Samstag, 25. Januar 2020

Quora und die 12 Lebensregeln des Jordan Peterson

Es ist üblich geworden, das Internet vorwiegend als Quelle von Hass und Beleidigungen anzusehen. Mir scheint dies Teil des Rückzuggefechts alter Medien zu sein. Die Verleger, die sich jetzt umgangen fühlen, sehen sich als die gestrigen Vermittler an, als die Gouvernanten, die Kinder vor Unheil bewahrten. Heute ist guter Rat billig. Jeder kann sich zum Briefkasten-Onkel oder zur Briefkasten-Tante aufschwingen. Er/sie können Netzseelsorge oder Suchtberatung betreiben.

Neben Google und Wikipedia ist Quora seit 2009 ein existierender digitaler Auskunftsdienst. Er wurde von Adam D'Angelo (ehemaliger CTO von Facebook), Charlie Cheever und anderen gegründet. Er ist kostenlos zugänglich und erfreut sich großer Beliebtheit. Es gibt Quora auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Er besitzt eine eigene Wissensbank, mit Informationen, die von Fachleuten stammen.

Zur Person des zitierten Autors

Jordan Peterson (*1962) ist ein kanadischer Psychologe. Sein 2018 erschienener Bestseller mit dem Titel 12 Rules for Life¸ Ordnung und Struktur in einer chaotischen Welt (engl.: 12 Rules for Life: An Antidote to Chaos), gilt als moderne Lebenshilfe. Er schrieb das Buch, nachdem er im Internet Millionen von Clicks zu von ihm bei Quora beantworteten Fragen erhalten hatte. Obwohl ich Quora regelmäßig lese, war ich noch nicht auf diesen Autor aufmerksam geworden.

Peterson ist in der Provinz Alberta in der Kleinstadt Fairview, rund 500 km nördlich von Edmonton aufgewachsen. Der Lieblingssport der dortigen Jugendlichen sei es gewesen, mit gestohlenen Pickup-Trucks nachts Touren durch die eisige Prairie zu machen. Er heiratete eine Frau aus demselben Ort und zog mit ihr zuerst nach Edmonton, danach nach Toronto. Das Paar hat zwei Kinder, die sie sehr beschäftigen, wobei die Tochter auch gesundheitliche Probleme hat. Beide Eltern sind tiefgläubige Christen.

Zum Inhalt des Buches

Das Buch umfasst eine Auswahl von Informationen, die in Quora enthalten ist. Es umfasste ursprünglich 25 Kapitel, die später auf 12 reduziert wurden. Papier ist halt teuer und schwer. Ich will nicht versuchen, den Inhalt des Buches wiederzugeben. Es ist dafür zu wirr und ohne klare Gliederung. Stattdessen gebe ich nur die Kapitelüberschriften wieder.


Kapitelüberschriften

Gesammelte Gedankensplitter

Um die Beschäftigung mit dem Buch etwas anzureichern, gebe ich im Folgenden einige Gedankensplitter wieder, die ich bemerkenswert fand. Einige mögen sogar kurios erscheinen.
  • Menschen mögen Ordnung. Sie hassen Chaos.
  • Menschen suchen nicht Glück, sondern Sinn. Das Leben kann Leiden beinhalten. Für viele Religionen ist Leiden zentral, nicht nur für Schiiten.
  • Glaube ist ein gemeinsames Bezugssystem.
  • Die Seele hungert nach dem Heroismus des wahren Daseins (im Sinne Martin Heideggers).
  • Schütten wir Serotonin aus, so kann uns das vor dem Untergang retten.
  • Wir wollen stets eine bessere Ordnung errichten. Das tut auch ein siegreicher Hummer tief unten auf dem Meeresgrund..
  • Strebe stets danach besser und gesünder zu werden.
  • Suche Freunde, deren Leben sich verbessert, wenn Deines sich verbessert.
  • Kleinstädter schätzen sich höher ein als Großstädter. In Kleinstädten ist man eher der Beste. Die Welt hat viele Spielfelder.
  • Negative Emotionen wie Schmerz, Scham, Angst und Ekel sind stärker als positive.
  • Der Amok-Mörder der Columbine High-Schule war voller Hass auf Gott und Menschen.
  • Die Bibel setzt Opfern und Arbeiten gleich. Beides ist ein Hinauszögern von Befriedigung.
  • Was man hat, soll man teilen. Man sollte bekannt sein, durch das, was man tut. Nur das hat Bestand.
  • Warum verlangt Gott Opfer von Israel? Warum wird Abels Opfer von Gott angenommen, Kains jedoch nicht? Warum ist Gott nicht glücklich?
  • Denken ist wie zwei Avatare, die für einen reden. Man kann beim Denken auch mit einer anderen Person reden.
  • Wir sehen in der Welt nicht Geräte, sondern Werkzeuge. Wir verwandeln uns selbst in Nachbarn.
  • Alles ist einfach, wenn es sich gut benimmt.
  • Wir bevorzugen die Mitglieder unserer Gruppe, auch wenn sie zusammengewürfelt ist. Wir sind asozial gegen Mitglieder anderer Gruppen (laut Henri Tajfel (1919-1982), dem britischen Sozialpychologen polnischer Herkunft).
  • Die Figur des Superman wurde uninteressant, sobald er zu viel konnte. Begrenztheit ist wichtig. Das Sein erfordert Eingeschränktheit.
  • Das Sein ist ein Prozess. Es ist die Wandlung dessen, was man weiß.
Erleuchtete Worte

Nachdem der Autor von einem Freunde einen Kugelschreiber geschenkt bekam, der an seiner Spitze eine kleine LED-Lampe hatte, schrieb er alle ihm interessant erscheinenden Ideen nochmals auf. Dabei kommen alle 12 Lebensregeln noch einmal vor. So Regel 4: Räume Deinem Werden immer Vorrang ein vor Deinen Sein. Oder Regel 12: Denke an die, die nichts besitzen und versuche dankbar zu sein. Das Buch schließt mit den Sätzen: ‚Ich hoffe, die uralte Weisheit, die ich dargelegt habe, hat Ihnen Kraft verliehen. … ich hoffe, dass Sie wieder ins Lot kommen ... und in Ihrer Gemeinschaft Frieden und Prosperität einkehren lassen. … Ich wünsche Ihnen das Beste und hoffe, dass Sie andern das Beste wünschen‘.

Nachtrag vom 29.1.2020

Es gibt auch eine Liste mit 42 Regeln. Hier ist sie:



Das ist vielleicht doch des Guten zuviel. In der Beschränkung zeigt sich (oft) erst der Meister. Das wusste schon Goethe.

Kommentare:

  1. Peter Hiemann schrieb: Die Annahme, dass Quora als Service ehemaliger Facebook-Mitarbeiter hilft, das Niveau der allgemeinen Bildung zu verbessern, halte ich eher für irreführend. [Es ist zumindest ungewöhnlich. BD]

    Fundierte Ursachen für menschliche Denk- und Verhaltensweisen beschreibt der Neurobiologe Martin Korte: Wir sind Gedächtnis | SWR Tele-Akademie; https://www.youtube.com/watch?v=Qi6_bKYYN4o

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  2. Martin Korte hat eine schöne Liste für gedächtnisförderde Aktivitäten: Lachen, Laufen, Lernen und Lieben. Tanzen passt sogar auch, obwohl es ohne L geschrieben wird. Vielleiht muss man sich 'Lupfen' merken.

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