD) und UK (Brexit) sind durchaus vergleichbar.

    NB: Diese Zusammenstellung basiert auf der Statistik, auf die Gerhard Schimpf verwies. Ich bedanke mich nachträglich für Gerhard Schimpfs Hinweis.

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    1. I concur with the assessment of "immigration" as being the most potent of Trump's "attractions". Hillary did not address it.

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  8. Zwei Dinge passen irgendwie nicht zusammen: Die Kassandra-Rufe in den Medien und das Allzeithoch des Dow-Jones-Indexes. Oder anders gesagt: Amerika als Gemeinwesen ist dabei unterzugehen und seine Wirtschaft jubiliert. Wo liegt da die Sichtverschiebung, die Realitätsverweigerung?

    Vielleicht ist es der Optimismus der Wahlsieger, der ausbricht. Die finanziell kräftigen älteren Männer, die einen Aufschwung herbeischaffen wollen, tun schon mal etwas. Sie machen ‚America great again‘. Warum nicht schon Ende 2016 eine 'Trump-Hausse'? Es wäre etwas sehr schnell. Mir kann es nur Recht sein.

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    1. Klaus Küspert schrieb:

      Die Pfälzer/Weinsträßler gelten doch als eher bodenständig, ruhig und besonnen, vielleicht mal abgesehen von den Weinfesten. Wir waren zufälligerweise gerade diesen Sommer in Kallstadt nett essen. Vom "Drumb", wie man's dort gut pfälzisch ausspricht, war da noch nichts zu hören und spüren. Seine Kallstadt-geborene Großmutter hat er ja sogar noch erlebt bis Alter 20.

      Der Bürgermeister wird schon zitiert, man sei in Kallstadt an einem US-Präsidentenbesuch und zugeschweißten Gullideckeln nicht interessiert Na warten wir's ab.

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    2. Otto Buchegger schrieb:

      Die Antwort ist ganz simpel. Die Medien informieren die Menschen schlecht, vor allem die deutschen über Amerika!

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  9. Hartmut Wedekind schrieb:

    Nach USA schauend, lese ich gerade Wittgenstein „Sprache und Wirklichkeit“. W. hat erkannt bei einem Verkehrsunfall, dass beide drastisch auseinander klaffen können. So auch in den USA. Leider ist es so: Die Wirklichkeit schweigt, die redet nicht. Alles Wirkliche von anderen wird über Sprache vermittelt. Das weiß die Informatik z.B. nicht. Der Ausdruck „wirklich“ wird häufig in demagogischer Absicht benutzt, auch politisch. Gilt die Gleichung: Populismus = Demagogie oder „Volksverführung“, nicht mehr wie ursprünglich vom Griechischen, als Volkserziehung gedacht (agein heißt erziehen).

    Aber viele „Volks-Erzieher“ verführen, also sind es Volksverführer. Adolf Hitler war der berühmteste. Er war auch „Volks-Populist“, ein herrlicher Ausdruck. Ein Bundestagspräsident (Philipp Jenninger) sagte einmal zu Hitler „Faszinosum“ und musste gehen aus Gründen der politischen Korrektheit. Ist Trump ein Faszinosum“ (fascination)? Sicherlich. Ich glaube, das würde er auch selbst von sich stolz sagen. Niemand muss jetzt zurücktreten.

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  10. Dass Donald Trump Arbeitsplätze schaffen kann, und das insbesondere im Rostgürtel des Landes, hat man ihm vermutlich deshalb abgenommen, weil er aus der Baubranche kommt. Wir Deutsche konnten bisher noch keinen Unternehmer überzeugen, im Aufbau unseres Landes aktiv zu werden. Unser Nachbar Österreich hat uns da Einiges voraus. Bei ihnen bekam Richard 'Mörtel' Lugner schon einmal fast 10% der Stimmen bei einer Präsidentenwahl. Andere Gemeinsamkeiten zwischen Trump und Lugner sollte man übersehen.

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  11. Nach der Trump-Wahl sind viele Leute irritiert oder perplex über die Dummheit seiner Wähler. Andere Leute flüchten in Ironie und Sarkasmus. Dabei gibt es nur eine einzige vernünftige Reaktion, nämlich die neue Situation zu akzeptieren.

    Man muss sich fragen, was man selbst falsch gemacht hat in der Erklärung und im Vollzug seiner eigenen Politik. Man muss Mehrheiten finden, die dafür sorgen, dass diejenigen Drohungen Trumps, die man nicht mag, effektiv verhindert werden. Das betrifft dem Welthandel, die Nato, die Einwanderung, die Gesundheitsvorsorge und vieles mehr. Vieles was Trump im Wahlkampf forderte oder versprach, wird er selbst zurückziehen. Er hat bereits damit begonnen (Bsp. Obamacare). Andere Dinge wird er überhaupt nicht allein durchsetzen können. Jeder bisherige US-Präsident, insbesondere Obama, zahlte erhebliches Lehrgeld.

    Das Jammern sollte man möglichst bald beenden und stattdessen mit der Arbeit beginnen. Es gibt viel zu tun. Manches wird leichter und Einiges wird schwerer sein als vor der US-Wahl.

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  12. Klaus Küspert aus Jena schrieb:

    Unsere Presse ist doch nach wie vor schizophren: Die News, dass Trump für 1 symbolischen US$ arbeiten wird, wird tendenziell "natürlich" wieder eher negativ kommentiert bzw. kommuniziert... Ich denke, viele US-Bürger nehmen das hingegen positiv bzw. anerkennend auf. Andere Länder, andere Sitten.

    Soll nicht Hasso Plattner folgendes mal erzählt haben in etwa? "Wenn ich in den USA in ein Taxi steige und der Taxifahrer weiß oder erfährt, dass ich Milliardär bin, haut er mir auf die Schulter und sagt 'Klasse!'. Der deutsche Taxifahrer hingegen schmeißt mich aus dem Taxi und sagt 'Dich Arsc.. will ich nicht fahren!'". Mag was dran sein.

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  13. From The New York Times [daher in Englisch]:

    Donald Trump’s Election Leaves Angela Merkel as the Liberal West’s Last Defender. The German chancellor, who faces opposition at home, is gathering herself to fight alone for European unity as an increasingly divided Continent looks to Germany.

    http://www.nytimes.com/2016/11/13/world/europe/germany-merkel-trump-election.html?mwrsm=Email

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  14. Kritiker Trumps sind die Leute, die glauben, was er sagt. Seine Anhänger glauben nicht, was er sagt. Sie hoffen auf Taten.

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  15. Die Präsidentenwahl ist das Ergebnis eines anachronistischen Wahlsystems in den USA: das Wahlmännersystem mit dem Prinzip "the winner takes it all" kann kein für die Gesamtbevölkerung repräsentatives Ergebnis bringen. In absoluten Wählerstimmen lag Hillary Clinton (falls die Nachrichten stimmen) um fast 2 Millionen vor Donald Trump. Auch George W. Bush hatte die zweite Wahl ohne Mehrheit bei den Wählerstimmen gewonnen. So, wie die USA derzeit innenpolitisch aufgestellt sind, ist an eine Wahlrechtsreform natürlich nicht zu denken. Diese wäre aber unabdingbar notwendig, um zukünftig zu Wahlergebnissen zu kommen, die auch tatsächlich den Wählerwillen widerspiegeln. Namentlich die Republikaner können aber daran kein Interesse haben, da das derzeitige System sie, allen Anschein nach, tendenziell bevorteilt. Wir können also nur hoffen, dass die Amerikaner in den kommenden 4 Jahren erkennen werden, dass sie den Falschen gewählt haben. Was wiederum voraussetzen würde, dass er mit schlechten Ergebnissen regiert. Alles in allem keine guten Aussichten - auch nicht für uns Europäer...

    Manfred Nusbaum

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