Dienstag, 4. Dezember 2012

Wedekind bespricht neues BPMN-Anwendungsbuch

Buchbesprechung von Hartmut Wedekind zu „Prozessgesteuerte Anwendungen, entwickeln und ausführen mit BPMN“ von Volker Stiehl. dpunkt Verlag, 2012.

Wie definiert man Neues? Am besten, indem man Altes aufzählt. Also zählen wir Altes auf, um das neue Buch zu charakterisieren: Was ist das Buch von Volker Stiehl „Prozessgesteuerte Anwendungen mit BPMN“ nicht.

Erstens: Es ist kein BPMN-Buch, davon gibt es einige. Zweitens: Es ist kein SOA-Buch, denn von SOA grenzt sich Stiehl methodisch drastisch ab. Kein Bottom-up-, sondern wie bei einem echten Anwendungszentrierten, eben ein Top-down-Ansatz, also von den Anwendungen zur möglichen Implementierung, und nicht umgekehrt. Drittens: Es ist kein SAP-Buch, obwohl NetWeaver als Implementierungsumgebung herangezogen wird. Aber eine technologische Basis ist unumgänglich, will man aus einer technischen Unverbindlichkeit herauskommen.

Stiehls neues Buch ist ein Methoden-Buch zur Entwicklungslehre von Geschäftsprozessen, dringend erforderlich in dieser explodierenden, aber methodenarmen Zeit. Wenn das Wort „Paradigma-Wechsel“ nicht mittlerweile inflationär benutzt würde, wäre man versucht, es zur Beschreibung heranzuziehen. Wir unterlassen Inflationäres.

In Ingenieurfächern, insbesondere im Maschinenbau, ist das Phänomen eines vollkommen methodischen Neuansatzes nach vielen Einzelforschungen bekannt. Wir erinnern an die Konstruktionslehren von R. Koller und Pahl/Beitz. Man besann sich im Maschinenbau der 80-iger und 90-iger Jahre, dass Konstruieren im Kern aus dem großen Gebiet des „problem solving“ stammt. Es ist ein Vorgehen, das interdisziplinär angelegt, sich erst langsam in vielen Einzelschritten einer technischen Realisierung nähert. Es gibt nämlich nur eine, und nicht die technische Lösung schlechthin, die es zu konstruieren gilt.

Wie soll man das Buch von Stiehl nennen? Ist es ein Lehrbuch, ist es eine Monographie? Beides wäre ungenau. Nennen wir es einen Fokus, auf den man sich in Zukunft in der Prozesswelt konzentrieren sollte. Die Amerikaner müssen Deutsch lernen, oder man übersetzt das Buch ins Englische, damit man auch jenseits des Atlantiks davon profitiert.

Nachtrag (Bertal Dresen):

BPMN heißt ‚Business Process Model and Notation‘; auf Deutsch 'Geschäftsprozessmodell und -notation'. Es ist eine grafische Spezifikationssprache in der Wirtschaftsinformatik. Sie stellt Symbole zur Verfügung, mit denen Fach- und Informatikspezialisten Geschäftsprozesse und Arbeitsabläufe modellieren und dokumentieren können. So viel ich sehe, basiert das Buch auf der Dissertation von Volker Stiehl. Diese war das Thema eines früheren Eintrags in diesem Blog, weshalb ich mich dem Wunsch des Kollegen Wedekind, erneut etwas Werbung zu betreiben, nicht widersetzen konnte.

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