Dienstag, 27. Oktober 2015

Soziale Evolution bei Insekten und Menschen nach Edward Wilson

Edward Osborne Wilson wurde 1929 in Birmingham, Alabama, geboren. Er ist als Insektenkundler und Biologe bekannt, hat aber auch Beiträge zur Evolutionstheorie und zur Soziobiologie veröffentlicht. Wilsons Spezialgebiet sind Ameisen, insbesondere ihre Kommunikation mittels Lockstoffen (Pheromone). Ich habe in den letzten Wochen zwei seiner jüngsten Bücher gelesen. Das eine hat den Titel Die soziale Eroberung der Erde (engl. The Social Conquest of Earth). Es erschien 2012 und hat 384 Seiten im Druckformat. Das andere heißt Der Sinn des menschlichen Lebens (engl. The Meaning of Human Existence). Es erschien 2014 und umfasst 208 Seiten.

Anstatt beide Bücher separat zu besprechen, ziehe ich aus beiden diejenigen Gedanken heraus, die mich besonders interessierten. Wem das nicht reicht, kann ja die Bücher selber lesen. In dem neueren der beiden Bücher zieht Wilson eine Art von Bilanz über sein ganzes Forscherleben. Einige seiner früheren Aussagen erscheinen wieder, jetzt aber noch klarer und noch pointierter formuliert als vorher. Es ist die Radikalität des Alters (ein Ausdruck und Buchtitel von Margarethe Mitscherlich), die hier zum Vorschein kommt. ‚Sehr oft werde ich Euch diese Dinge nicht mehr zu erklären versuchen. Entweder Ihr glaubt mir, oder Ihr lasst es sein.‘ So kommt mir der 85-jährige Wilson vor. Er mag provozierend wirken; leicht abtun lässt er sich nicht.

Sozialverhalten von Ameisen

In der Biologie gibt es Hunderttausende von Arten. Nur 20 Arten haben etwas wie Sozialleben entwickelt. Außer dem Menschen gehören noch 14 Ameisen- bzw. Termitenarten dazu. Ameisen haben Superorganismen entwickelt, in denen statt Zellen Individuen instinktiv kooperieren. Es ist dies ein Riesensprung der Evolution. Eine Ameisenkönigin trägt die Spermien für Millionen Arbeiterinnen im Leib, bevor sie zum Flug ansetzt, um eine eigene Kolonie zu gründen. Die Arbeiterinnen regeln dann die Proviantvorsorge, und zwar in arbeitsteiliger Weise.

Wer glaubte, wir Menschen könnten von den Ameisen lernen, den enttäuscht Wilson. So brutal wie bei Ameisen kann keine andere Frauenherrschaft sein. Männliche Tiere haben nur eine einzige Aufgabe, die Königin zu befruchten. Sie sterben wenige Tage danach. Frauen dienen als Ammen, Arbeiter und Soldaten. Wird der Bau angegriffen, müssen die ältesten von ihnen an die Front. Am berühmtesten sind die Blattschneider-Ameisen. Bei ihnen sammeln die Arbeiterinnen den ganzen Tag Blätter. Diese werden zerschnitten und zerkaut und zu einer Art Mulch verarbeitet. Darauf werden Pilze gezüchtet, die der Königin serviert werden. Ameisen haben also die Landwirtschaft erfunden, genauso wie dies der Homo sapiens mehrmals tat.

Ameisen gibt es auf der Erde fast doppelt so lange wie den Menschen. Vor rund 100 Mio. Jahren, d.h. seit der Kreidezeit, begannen sie damit, die Erde zu erobern. Das war als Blütenpflanzen damit anfingen die Nadelhölzer (Korniferen) zu verdrängen. In den Tropengebieten der Erde stellen sie heute die größte tierische Biomasse dar. Die etwa 1016 Ameisen wiegen etwa gleich viel wie alle heutigen Menschen.

Evolution der Sozialkompetenz

Soziales Leben entstand in der Tierwelt nur da, wo es einen Nistplatz oder Lagerplatz gab, den zu verteidigen sich lohnte. Beim Menschen kam hinzu, dass sein Nachwuchs viele Jahre benötigte, bis er ohne Pflege und Schutz zurechtkam. Dank der Erfindung des Feuers konnte Fleisch leichter verdaulich gemacht werden. Dies förderte nicht nur die Arbeitsteilung in der Familie, sondern der relativ hohe Fleischgenuss erwies sich als günstig für die Entwicklung des Gehirns.

Um altruistisches Verhalten innerhalb von Gruppen zu erklären, benutzen Biologen verschiedene Theorien. Lange herrschte die Vorstellung, dass Gene egoistisch seien in dem Sinne, dass sich Verwandte an den gleichen Genen erkennen und daher bevorzugen. Ein 1976 erschienener Bestseller von Richard Dawkins (*1941) machte diese Meinung populär. Wilson vertritt eine Auffassung, die er mit Multilevel-Selektion bezeichnet. Er sieht ein Zusammenspiel am Werk zwischen Individual-Selektion und Gruppenselektion. Beide überlappen sich und führen zu Konflikten. Das Individuum kennt Egoismus und Eifersucht. Die Gruppe verlangt Altruismus und Kooperation. Innerhalb von Gruppen setzen sich die Egoisten durch. Diejenigen Gruppen sind am stärksten, welche die meisten Altruisten haben, so sieht es Wilson. Es hätten sich nur wenige eusoziale Systeme (gr. eu = gut) gebildet, aber die sich bildeten (Ameisen und Menschen) dominieren heute die Erde. In der Geschichte kämpften nicht Gott und Teufel gegeneinander, sondern diese beiden Evolutionsprinzipien.

Sprache und Kultur des Menschen

Menschen beschäftigen sich gerne mit Menschen. Sie neigen zur Anthrozentrizität. Sie lechzen danach, Geschichten über andere zu hören. Das schärft die soziale Intelligenz. Abstraktes Denken und Sprache entstand vor 70.000 Jahren. Die Sprache ist nicht zufällig entstanden, sondern sie ist abgeleitet vom Bedürfnis der Kommunikation. Der menschliche Geist ist bei der Geburt kein leeres Blatt. Es werden Instinkte vererbt, und zwar als Ergebnis der Selektion. Wir lernen sehr Vieles durch Nachahmen. Dazu benötigen wir das Langzeitgedächtnis. Es ist nicht eine Urgrammatik, die Menschen angeboren ist  ̶  wie Noam Chomsky (*1928) dies glaubte  ̶  sondern viel primitivere Fähigkeiten.

Unter Kultur wird die Gesamtheit der Verhaltensmerkmale verstanden, durch die sich Gruppen voneinander unterscheiden. In einer Kultur schlägt sich die evolutionäre Erfahrung einer Gruppe von Individuen nieder. Es findet eine Gen-Kultur-Koevolution statt. Ein Beispiel ist die Laktose-Toleranz, die Verträglichkeit für Milchprodukte. Sie wurde nur von Populationen erworben, die Landwirtschaft betrieben. Bei Tieren können sich nur Instinkte vererben, beim Menschen auch seine Fähigkeiten bezüglich Vernunft und Emotion. Auch Neigungen und Angewohnheiten können sich vererben.

Rolle von Mythen und Religionen

Mythen und Religionen dienen oft dazu, den Ursprung des Menschen zu erklären, aber auch den Sinn und Zweck seiner Existenz. Sie definieren und fördern das Gruppen- oder Stammesbewusstsein und die Regeln des Zusammenlebens. Sie spornen zum Altruismus an, tun dies typischerweiset aber nur für Mitglieder. Leider definieren Gruppen immer die eigene als die überlegene. Meist schließt dies die Götter mit ein. Ein großer Teil der kriegerischen Auseinandersetzungen, die Menschen seit der Jungsteinzeit auf allen Kontinenten austrugen, hatten mit Religion zu tun.

Das Gehirn des Menschen ist für religiöse Empfindungen empfänglich. Gläubige hatten während der langen Geschichte der Menschheit den Vorteil, dass sie über eine Geschichte verfügten, die viele Phänomene der Natur und den Sinn der menschlichen Existenz erklärten. Obwohl viele dieser Erklärungen sich als falsch erwiesen, haben sie ein erstaunliches Beharrungsvermögen. In den USA setzen sich Schulbehörden dafür ein, dass die Schöpfungslehre ihren Platz behält neben der Evolutionstheorie, der Kreationismus neben dem Darwinismus. Dabei hätten die Götter nicht uns Menschen erschaffen, sondern wir Menschen die Götter. Wir bräuchten sie nämlich, sie uns aber nicht, so argumentiert Wilson.

Aufgabe der Geisteswissenschaften und der Künste

Als im 18. Jahrhundert in Europa die Aufklärung aufkam, fingen Wissenschaftler an in der Natur nach Ursache und Wirkung zu suchen. Ein Teil der Gelehrten widersetzte sich. Es entstanden die Geisteswissenschaften als Gegenstück zu den Naturwissenschaften [Im Englischen gibt es stattdessen das Begriffspaar humanities/science, was den Unterschied noch stärker beschreibt]. Philosophen befassen sich seither nur noch mit  Logik, Semantik und Wissenschaftsgeschichte. Schriftsteller, Maler und Musiker flohen in die Romantik.

Heute ist das Wissen der Menschen soweit fortgeschritten, dass wir wieder an eine Vereinigung der beiden Gebiete denken könnten. In dieser ‚neuen Aufklärung‘ könnten sich Geisteswissenschaftler auch für die kognitiven Prozesse interessieren, die im Gehirn ablaufen oder für die Geschichte, bevor sie von Menschen schriftlich festgehalten wurde. Es reicht nicht mehr, die Dinge nur zu beschreiben oder zu bewundern. Man muss das Warum ihrer Existenz verstehen. Wissen verdoppelt sich alle 10-20 Jahre. Durch die Beschäftigung mit der Prähistorie wird immer klarer, wie und warum der Mensch entstanden ist. Zur Beschreibung der ‚Conditio Humana‘ gehört aber auch, menschliche Gefühle ernst zu nehmen. Dass heutige Naturwissenschaftler dazu neigen diese zu ignorieren, ist falsch. Auch eine introspektive Betrachtungsweise macht Sinn. Durch Fiktionen, wie sie Literatur und darstellende Kunst erzeugen, werden Gefühle hervorgerufen oder beeinflusst. Nur wenn wir mehr wissen, welche Funktion Emotionen für den Menschen haben, verstehen wir den Weg bsser, der zur Symbolverarbeitung und zur Kultur führte.

Wilson meint, dass ein Künstler wie Paul Gauguin (1848-1903) ahnte, dass er mit seiner Art des Suchens nicht nur die Kunst weiterbringt, sondern die Menschheit insgesamt. Auf eines seiner schönsten Bilder aus Tahiti schrieb er nämlich: Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? (frz. D'ou venons nous? Que sommes nous? Ou allons nous?). Es sind dies uralte Fragen, die schon die Philosophen der Antike stellten.

Zukunft der Menschheit

Der Mensch sei wie alle Lebewesen ein Produkt seiner Geschichte, seiner Evolution. Diese Geschichte dauerte nicht nur 6000 Jahre, sondern mehrere Millionen Jahre. Es lag nie ein Plan oder Ziel für den Menschen vor, weder von Außerirdischen noch von sonst jemand. Komplexe Systeme sind immer das Ergebnis einer längeren Entwicklung. Um sie zu verstehen, muss man ihre Geschichte lückenlos kennen. Die Evolution ist am ehesten mit einem Labyrinth zu vergleichen. An jeder Verzweigung werden Entscheidungen getroffen, die vorher nicht bekannt waren. Die Natur des Menschen besteht aus ererbten Regelmäßigkeiten der mentalen Entwicklung, den epigenetischen Regeln dafür, was wir wahrnehmen, codieren, interpretieren und darauf reagieren. Vieles davon sind Reflexe. Es geschieht außerhalb des Bewusstseins. Andere Lebewesen haben teilweise bessere Sinne und Instinkte als der Mensch. Wir haben unsere Schwächen teilweise kompensiert – vermöge der Technik.

Lange hatten Menschen das Gefühl, dass es ihre Aufgabe sei, sich die Erde untertan zu machen. Die Evolution unterstützte dieses Ziel, ja sie ordnete sich ihm unter. Einiges, was uns zweite Natur geworden war, passt plötzlich nicht mehr in die Welt. Wir sind an Grenzen gestoßen. Die Erde ist nicht das endlose weite Land, voll unbegrenzter Ressourcen. Wenn wir überleben wollen, müssen wir uns umstellen. Niemand – egal ob von diesem Planeten kommend oder von einem anderen  ̶  wird uns warnen, in Schutz nehmen oder gar zu Hilfe eilen. Wir müssen den Weg selber finden. Eine Auswanderung zu andern Himmelskörpern ist keine ernst zu nehmende Option. Wir sind – wenn es darauf ankommt  ̶  nämlich ganz allein im Weltall und auf uns selbst gestellt. Niemand anderes ist unser Aufpasser. Darin liegt eine große Verantwortung begründet, aber auch eine große Freiheit.

In wieweit wir die natürliche Evolution durch eine willentliche Evolution ersetzen können, da legt sich Wilson nicht ganz fest. Dass wir in der Lage sein werden, das Wesen des Menschen durch eugenetische Manipulation generell zu verbessern, daran glaubt er nicht. Noch glaubt er, dass intelligente Maschinen den Menschen ersetzen werden. Wir haben bisher unsere Fähigkeiten durch Technik schrittweise verbessert und unsere Krankheiten dank Medizin bekämpft. Es besteht kein Grund zu der Annahme, dass wir uns in dieser Hinsicht beschränken werden oder beschränken müssen. Biologie (hier insbesondere die Genetik), Nanotechnik und Robotik stehen erst am Anfang. Auf den wissenschaftlichen Fortschritt zu verzichten, sei nicht nur töricht, sondern verantwortungslos.

Kommentare:

  1. Soeben schrieb Peter Hiemann aus Zarzis (Tunesien):

    Wilsons Hypothese, dass für die Entstehung eusozialer Verhaltensweisen Gene die entscheidende Rolle spezifischer 'Selektionsfaktoren' gespielt haben, ist sehr fragwürdig. Nach meinem Verständnis sind zufällige oder Umwelt bedingte Mutationen der DNA der Schlüssel für biologische Evolution. Und auch nur dann, wenn DNA Veränderungen erfolgreich selektiert, d.h. auf Folgegeneration vererbt) werden.

    Wilsons Aussagen über neurobiologische und gesellschaftliche (kulturelle) Vorstellungen erscheinen mir wenig umfassend. Wilsons Hypothese hinsichtlich „Gen-Kultur-Koevolution“ halte ich für unhaltbar. Vielleicht hat Wilson Umwelt bedingte sogenannte epigenetische Einflüsse auf das DNA Molekül im Sinn. Ob und wie die Umwelt das An- und Abschalten gewisser Ameisen-Gene stark beeinflusst, ist eine interessante Frage. Epigenetische Veränderungen werden aber nicht vererbt.

    Menschen werden nicht mit der Fähigkeit geboren, für religiöse Vorstellungen empfänglich zu sein. Menschen sind aber bereits im fortgeschrittenen Embryostadium und in allen späteren Lebensperioden lernfähig. Die Vertreter existierender religiöser Institutionen und charismatische Führungspersönlichkeiten sind ziemlich erfolgreich, menschliche Vorstellungen zu beeinflussen.

    Eines der wichtigsten Phänomene menschlichen Lebens entzieht sich bis heute allerdings wissenschaftlicher Erkenntnis: Das menschliche Selbst. Es bleibt derzeit noch der Philosophie vorbehalten, darüber abstrakte Vorstellungen zu verbreiten. Die Vorstellung eines Selbst, sich seiner eigenen Persönlichkeit bewusst zu sein und entsprechend zu denken und zu handeln, scheint der biologischen Art Homo vorbehalten zu sein.

    Menschen finden während ihres Lebens einen sehr individuellen Sinn, indem sie nach individuellen Kriterien Teile einer komplexen Umwelt herausfiltern (selektieren), die für sie Sinn machen, die sie verstehen und die zu existierenden Vorstellungen passen und sie erweitern. Wilson scheint mir der erste Autor zu sein, der Künstler zu Geisteswissenschaftlern zählen möchte. Ich bin ziemlich sicher, dass Gauguin Wilson nicht zugestimmt hätte.

    Ich bin sicher, dass es dem Planet Erde gleichgültig ist, was Homo sapiens alle anstellt. Die Ameisen allemal und der Planet Erde sowieso werden Homo sapiens überleben. Ich möchte dem Ameisenspezialisten Wilson keinesfalls Unrecht tun, indem ich dessen Kenntnisse über Ameisen geringschätze. Auch ich bewundere die unglaublich komplexen Organisationsstrukturen einer Ameisenkolonie. Wilsons aber versucht, Beobachtungen an Ameisankolonien zu verallgemeinern und sie auf menschliche Verhalten und menschliche Gesellschaftschaften analog zu übertragen. Ich halte seine Methode für fragwürdig. Ich halte es für leichtfertig zu behaupten, dass er soziale Evolution bei Insekten und Menschen festgestellt hat. Dazu müsste er die Möglichkeiten für Reproduktionen, Variationen und Selektionen von Verhaltensweisen angeben können. Wilsons Hinweis auf Nachahmungsverhalten als Ursache für soziale Evolution scheint er von Dawkins Memetik übernommen zu haben. Dawkins Thesen über Gene und Meme haben sich nicht bewährt. Wilsons These von der evolutionären Überlegenheit 'eusozialer' Systeme kann er nicht plausibel begründen.

    Ich bin der Ansicht, dass gemeinsame Eigenschaften zwischen menschlichen Strukturen und Ameisenkolonien nicht in der Evolutionstheorie zu suchen sind. Vielleicht bieten die verschiedenartigen Systeme Möglichkeiten, sie als verschiedene selbstorganisierende Systeme (auf unterschiedlichen Niveaus) aufzufassen. Es wäre interssant zu erfahren, ob Wilson Vergleiche zwischen menschlicher DNA und Ameisen DNA angestellt hat, um herauszufinden, ob spezielle Ameisengene mit besonderen Eigenschaften existieren, die auf Zustände der Umwelt auf besondere Weise epigenetisch reagieren (an- und abgeschaltet werden). Derartige Gene könnten bewirken, dass Ameisen in die Lage versetzt werden, arbeitsteilig zu reagieren und komplexe Behausungen zu errichten.

    AntwortenLöschen
  2. Heute schrieb meine Enkeltochter aus Barcelona:

    Es ist sehr interessant zu sehen, wie sich die Sozialkompetenz bei manchen Arten entwickelte und wie der Mensch zu Sprache und Kultur kam. Ich wusste bereits, dass Ameisen gut organisierte Strukturen haben, aber dass sie sozusagen Landwirtschaft betreiben und Pilze züchten, ist faszinierend. Weißt du, welche anderen (Tier-) Arten außer den Menschen, Ameisen und Termiten sowas wie ein Sozialleben entwickelt haben?

    Antwort: Bienen, Hornissen, Hummeln, (einige) Wespen, Knallkrebse und Nachtmullen.

    Bei uns in der Schule wurde uns beigebracht, dass die Schöpfungslehre nicht mit der Evolutionstheorie konkurriert. Die Schöpfungslehre sollte nur im übertragenen Sinne und vielmehr als Symbol für die "Göttlichkeit" oder die Besonderheit des Menschen verstanden werden, als Abgrenzung zum Tierreich. Kreationismus in diesem Sinne wurde nicht unterrichtet. Vielleicht liegt es daran, dass ich auf einem technischen Gymnasium war.

    Antwort: Die Besonderheit des Menschen besteht in der Entwicklung von geistigen Vorstellungen, Gefühlen, Sprache und den darauf aufbauenden Leistungen (Schrift, Literatur, Malerei, Musik, Technik)

    Wilson ist der Meinung, dass wir eher von intelligenten Maschinen ersetzt werden als dass sich Retortenbabys etc durchsetzen. Werden nicht immer Menschen nötig sein, um die Maschinen zu steuern oder zu überwachen? Der Mensch ist im Vergleich zu Maschinen flexibel und kreativ. In unerwarteten Situationen kann er bestimmt besser reagieren als eine Maschine, die nur auf Algorithmen basiert, gerade im medizinischen Sektor. Welche Meinung hast du dazu?

    Antwort: Ich habe Wilson andersherum verstanden. Er hält Genmanipulation auch beim Menschen für denkbar. 'Was wir können, wollen wir auch tun' schrieb er. So lange es darum geht, Krankheiten zu bekämpfen, hat kaum jemand Bedenken. Problematisch sind Verbesserungen und Verschönerungen. Dass KI den Menschen ersetzt, schließt er aus. Er steht den biologischen Möglichkeiten halt näher als den technischen. Bei der Frage, wie flexibel und kreativ Maschinen werden können, bin ich vorsichtig. Es kommt sehr darauf an, was mit den Adjektiven flexibel und kreativ gemeint ist. Ist das Generieren und Probieren von Zufallslösungen schon kreativ? Wie weit deckt sich Kreativität mit assoziatives Denken?

    AntwortenLöschen
  3. Heute schrieb Robert Ottohall aus Tübingen:

    Gute Buchempfehlungen und eine interessante Zusammenfassung. Beide als Ebook verfügbar. Ich habe mir erlaubt ein paar Sätze herauszustellen, die mir besonders aufgefallen sind.

    Ameisen: ‚In den Tropengebieten der Erde stellen sie heute die größte tierische Biomasse dar. Die etwa 10 hoch 16 Ameisen wiegen etwa gleich viel wie alle heutigen Menschen.'‘

    Menschen: ‚Dank der Erfindung des Feuers konnte Fleisch leichter verdaulich gemacht werden. Dies förderte nicht nur die Arbeitsteilung in der Familie, sondern der relativ hohe Fleischgenuss erwies sich als günstig für die Entwicklung des Gehirns.‘

    Leben: ‚Die Gruppe verlangt Altruismus und Kooperation. …In der Geschichte kämpften nicht Gott und Teufel gegeneinander, sondern diese beiden Evolutionsprinzipien.'

    AntwortenLöschen