Mittwoch, 26. Januar 2011

Lesererlebnisse eines Blog-Banausen

Wie im ersten Eintrag dieses Blogs erwähnt, gehöre ich nicht zu den Menschen, die begeistert auf diesen neuen Wagen sprangen, als er zum ersten Mal vorbeifuhr. Ich ließ mir viel Zeit. Ich war vorher nämlich 15 Jahre lang Herausgeber einer Fachzeitschrift und dachte stets daran, wie schwierig es ist, einen Fluss guter Einreichungen zu starten und am Leben zu halten. Auch glaube ich immer noch, dass nicht alles, was eingereicht wird, es verdient veröffentlicht zu werden, oder zumindest nicht in der Form oder dem Zustand wie eingereicht.

Bei Blogs handele es nicht nur um ein Kunstwort (entstanden aus den beiden Wörtern Web und Log), hieß es, es sei auch sonst alles anders. Es sei eine Demokratisierung des Publikationsprozesses. Vor allem brauche man keine Herausgeber und keine Verlage mehr. Schnell und billig ist es auch noch.

Blogs im engeren Sinne sind Tagebücher, die von Privatleuten im Web geführt und frei angeboten werden. Sie bilden meines Erachtens keinen Gegensatz zu den Angeboten von kommerziellen Nachrichtendiensten oder Zeitungsverlagen, sondern eine Ergänzung, Das Phänomen Blog scheint sich zu halten, ja weiter um sich zu greifen. Von anderen Phänomenen des Internets wie Second Life lässt sich das nicht sagen.

Ich begann etwa vor einem Jahr mich mit Blogs zu befassen, indem ich mir zunächst mehrere Ranglisten (so genannte Blog Charts) ansah. Es gibt nicht nur eine, sondern mehrere Ranglisten. Diese konkurrieren teilweise miteinander. Es gibt getrennte Ranglisten für deutschsprachige und englischsprachige Blogs. Es gibt allumfassende Charts und solche nach Themengebieten. Besonders aktive Themen sind Computer, Fotografieren, Gesundheit, Politik, Reisen, Smartphones und Spiele. Sortiert wird meist nach der Zahl der Zugriffe in den vergangenen 30 Tagen. Das sagt nichts darüber, wie viel darin gelesen wird, oder wie gut ein Blog ist. Dazu gibt es von Zeit zu Zeit Aussagen von Fachmedien oder von Laien (wie mir), die sagen, welche Blogs sie als die besten ansehen. Zwei bekannte deutsche Ranglisten sind Deutsche Blog Charts und Topblogs. Das Bloggeramt listet Tausende von Blogs, ohne sie zu bewerten. Eine Liste englischsprachiger Blogs findet man bei Technorati.

Es gibt mehrere Anläufe, informatik-spezifische Blogs zu etablieren. Es fällt mir noch schwer, etwas Vernünftiges zu ihnen zu sagen. Der Informatik Blog von J.B. Dietrich wurde gerade erst gestartet. Er will über Software-Entwicklung und Anwendungen berichten. Einige der von Studierenden betriebenen Blogs machen einen gepflegten Eindruck. Sehr gut gefällt mir zum Beispiel der Informatik Saarland Blog. Er berichtet von der Universität Saarbrücken und vom DFKI, zwei Hochburgen deutscher Informatik in Lehre und Forschung. Nicht ganz so anspruchsvoll sind der Diplominformatik von Sven Seidel aus Leipzig, sowie der Informatik-Student von Joachim Schuler von der FH Würzburg. Außerdem gibt es Blogs, die von persönlichen Freunden oder Kollegen betrieben werden. Sie mögen keine Spitzenplätze auf den Charts belegen, sind aber unter Umständen für einen selbst sehr wichtig. Schon seit fast fünf Jahren versorgt mich (und wen immer es interessiert) ein amerikanischer Freund mit Buchbesprechungen und Lesetipps aus Geschichte, Philosophie, Politik und Wissenschaft.

Einige Bemerkungen möchte ich machen zu einigen der auf den deutschen Charts genannten Blogs, die ich selbst eine Weile lang verfolgt habe und teilweise noch verfolge:

Basic Thinking: Der Blog wurde ursprünglich von einem Mann namens Robert Basic gestartet. Er war lange Zeit der populärste deutsche Blog. Als Herr Basic keine Lust mehr hatte, verkaufte er den Blog. Die Thematik ist zwar technik-orientiert, aber nicht informatik-spezifisch.

GoogleWatch: Wie der Name sagt, wird hier über die Produkte und das geschäftliche Gebaren des Suchmaschinen-Marktführers berichtet.

Netzpolitik: Der Blog wird von Markus Beckedahl betrieben. Er sieht darin eine politische Plattform für Freiheit und Offenheit im digitalen Zeitalter. Er scheint den Positionen der FDP nahezustehen. Beckedahl ist zurzeit Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages und berichtet ausführlich über deren Aktivitäten. Den Blog finde ich interessant.

Spreeblick: Dieser Blog berichtet primär aus der Berliner Szene. Er ist politisch neutral, ist aber mehr als nur Klatschspalte.

Sprengsatz: Hinter diesem Blog aus Berlin steht der bekannte Journalist Michael Spreng. Er steht der CDU nahe, nimmt aber alle Parteien aufs Korn.

Will man wissen, wer für einen Blog verantwortlich zeichnet, kann man sich das obligatorische Impressum ansehen. Dass Blogs auch in Schwierigkeiten kommen können, beweist Nerdcore. Seit 2005 schrieb er über Popkultur-Themen von Musik über Fotografie bis hin zu Design. Jetzt wurde er zwangsweise geschlossen. Näheres darüber bringt ein Artikel in Focus Online.

Zum Verfolgen von Blogs benutzt man am besten eine Kategorie von Werkzeugen, die als RSS Reader bezeichnet werden. Sie waren ursprünglich dafür gedacht, RSS Feeds zu lesen. RSS soll für ‚Really Simple Syndication‘ (auf Deutsch: einfaches Zusammenschließen) stehen, muss man aber nicht behalten. Ich selbst benutze auf meinem Windows-Rechner das Werkzeug FeedDemon. Auf dem iPhone und iPad tut es die Applikation FreeRSS. Erst wenn man Kommentare schreiben will, muss man bei vielen Blogger-Systemen zuerst ein Konto einrichten. Das ist ein minimaler Schutz gegen Vandalismus. Soweit ich dies feststellen konnte, bekommen die oben genannten Blogs relativ wenig Kommentare. Das ist anders bei Zeitungen und Zeitschriften. Ich kann mich erinnern, dass ein bestimmter Artikel bei Spiegel Online (zu Urheberrechtsfragen) in der ersten Nacht mehr als 500 Kommentare bekam.

Das – in knappen Sätzen – sind meine Erfahrungen. Jetzt hoffe ich darauf, dass meine Leser, die vielleicht über viel umfassendere Erfahrungen verfügen als ich, meine Ausführungen ergänzen. Das ist bei einem Blog naheliegend und kinderleicht. Also ran!

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