Donnerstag, 21. Februar 2013

Freuden des Bloggens und des Blog-Lesens

Nicht versäumen möchte ich es, den 40000. Besucher dieses Blogs zu begrüßen. Morgen oder übermorgen ist es soweit. Das Bild einer Kleinstadt, das ein Kollege benutzte, um diese Menge von Menschen zu charakterisieren, ist nur zum Teil richtig. Eine Kleinstadt mit deutsch-sprechenden Menschen aus über 50 Ländern der Erde, gibt es (noch) nicht sehr häufig in der Realität, sondern nur virtuell. Ich möchte das Ereignis verbinden mit einigen Gedanken zum Bloggen generell und dem Hinweis auf zwei besonders interessante Blogs.

Bloggen ist wie Briefe schreiben. Man denkt an ganz bestimmte Leute, hoffend, dass sie auch dieses Mal den Beitrag lesen. Man braucht den gedachten Empfänger nicht zu nennen. Mal sind es meine Freunde, mal meine Verwandten – und da besonders meine Enkel  ̶ , mal meine Kollegen, mit denen ich in Abwesenheit diskutiere. Ich muss mir dabei jedoch Positionen und Formulierungen überlegen, mit denen ich nicht allzu sehr anecke. Sie dürfen scharf und extrem sein, aber nicht angreifbar. Ich will auch niemanden beleidigen. Ob mir das gelingt, weiß ich nicht. Ich hoffe es.

Die Themen wähle ich meist selbst, beachtend was gerade im Schwange ist. Am Anfang hatte ich mir eine Liste von Themen überlegt, die ich abarbeiten wollte. Die Liste gibt es immer noch. Sie ist kaum kürzer geworden. So viele Themen kamen auf, an die ich vorher nicht gedacht hatte. Sehr viel hängt davon ab, was ich lese oder höre. Das Fernsehen spielt Themen hoch, aber auch die Magazine und Zeitungen. Typisch ist, dass ich kaum ein Buch lese, – und ich lese ziemlich viele   ̶  ohne mir eigene Gedanken zu dem Gelesenen zu machen. Innerhalb von Tagen fasse ich meine Gedanken zusammen und übergebe sie dem Netz. Ich sage bewusst Tage, da ich mir angewöhnt habe, einen Text zu überschlafen, ehe ich ihn loslasse. Wie ich anlässlich des letzten Halbjahresrückblicks schrieb, werden die Vorteile des Dialogs zwar erkannt, aber noch in sehr bescheidenem Umfang genutzt. 

Als Blogger wendet man seine Arbeitsenergie und sein gedankliches Interesse sehr stark auf das, was man selbst produziert. Trotzdem lese ich gerne, was andere Blogger schreiben. Man erhält Anregungen, sei es zum Inhalt, sei es zum Stil. Zuletzt habe ich über Blogger, die ich verfolge, vor über zwei Jahren berichtet. Ich bezeichnete mich damals noch selbst als Blog-Banause. Dass ich nicht öfter über andere Blogs berichtete, dafür möchte ich mich entschuldigen.

Auf zwei Blogger, die mir persönlich und fachlich nahe stehen, möchte ich heute eingehen. Mit beiden verbinde ich interessante Erlebnisse, die haften blieben. Auf diese einzugehen, würde hier zu weit führen. Beide Kollegen haben sich als Blogger sehr hervorgetan. Sie schreiben regelmäßig und sind lesenswert. Ihre Texte sind allerdings in Englisch. Bei keinem kenne ich die Leserzahlen.

Von der Art der Themen kommt mir mein früherer Kollege Irving Wladawski-Berger am nächsten. Er ist im Ruhestand und lebt in der Gegend von New York. Wir kennen uns seit etwa 50 Jahren. Er war immer kontaktfreudig und vielseitig interessiert. Er ist in Cuba geboren, aber in Chicago aufgewachsen. Er ist promovierter Physiker, machte aber seine Laufbahn als Software-Experte. Er schrieb seit sieben Jahren einen Blog. Der jetzige besteht seit etwa zwei Jahren und hat etwa 50 Beiträge. Seine Themen umfassen politische, gesellschaftliche und fachliche Fragen.

Diese Woche befasst er sich mit drei Trends, die immer wieder in Studien über die Zukunft erscheinen: 
  • Notwendigkeit des lebenslangen Lernens zwecks Anpassung an die sich rasch entwickelnden Technologien und sich schnell verändernden Arbeitsmärkte; 
  • Auswirkungen der Globalisierung, die auch in Schwellenländern und Entwicklungsländern zur Anhebung  des Lebensstandards führen, und die 
  • Herausforderungen für die Gesundheitsversorgung und die Sozialprogramme, die durch die Überalterung der Bevölkerung auf der ganzen Welt gestellt werden.
Eine Woche davor betrachtete er die Komplexität und Robustheit von biologischen und technischen Systemen. Als Titel benutzte er das Nietzsche-Zitat ‚Was mich nicht umbringt, macht mich stärker‘ aus der Götzendämmerung. In früheren Beiträgen reflektierte er auch über die Flucht der Eltern vor Castro und die Jahre in Chicago.

Ein anderer Kollege ist Bertrand Meyer, derzeit Professor an der ETH Zürich. Er ist noch beruflich aktiv. Obwohl aus Paris stammend, ist er Kosmopolit. Er ist fachlich sehr engagiert. Er besitzt eine Firma in Santa Barbara in Kalifornien, die sich um die von ihm entwickelte Programmiersprache Eiffel kümmert und die Software pflegt und vertreibt, die um Eiffel herum entstanden ist. Wir kennen uns mindestens seit 20 Jahren. Meyer hat mehrere Blogs. In diesem greift er fast ausschließlich fachliche Fragen auf, speziell aus den Bereichen Programmiersprachen und Software Engineering. Der Blog hat ebenfalls etwa 50 Einträge.



Das Thema seines aktuellen Beitrags ist die Rolle der verschiedenen Formen von Fachveröffentlichungen. Statt vieler Worte, benutze ich seine Skizze, die allein betrachtet, schon das meiste erklärt. Er beteiligt sich sehr aktiv an der auch von ACM aufgeworfenen Frage, warum Informatiker kaum in Fachjournalen veröffentlichen. In einem Beitrag vor einiger Zeit schrieb er über den Begutachtungsprozess von Fachzeitschriften. Er hält das, was da abläuft, nicht immer für sachgerecht und fair.

Wer einen Bezug zur Informatik hat, sei es fachlich oder wissenschaftspolitisch, kann von Meyers Blog profitieren. Wladawsky-Bergers Blog geht weit über die Informatik hinaus.

Kommentare:

  1. Am 21.2.2013 schrieb Irving Wladawski-Berger aus New York:

    …I went to your blog and translated it online. Very nice. I really appreciate your mentioning of my blog and your comments about me personally.

    AntwortenLöschen
  2. Am 22.2.2013 schrieb Bertrand Meyer aus Zürich:

    Vielen Dank für die Erwähnung!

    AntwortenLöschen