Donnerstag, 28. Mai 2020

Von individueller Orientierung zur gesellschaftlichen Kultur

Soziologen und Sozialpsychologen äußern sich laufend zu den Einstellungen und Präferenzen heutiger Gesellschaften. Dabei ist die Quelle ihrer Schlussfolgerungen nicht immer offensichtlich. Peter Hiemann ist der Meinung, dass heute eine anonymisierte Erhebung und Auswertungen individueller Daten zum Stand der Technik gehören sollte. Die moderne Kommunikationstechnik hat hier ein enormes Potential, dessen Nutzung den Möglichkeiten hinterherhinkt – aus welchen Gründen auch immer. Als Beispiel sind Untersuchungen des Sozialpsychologen Harald Welzer zitiert, der eher mit einem geisteswissenschaftlichen als mit einem naturwissenschaftlichen Ansatz gesellschaftliche Fragestellungen bearbeitet.

Die Ausnahmesituation, die der Corona-Virus verschafft, eröffnet weitere Möglichkeiten, das Studium gesellschaftlicher Phänomene zu intensivieren.

Hiemanns neues Essay enthält eine ganze Reihe von Vorschlägen, wie sich aktuelle gesellschaftliche Daten und Aussagen gewinnen lassen. Hier können Sie sich informieren.

1 Kommentar:

  1. Der renommierte Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas schildert in seinem neuen Buch “Auch eine Geschichte der Philosophie“ die Geschichte der abendländischen Philosophie als Weg vom Glauben zum Wissen: „Eine konventionelle Geschichte der Philosophie ohne das irritierende „Auch“ strebt eine Vollständigkeit an, die sich ein einzelner Autor gar nicht vornehmen kann. Allerdings verrät der Anspruch, nach „Lernprozessen“ zu fahnden, so als handle es sich um eine Geschichte der Wissenschaften, eine ganz unübliche [philosophische] Perspektive. Diese verstößt einerseits gegen die platonistische Überzeugung, dass alle großen Philosophen auf verschiedene Weise immer nur dasselbe denken, aber andererseits auch gegen die heute vorherrschende, angeblich historisch aufgeklärte Skepsis gegenüber jedem Begriff von Fortschritt. . ….......Ich will die erheblichen Unterschiede zwischen dem philosophischen und dem wissenschaftlichen Denken nicht verwischen und möchte auch nicht im selben Sinne von „Fortschritten“ sprechen. In beiden Fällen „veralten“ nämlich theoretische Ansätze und Paradigmen auf eine andere Weise. Aber Autoren Einstein und Newton sind im Hinblick auf die Probleme, die sie zu ihrer Zeit im Lichte der jeweils aktuellen Fragestellungen und damals verfügbaren Informationen und Gründe gelöst haben, zu Pionieren geworden. Sie haben bisher gültige Auffassungen umgestürzt. Und sind zu klassischen Denkern geworden – wobei „klassisch“ heißt: Sie haben uns immer noch etwas zu sagen. Auch die moderne Wissenschaftstheorie knüpft noch an Einsichten der Zweiten Analytik des Aristoteles an und die moderne Ethik an Kants Begriffe von Autonomie und Gerechtigkeit – wenn auch im Rahmen veränderter theoretischer Sprachen.

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