Freitag, 30. Dezember 2011

Ist die Welt noch zu retten? - Gedanken zum Jahresende

Immer wieder werden die grossen Probleme gelistet, an denen früher oder später unsere Welt zugrunde gehen muss. Gemeint ist die Zerstörung der Lebensgrundlage von uns Menschen. Derartige Listen umfassen meistens folgende Arten von Problemen:
  • Überbevölkerung gefolgt von Hunger, Armut und Migration
  • Klimaveränderung als Ursache von Dürren, Unwetter und Gletscherschmelzen
  • Naturkatastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüche, Hochwasser und Meteoriten
  • Umweltverschmutzung in Form von Boden-, Luft- und Wasserverseuchung, chemischen Abfällen und Weltraumschrott
  • Seuchen wie SARS und AIDS
  • Raubbau an Ressourcen mit Auswirkung auf Artenvielfalt
  • Wirtschaftliches Ungleichgewicht zwischen Ländern und Regionen
Die Liste kann man fortsetzen. Man kann sie unterteilen in Probleme, die vom Menschen verursacht oder stark beeinflusst werden, und solche, an denen er keine Schuld trägt. Hier geht es darum, ob man diese Probleme als Schicksal akzeptieren muss, oder ob und wie man dagegen ankämpfen kann.
Alle erwähnten Probleme sind von der Art, dass ein einzelner Mensch vollkommen überfordert ist, eines der Probleme allein zu lösen. Er kann bestenfalls versuchen, seinen Beitrag als Verursacher zu minimieren. Lösen können wir die Probleme nur durch eine konzertierte Aktion oder viele Aktionen vieler Menschen. Das ist zwar abschreckend, sollte jedoch kein Anlass sein, das Problem als unlösbar anzusehen. In den meisten Fällen ist auch eine radikale Lösung, also eine Lösung auf einen Schlag, kaum vorstellbar.

Der Begriff der konzertierten Aktion scheint hier besonders gut angebracht zu sein. Man bringt damit zum Ausdruck, dass eine Vielfalt von Kompetenzen gefragt ist und zur Anwendung gebracht werden muss. An erster Stelle scheinen hier die staatlichen Organe zu stehen. Sie haben die eindeutige Verantwortung, für das Wohl der Bevölkerung zu sorgen, und zwar nicht nur kurzfristig sondern auch langfristig. Fast immer verfügen sie auch über die besten Kompetenzen und Ressourcen. Dass es nicht leicht ist, das Handeln von Staaten zu koordinieren, beweisen die diversen Klimakonferenzen. Da alle Staaten sich als unabhängig und gleichwertig ansehen, ist gegenseitiges Überzeugen unabdingbar.

Die Wirtschaft ist an zweiter Stelle gefordert. Oft hat sie Kompetenzen und Kapazitäten, die dem Staat nicht zur Verfügung stehen. Unternehmen, die sich hier engagieren, verbessern ihre gesellschaftliche Reputation und gewinnen dadurch für Kunden und Mitarbeiter an Attraktivität. Vor allem besteht ein grosses technisches Potenzial auch anderswo gerade für die Fähigkeiten und Disziplinen, die hier gefordert werden. Am Schluss gibt es hier viel Raum für private Initiativen. Hier können neue Organisationsformen sich bewähren, wie die vielzitierten Non-Government Organizations (NGO). Wenn ihre Schlagkraft vielleicht nicht ausreicht, um Probleme zu lösen, so können sie jedoch sehr viel dazu beitragen, das Bewusstsein für Probleme zu schaffen oder zwischen Lösungen auszuwählen.

Besser als je zuvor verfügen wir über technische und wissenschaftliche Möglichkeiten, um die Probleme zu beherrschen. Fast jedes Fachgebiet kann auf seine Art Beiträge leisten. Unser Fachgebiet, die Informatik, verfügt über immer kleinere und billigere Sensoren, um Daten zu erfassen. Immer leistungsfähiger sind die Rechner und die Algorithmen, mit deren Hilfe wir die Daten analysieren können. Durch Aktoren der verschiedensten Art können wir in das Geschehen eingreifen. Auch kann sie dabei helfen, nützliches Wissen auf vielen Gebieten schneller und kostengünstiger zu verbreiten.

Es ist falsch, in Lethargie und Hoffnungslosigkeit zu verfallen, sowohl angesichts der Zahl wie der Schwere der Probleme. Das Bewusstsein ist in grossen Teilen der Bevölkerung vorhanden. Viele der groessten Koryphäen und Talente haben sich der Sache verschrieben. Andererseits besteht kein Grund, überoptimistisch, ja euphorisch zu werden. Manche Dinge werden unheimlich viel Zeit kosten. Einige Probleme werden dadurch noch an Brisanz gewinnen. Die Probleme sind hart, aber zu lösen. Es bedarf allerdings enormer Ausdauer und organisierter Anstrengungen. Die Kosten werden uns astronomisch vorkommen. Die Lösungen fallen nicht vom Himmel. Menschen müssen und werden sich ihrer annehmen.

Fragen wir uns, was die Bilanz dieses Jahres war, so ist Nüchternheit und Bescheidenheit angesagt. Natürlich war Durban erfreulicher als Kopenhagen. Der Weg ist aber noch weit, bis die Menschheit an einem Strang zieht. Es besteht kein Grund, locker zu lassen.

Angeregt wurde dieser Beitrag durch die Lektüre des Buches "Im Dienst der Welt" von Kevin Maney, Steve Hamm und Jeffrey O'Brian, das von IBM Press und Pearson PLC im Jahre 2011 veröffentlicht wurde. Darin wird versucht, die 100-jährige Geschichte dieser Firma und ihre Ziele für die Zukunft unter einem verbindenden Motto zu sehen. IBM ist nicht die einzige Firma, die in dieser Weise über ihr Wirken reflektiert.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein glückliches und friedvolles Jahr 2012. Besonders gefreut hat es mich, dass ich um die Jahreswende noch den 10.000. Seitenaufrufer ereicht habe. Er oder sie kamen vermutlich aus einem der folgenden Länder: Haiti, Griechenland, Bulgarien, Argentinien, der Russischen Föderation, den USA, Österreich, der Schweiz oder Deutschland.

1 Kommentar:

  1. Kommentar zu:
    Ist die Welt noch zu retten?
    Ein (unbekannter) mittelalterlicher Verfasser hat dazu bemerkt:
    „Ich komme, ich weiß nicht, woher. Ich bin, ich weiß nicht, wer.
    Ich gehe, ich weiß nicht, wohin. Mich wundert’s, dass ich so fröhlich bin“.
    Prosit Neujahr 2012

    Ihr
    H. Wedekind

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