Mittwoch, 20. April 2011

Erneuter Blick auf Facebook

Bereits im Februar hatte ich außer zu anderem sozialen Netzen auch einige kurze Bemerkungen zu Facebook gemacht. Von einem besonders treuen Leser wurde mir in der Zwischenzeit mehrmals nahegelegt, mich doch intensiver mit Facebook zu befassen. Im Grunde bin ich, im Gegensatz zu meinen Enkelkindern und zwei weiteren Bekannten (und Facebook-Freunden) immer noch nicht richtig mit diesem System warm geworden. Abgesehen von dem Gewinn einiger weiterer Freunde, habe ich in den letzten zwei Monaten praktisch keine großen Fortschritte gemacht.

Einen neuen Motivationsschub erhielt ich letzte Woche, als ich die Kommentare las, die ein Freund (im konventionellen Sinne) eines meiner amerikanischen Freunde (im konventionellen Sinne) geschrieben hatte. Sein Bericht – an dessen Sprachstil man sich allerdings erst gewöhnen muss − ist voll des Lobes für Facebook. Er fand im Nu eine Vielzahl von neuen Freunden (im Sinne von Facebook), und zwar auf dem ganzen amerikanischen Kontinent. Das liegt vermutlich daran, dass er ein sehr ausgefallenes Hobby hat, das man eigentlich als eine Art von Lebensweise ansehen muss. Er ist nämlich ein Hobo, genauer ein Edel-Hobo. Hobos heißen (lt. Wikipedia) Wanderarbeiter in den USA, die sich hauptsächlich an Bord von Güterzügen von einem Ort zum andern bewegen. Der Betreffende führt dieses Leben seit über 30 Jahren, genauer gesagt seit 1978. Ob er als heute 62-jähriger demnächst eine Pension bekommt. bleibt offen. Er wechselte bei seinen Fahrten zwischen Vermont im Nordosten und Baja California im Südwesten. Der ebenfalls im Internet festgehaltene Lebensrückblick des besagten Hobos ist eine spannende Lektüre. Jack London war einer seiner frühen Wegbereiter. Kommen Ihnen beim Lesen hin und wieder Begriffe ungewohnt vor, Google oder Wikipedia können helfen. Nur so viel: Eine Hoboette ist ein weiblicher Hobo.

Mit diesem Facebook-Nutzer kann ich leider nicht mithalten. Auf meine beiden angegebenen Interessengebiete (Computer-Historie und Eifler Heimatforschung) hat bisher noch niemand direkt angebissen. Stattdessen bekomme ich inzwischen etwa 700 Namen (meist mit Fotos) von Leuten angeboten, die ich eigentlich kennen müsste. Es sind alles Facebook-Freunde meiner Facebook-Freunde. Etwa ein Dutzend davon kenne ich sogar persönlich. In diese Kategorie gehören einige der angeheirateten Verwandten meiner Kinder, eine frühere Kollegin, ein Informatik-Professor aus Österreich, sowie der Landrat und der CDU-Landtags­abgeordnete des Eifelkreises Bitburg-Prüm. Gäbe es mehrstufige Verknüpfungen, würden mir wohl bald alle 600 Millionen Facebook-Nutzer angeboten. Bekanntlich wurde ja im Jahre 1967 von dem amerikanischen Psychologen Stanley Milgram entdeckt, dass jeder Mensch jeden beliebigen anderen Menschen über durchschnittlich sechs Ecken kennt.

Ich selbst habe mehrere Versuche unternommen in Facebook aktiv zu werden. Ich fand zum Beispiel heraus, dass es Träger meines (wahren) Familiennamens zu Hunderten gibt, vorwiegend in den USA. Sogar einen Nutzer gleichen Vornamens gibt es. Übrigens wusste ich längst dank Google, dass es mich allein in Deutschland bereits fünf Mal gibt. Ich fand jemanden, der einen etwas seltenen, aber in meiner Familie durchaus bekannten Nachnamen besitzt. Ich schrieb ihn in Deutsch an und erhielt prompt eine Antwort. Der betreffende Herr ist zurzeit als Mediziner an einer Universität in Alabama tätig. Er stammte in der Tat aus derselben  Region wie ich und hat dort noch Verwandte. Darunter gäbe es sogar welche, die Familien- und Heimatforschung betreiben. Mein Versuch, mit denen in Kontakt zu treten, blieb bisher jedoch ohne Erfolg.

Das Geheimnis um die am Anfang des zitierten Berichts wiedergegebene URL will ich lüften. Es ist ein Artikel der New York Times, in dem diese zu berichten weiß, dass Facebook auch Gutes tut. So hat man ein Rechenzentrum nahe einem Kohlekraftwerk in Oregon gebaut – offensichtlich gibt es nicht nur neben Wasserkraftwerken billigen Strom − und hat Hardware-Lieferanten Hinweise gegeben, wie sie ihre Rechner verbessern können, um bei Facebook-Servern den Energie­verbrauch erheblich zu reduzieren. Was ist daran so berichtenswert? Ich verrate es Ihnen: Facebook stellt inzwischen eine derartige Macht dar, dass alle anderen Unternehmen der Branche besser genau zuhören sollten, wenn Facebook etwas wünscht.

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