Donnerstag, 19. September 2019

Wirtschaft und Politik aus der Sicht von Sahra Wagenknecht

Gestern hörte ich ein Youtupe-Interview mit Sahra Wagenknecht bei Mission Money. Dabei wurde mir klar, dass zumindest einige ihrer Ansichten gut überlegt sind und nicht allen ihre Sinnhaftigkeit abzusprechen ist. Ob sie politisch konsensfähig sind, darf bezweifelt werden. Offensichtlich hat Wagenknecht selbst einen gewissen Reifeprozess durchlaufen. Sie galt lange Zeit als Sprachrohr einer Kommunistischen Denkschule. Im Folgenden greife ich einige ihrer im Interview vertretenen Thesen heraus. Sie sind in Themenkreisen zusammengefasst, um die Diskussion und Bewertung entsprechend zu gliedern.

Unternehmensstruktur

Sahra Wagenknecht (SW): Wir brauchen Unternehmer, die aktiv ihre Unternehmen entwickeln. Mitarbeiter müssen beteiligt werden. Wir brauchen keine Aktionäre, die nichts tun. Wir brauchen keine Rentiers, die nur Geld abschöpfen. Eine Stiftung ist die ideale Unternehmensform. Sie gehört allen Mitarbeitern; kann nicht übernommen werden; kann nicht vererbt werden. Das wäre Verantwortungseigentum. Familienbetriebe sind ok, nur solange die Erben beim Fach bleiben.

Diskussion: Viele erfolgreiche Unternehmensgründungen der letzten 30 Jahre verdanken ihre Existenz technischen oder kaufmännischen Innovatoren. War es bei Google die vom Larry Page und Sergej Brin erfundene Ranking-Methode für Suchergebnisse, waren es bei Amazon die von Jeff Bezos konzipierten Liefermodalitäten für klassische Papierbücher. Beide Unternehmen konnten nur deshalb so schnell wachsen und den Weltmarkt erobern, weil ihr Wachstum von Dritten finanziert wurde, die selbst nicht im Unternehmen arbeiteten. Im Falle von Google gaben Andreas von Bechtolsheim und andere beträchtliches Startgeld, das ihnen später einen hohen Gewinn einbrachte. Ebenso erging es vielen der frühen Aktionäre. Es ist eine Illusion anzunehmen, dass der Markt solange geduldig wartet, bis der Unternehmensgründer sein Wachsen aus eigenen Mitteln finanzieren kann. Noch unsinniger wäre es, vom Staat zu erwarten, dass er den Finanzbedarf aller Unternehmen abdecken kann.

Stiftungen dienen primär dazu vorhandenes Vermögen zu sichern. Sie versagen, wenn es darum geht, kurzfristig neues Kapital zu sammeln oder sich einem sich ändernden Markt anzupassen. Familienunternehmen profitieren oft davon, dass mehrere Familienmitglieder ihre Arbeitskraft zu günstigen Bedingungen zur Verfügung stellen und dass das Engagement überdurchschnittlich ist. Familienmitglieder zu enteignen, die sich nicht.engagieren, schwächt nicht nur den Begriff des Eigentums, sondern entzieht der Wirtschaft Mittel, die sie benötigt.

Private und öffentliche Aufgaben

SW: Wohnungen sollten nicht vom Markt angeboten werden, sondern nur von Kommunen. Dasselbe gilt für Pflege und Bildung. Firmen, die eigene Aktien zurückkaufen, fehlen Ideen, wie sie wachsen können. Sie agieren nicht nachhaltig. Wir brauchen eine Wirtschaft, die neue und nachhaltige Produkte erzeugt. Wenn Private dies nicht leisten, muss der Staat helfen. In den USA half der Staat immer wieder. Eine staatliche Planwirtschaft jedoch kann dies nicht, selbst bei den Chinesen nicht, abgesehen davon, dass man dort individuelle Freiheiten mit Füssen tritt.

Diskussion: Sieht man von kommunalen Angestellten ab, so haben die am Ort ansässigen Firmen ein natürliches Bedürfnis für ihre Mitarbeiter bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das geschieht auch. Wird Wohnraum, der mit privaten Mitteln geschaffen wurde, dem Markt entzogen, wenn der Ersteller wegzieht oder verstirbt, so ist das eine starke Einschränkung des Angebots, aber auch eine weitere Einschränkung des Eigentumsbegriffs.

Wenn Firmen eigene Aktien zurückkauften, hatte ich immer das Gefühl, dass dort die Buchhalter das Sagen hatten. Als Techniker wollte ich nicht in solchen Unternehmen arbeiten.

Immerhin erkennt Sahra Wagenknecht an, dass neue und nachhaltige Produkte und Dienste am ehesten von privat agierenden Wirtschaftsunternehmen angeboten werden. Wie wir wissen, besteht keinerlei Garantie, dass sie besser werden, wenn der Staat hierzu Vorgaben macht. Dass der Staat Personen und Firmen unterstützt, die sich in politischer oder gesellschaftlicher Hinsicht wohl verhalten, wird gerne gesehen. Das darf aber nicht Überhand nehmen.

Rentensystem und Altersvorsorge

SW: Ein Rentensystem wie in Österreich wäre besser als unseres. Alle zahlen ein. Die Renten sind wesentlich höher als bei uns. Sahra Wagenknecht hat ihre Ersparnisse auf dem Sparbuch. Sie hat keine Lust, das Auf und Ab des Aktienmarkts zu verfolgen. Amerikaner, die ihre Altersversorgung auf Aktien aufbauten, stehen oft dumm da.

Diskussion: Österreich besitzt gegenüber Deutschland in einigen Punkten eine stärkere sozialistische Tradition. So zum Beispiel bei der Schaffung von Mietwohnungen. Wer heute noch das Sparbuch als beste Anlageform ansieht, disqualifiziert sich. Ich habe einen eigenen Blog-Beitrag zu diesem Thema geschrieben. Zu sagen, es macht zu viel Arbeit den Aktienmarkt zu verfolgen, dem helfen gerne Fondmanager der verschiedensten Art.

Euro und Steuern

SW: Der Euro ist für Deutschland gut, aber für Europa schlecht. Italiener und Griechen haben immer ihre Währung dazu benutzt, um wieder konkurrenzfähig zu werden. Irgendwann werden sie den Euro verlassen. Dass Amazon nur in Irland geringe Steuern zahlt, ist ein Skandal. Firmen wie Amazon müssten auch in Deutschland mehr Steuern zahlen. Die Finanztransaktionsteuer wurde von Emmanuel Macron verwässert. Die Banken haben erreicht, dass Derivate nicht besteuert werden. Daher trifft sie nur den Kleinaktionär.

Diskussion: Wer Italien und Griechenland nahelegt, den Euro zu verlassen, macht sich offensichtlich wenig Sorgen, was das ökonomische Schicksal dieser Länder anbetrifft. Aussagen wie ‚Sie haben es ja so gewollt‘ oder ‚Das sind sie selbst Schuld‘ erlauben es, die Hände in Unschuld zu waschen. Die Erfahrung mit dem Brexit regt vielleicht dazu an, Fragen wie diese etwas gründlicher zu überdenken.

Es ist sehr beliebt, die Besteuerung ausländischer Firmen zu verlangen, die bei uns erhebliche Umsätze haben. Man vergisst dabei leicht, was es bedeutet, wenn das Gleiche von deutschen Firmen verlangt wird, für die der Export einen signifikanten Anteil ihres Geschäfts darstellt.

Die Finanztransaktionssteuer wird seit Jahrzehnten diskutiert. Ihre Befürworter hoffen mit ihrer Hilfe den rein spekulativen Teil des Wertpapiergeschäfts zu reduzieren. Neun von 27 EU-Ländern beabsichtigen sie irgendwann einzuführen. Dies war mit ein Grund, warum das Vereinigte Königreich die EU verließ. Auch Luxemburg und die Niederlande sind strikt dagegen.

Eingeführt wurde die Steuer 2012 in Frankreich und 2013 in Italien. In Frankreich wird der Erwerb der Aktien französischer Firmen ab einer gewissen Größe mit 0,3% besteuert, sowie gewisse Formen des Hochfrequenzhandels. In Italien beträgt der Steuersatz 0,12%. Die Einführung in Deutschland ist derzeit offen. Alle Parteien außer AfD und FDP sind inzwischen dafür. Laut Koalitionsvertrag soll ein ‚substanzieller Teil‘ noch während der laufenden Wahlperiode eingeführt werden.

Schlussbemerkung

Die Positionen, die Sahra Wagenknecht in dem Interview vertritt, lassen aufhorchen. Der Wandel von einer strenggläubigen Kommunistin ist durchaus beachtlich. Immerhin ist sie ja mehr als 40 Jahre alt [1]. Ob sie mit einigen Positionen Schwierigkeiten innerhalb ihrer Partei, der Linken, bekommt, kann ich nicht abschätzen. Es kann ja sein, dass auch die Partei, sich ändert. Ich halte dies jedoch für wenig wahrscheinlich.

Anmerkung

1. Die Aussage, dass manche Menschen mit 40 Jahren ihre jugendlichen Spinnereien aufgeben und vernünftig werden, gibt es in mehr als einer Form. Ein Satz der Form 'Wer mit 20 Jahren nicht Sozialist ist, der hat kein Herz, wer es mit 40 Jahren noch ist, hat kein Hirn' wird sowohl George Clemenceau wie Winston Churchill angedichtet.

Sonntag, 15. September 2019

Volkwirtschaftslehre (VWL) per Bierdeckel

Seit Paul Kirchhof und Friedrich Merz forderten, dass man seine Steuern auf einem Bierdeckel ausrechnen können müsste, ist der Bierdeckel zu einer Maßeinheit geworden für eine dem Normalbürger zumutbare Ausformulierung eines alltäglichen Konzepts. Hier geht es um den Begriff der National- oder Volkswirtschaftslehre. Ich möchte versuchen, das Wesentliche dieses Konzepts in knappen Worten zu formulieren.

Welt- und Volkswirtschaft

Unabhängig davon was Lehrbücher sagen, ist eine Volkswirtschaft (VW) derjenige Teil der Weltwirtschaft, der eigene Ressourcen, Regeln und Ziele besitzt. Typische Ressourcen sind Rohstoffe, Güter, Produzenten, Konsumenten und Märkte. Der Welthandel begann, sobald Güter und Leistungen über Familiengrenzen hinweg ausgetauscht wurden. Das ungleiche Vorkommen der Rohstoffe und die unterschiedlichen Begabungen der Menschen verursachten den Austausch.

Währung und Preisstabilität

Um den Handel zu erleichtern, wurden Währungen eingeführt. Ausgehend von seltenen Metallen oder Muscheln wurden Verhältniszahlen vereinbart, die es erlauben alle Güter oder Leistungen zu bewerten. Diese so genannten Preise sind abhängig vom Interesse des Nutzers.

Ein wichtiges Ziel einer Währung heißt Preisstabilität. Sie schafft Vertrauen und fördert den Austausch von Gütern und Leistungen. Instabile Währungen schwanken oder werden umgangen. Um fallende Preise (Deflation) zu verhindern, werden 2% Inflation angesteuert. Geldmengen werden gesteuert, und zwar auf verschiedenen Ebenen. Während viele Ressourcen einer VW auf natürliche Weise limitiert sind, ist dies beim Geld nicht der Fall.

Währungsraum Euro

Der Währungsraum des Euro zerfällt in mehrere VWs, da die Staaten sich bei der Festlegung von Regeln unterscheiden. Das betrifft Steuern, Lebenshaltungskosten und staatliche Beihilfen. Ein Fortschreiten der Harmonisierung kann, muss aber nicht erfolgen.

Bargeld und Buchgeld

Bargeld ist die primitivere Form einer Währung. Es ist greifbar und anonym. Es wird immer mehr von Buchgeld verdrängt. Erst die Digitalisierung erlaubt die massenhafte Nutzung von Buchgeld im Alltag.

Da die Erzeugung von Buchgeld keine nennenswerten Kosten verursacht, kann es auch frei zur Verfügung gestellt werden, und zwar in Form zinsloser Darlehen. Das geht aus von den Notenbanken, umfasst jedoch das gesamte Geldsystem. Nur die im Umlauf befindliche Geldmenge muss kontrolliert werden.

Konsum und Kapital

Der Großteil des Geldes einer Wirtschaft wird für tägliche Bedürfnisse und Vergnügungen, den Konsum, verbraucht. Als Kapital bezeichnet man Ressourcen, die für Produktion und Handel direkt nutzbar sind, also dem Konsum entzogen wurden. Dieses Kapital können Geldmittel, Rohstoffe, Güter oder Fabrikanlagen sein. Indirekt gehören auch die Fähigkeiten der Belegschaft, die Vertriebswege und das Kundeninteresse dazu. Zu Kundeninteresse gehört Bekanntheit der Marke und Loyalität der Nutzer. Produktion umfasst das Anbieten von Gütern und Dienstleistungen.

Planwirtschaft und freie Wirtschaft

In einer Planwirtschaft werden die Entscheidungen, was produziert wird und was zu welchen Preisen zur Verfügung gestellt wird, zentral getroffen. Das macht meist die Regierung. In einer freien Wirtschaft sind alle Bürger frei darin, was sie konsumieren. Sie bestimmen damit, was produziert oder von außen beschafft (importiert) wird. Sie ermöglichen dadurch den Handel und beeinflussen das relative Einkommen anderer Bürger.

Kostenloses Geld

Dass Geld kostenlos zur Verfügung steht, ist ein Phänomen neueren Datums. Es ist zum Teil noch nicht ganz durchdacht. Bei einigen Ressourcen sind ähnliche Trends zu erkennen, etwa bei der Erfassung, Speicherung und Verarbeitung von Daten. In früheren VWs war Geld oft mit Kosten verbunden. Bei Bargeld konnten es Materialkosten sein, bei Buchgeld Kredit- oder Lombardzinsen. Die früher übliche Ansicht, dass es Geld nur gegen Zinsen gibt, war auch damit begründet, dass der Geldgeber Konsumverzicht leistet.

Kernstück jeder Wirtschaft ist heute der Handel, d.h. der Güter- und Leistungsaustausch. Durch das Bereitstellen von Geld wird Kaufkraft generiert. Dazu dient auch ein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE), das ohne eigene Wertschöpfung oder Arbeitsleistung gewährt wird. Im Gegensatz zu einem zinslosen Darlehen muss ein BGE nicht zurückgezahlt werden.

Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft

Die VW ist der Rahmen, der das betriebswirtschaftliche Verhalten der Marktteilnehmer bestimmt. Die Art einer VW legt fest, ob, wie und welche Betriebe oder Unternehmen gegründet werden. Jedes Unternehmen muss ein Alleinstellungsmerkmal haben. Das können seine Produkte und Dienste sein, aber auch deren Kosten, Qualität oder schnelle Verfügbarkeit.

Donnerstag, 12. September 2019

Lebensablauf im betreuten Alterswohnsitz

Seit über einem Jahr bin ich Witwer. War vorher mein Leben durch die Zweisamkeit bestimmt, wo jeder seine Aufgaben hatte, so bin ich jetzt für alles selbst zuständig. Ich wohne, wie bisher, in einer süddeutschen Kleinstadt. Zum Glück fand ich eine Haushaltshilfe, die mir sehr viel Arbeit abnimmt. Ihre Tätigkeit wird vor allem dadurch bestimmt, dass ich gehbehindert bin, und dass dadurch mein Wirkungsraum auf das Erdgeschoss des Hauses beschränkt ist. Keller, Speicher und Garage sind für mich nicht erreichbar.

Inzwischen hat sich mein Leben eingependelt. Es läuft mehr oder weniger nach einem festen Schema ab. Es gibt Zeiten und Termine, die größtenteils vorgegeben sind. Ich will den Ablauf im Folgenden kurz beschreiben, wobei ich zwischen Tages-, Wochen- und Monatszyklen unterscheide. Vorweg stelle ich zwei Maßnahmen vor, die Ausstattung des Wohnsitzes betreffend. Zu bemerken ist noch, dass ich in Waldesnähe und nicht weit weg von einer katholischen Kirche wohne. Zu mehreren Nachbarn pflege ich telefonisch Kontakt. Wir sehen uns nur äußerst selten.

Zusätzliche Ausstattungen

Mein Gejammer, dass mir das Aufstehen Schwierigkeiten bereitet, führte dazu, dass mein altes Bett durch ein Pflegebett ersetzt wurde. Jetzt gleite ich in Höhe des Rollators in das Bett und heraus. Das Bett wurde mir von meiner Versicherung zur Verfügung gestellt.

Schon lange hatten wir an der Straßenseite des Hauses einen Bewegungsmelder. Näherte sich jemand, schaltet sich eine Lampe ein. Einige Vorfälle in der Nachbarschaft bewogen uns dazu, an der Gartenseite des Hauses zusätzlich eine moderne Videoüberwachung zu installieren. Diese meldet sowohl Tiere wie Personen, die sich dort aufhalten. Bei Personen wird ein akustisches Signal ausgelöst.

Tageszyklus 

Vor 7 Uhr: Feststellen, welche Nachtbesucher da waren, ob Fuchs und/oder nur Katzen. Tagsüber können auch Eichhörnchen und große Vögel auftauchen.

7 Uhr: Geläut der Kirchenglocken, Aufstehen, Erster Besuch des Klo; Teekochen (mit Ostfriesen-Beutel), Frühstück mit Orangensaft und einem Honig- und zwei Quarkbroten; zwei Tassen Tee. Prüfen der Blog-Statistiken, Stöbern bei Google News, Süddeutscher Zeitung, FAZ, SPIEGEL Online, NTV; 4 von 6 Pillen einnehmen. Rasieren, Waschen (außer Montag).

Ab 8:30: Wuselei (nach Jakob Grimm: wimmelnde Geschäftigkeit) an iPad und PC: Online-Zeitungen + Blogs durchstöbern; SPIEGEL + eBücher lesen; Videos auf YouTube konsumieren; eMails + Blog-Beiträge schreiben; Rechnungen per Online-banking bezahlen.

Etwa 10 Uhr: Essen auf Rädern wird geliefert.

12 Uhr: Geläut der Kirchenglocken; Essen aufwärmen; Wecker stellen auf 45 Minuten.

12:45 Uhr: Mittagessen mit Coca Cola; anschließend Mittagsruhe.

Ab 14:30 Wuselei (Fortsetzung).

15 Uhr: Besuche empfangen oder Fruchtsaft/Apfelwein (Viez) trinken.

18 Uhr: Geläut der Kirchenglocken, Umzug ins Wohnzimmer; Abendnachrichten im Fernsehen (auf iPad) anhören. Danach Doku-Sendung ansehen oder eBook/SPIEGEL lesen.

Etwa 19:30 Uhr Abendbrot (1 Scheibe Schwarzbrot mit Wurst + Käse) mit einem Glas Rotwein; 2 von 6 Pillen einnehmen.

Etwa 22:15 Uhr: Schlafen gehen in Pflegebett.

[Geschätzte Mediennutzung pro Tag: 

                Gerät        Häufigkeit           Dauer in Stunden

                iPads              6                             8
                iPhone          15                             2
                Desktop          2                            0,5
                TV  + Print      0                             0


Bei meinem iPhone kann ich auch die Häufigkeit der Anwendungen feststellen. Die heutige Reihenfolge war Safari, ntv, SPON, Google, Evernote, Dropbox, WhatsApp]

Wochenzyklus

Montag (1) Haushaltshilfe: Einkaufen für Kühlschrank + Keller/Garage, Obst besorgen; Putzen, Spülen, Wäsche + Betten machen; Getränke aus Keller oder Garage holen; Mülltonnen bewegen; (2) Pflegedienst: Baden mit Wannenlift, Cremen, Rasieren.

Dienstag Telefonieren mit jüngster Tochter; Essen für nächste Woche auswählen anhand des Speiseplans.

Mittwoch: Haushaltshilfe (s.o.).

Donnerstag Telefonieren mit Schwiegertochter.

Freitag  Haushaltshilfe (s.o.); 18 Uhr SPIEGEL erscheint; Vollständig gelesen bis Sonntagabend.

Samstag Telefonieren mit ältester Tochter.

Sonntag Telefonieren mit Bruder und ältester Schwester;  Pillen für die Woche nachfüllen.

[Für viele der hier angegebenen Tätigkeiten sind feste Uhrzeiten vereinbart. Sie sind aus Sicherheitsgründen hier weggelassen]

Monatszyklus

Überweisung an Sozialstation für Haushaltshilfe + Pflegedienst; Abbuchungen für Essen auf Rädern, Telefon, SPIEGEL, Krankenkasse,  Stadtwerke (Müll, Strom, Wasser).

Unregelmäßig

Schwiegersöhne: Störungen beseitigen bei Haushaltsgeräten oder Computern, Gartenarbeiten ausführen.

Töchter: Kleingeld (10er + 20er Scheine) mitbringen, Klopapier, Honig + Marmelade kaufen (je 10 Gläser).

Jährlich wiederkehrend

Abonnement für Örtliche Zeitung bezahlen; TV-Gebühren; Fachvereine; Grundsteuer, usw.

Zusammenfassung

Mein Leben läuft vollkommen in sicheren Bahnen ab. Die Tatsache, dass der Kühlschrank sich automatisch füllt, entspricht einer bekannten Utopie. Rechne ich Keller und Garage noch hinzu, so ist dies eine Form des Schlaraffenlandes.

Dass mir dadurch Freiheiten verloren gehen, kann ich sehr gut verkraften. Sorgen mache ich mir, dass meine Muskeln immer mehr an Kraft verlieren. Wie weit die medizinische Wissenschaft auch dieses Problem im Griff hat, weiß ich nicht. Außer in Andeutungen meinem Hausarzt gegenüber, habe ich dieses Problem bisher noch nicht ernsthaft thematisiert.

Der Vergleich mit einem externen Altersheim ist mir bisher erspart geblieben. Dass ich dieser Alternative nicht entgehen kann, sollte der Stand meiner Gesundheit dies erforderlich machen, ist mir klar. Das Gleiche gilt für einen Aufenthalt im Krankenhaus, mit dem Unterschied, dass ich dort über reichliche Erfahrungen verfüge.