Donnerstag, 6. Oktober 2011

Erfahrungen mit Navigationssystemen

Meine Erfahrungen mit Navigationssystemen beziehen sich inzwischen auf vier Hardware-Generationen. Es begann mit dem Mobilen Digitalen Assistenten (MDA-II) der Telekom. Danach kam ein spezielles mobiles Navi-Gerät (TomTom). In letzter Zeit übernahmen bereits zwei Generationen eines Smartphones (iPhone) auch mehr und mehr diese Funktion. Ein im Auto fest eingebautes Navigationsgerät hat mich nie interessiert. Einerseits hätten wir, um alle fünf Familienmitglieder zu befriedigen, mitunter bis zu fünf Autos mit entsprechenden Geräten ausstatten müssen. Andererseits war es immer mein Wunsch, ein Navi auch beim Wandern dabei zu haben, vor allem bei Spaziergängen in großen Städten. Die Funktionalität der Systeme verbesserte sich im Laufe der Zeit erheblich. War am Anfang der für Karten zur Verfügung stehende Speicherplatz noch äußerst knapp bemessen, löste sich dieses Problem bald auf. Die nachstehende Tabelle fasst die wichtigsten technischen Daten der hier besprochenen Geräte zusammen.


 Vergleich technischer Leistungsdaten

Die dramatische Steigerung der Leistungsfähigkeit in weniger als 10 Jahren ist nicht zu übersehen. Bei einigen Geräten wurde neben dem Navigieren auch immer eine Reihe anderer nützlicher Funktionen und Anwendungen angeboten. Wir erleben im Moment eine rasante Entwicklung hin zu dem allzeit am Körper getragenen Universalgerät. Ich diskutiere im Folgenden meine Erfahrungen, bezogen auf drei historische Phasen in der Entwicklung dieser Technik.

Frühe, etwas anstrengende Versuche

Der MDA-II war das zweite in einer Reihe von Multifunktionalgeräten, welches die Deutsche Telekom etwa seit 2004 anbot. Es war ein Mobiltelefon mit Kamera und relativ großem Bildschirm (53 x 70 mm, 240 x 320 Bildpunkte). In der Grundausstattung bestand der Speicher aus einem ROM- und RAM-Teil von 22 bzw. 64 MB. Mit Hilfe einer SD-Karte konnte der Speicher (fast) beliebig erweitert werden. Das Gerät war relativ schwer (188 Gramm), die Batterie hielt nur wenige Stunden. Als Digitaler Assistent waren Kontaktverzeichnisse und Kalenderfunktion sehr komfortabel ausgebaut. Man konnte auch Dateien herunterladen und E-Mails verschicken. Das verlangte aber bereits einige Klimmzüge.

 

T-Moblie MDA-II

Zum Navigieren installierte ich den Navigator der Firma Falk. Die Falk-Karten waren mir sehr geläufig und hatten einen guten Ruf. Die erste Testfahrt mit dem neuen Gerät unternahm ich an einem Sonntag von Sindelfingen nach Bietigheim am Neckar, eine Entfernung von etwa 50 km. Bis nach Bietigheim erfolgte die Navigation reibungslos. Innerhalb des Orts wurden wir nicht dahin geführt, wohin wir wollten, sondern endeten in einer Sackgasse. Freundliche Passanten dirigierten uns weiter. Das wahre Fiasko trat erst am Monatsende zutage, als ich meine Telefon-Rechnung ansah. Sie enthielt Extragebühren von 23 Euro für das Herunterladen von Karten. Daraufhin schenkten mir meine Kinder einen Zusatz-Speicherchip von 500 MB mit einer Deutschland-Karte drauf (für 99 Euro). Jedes Mal, wenn ich vergessen hatte die Batterie rechtzeitig aufzuladen, - was nicht selten vorkam - musste ich die Navigator-Anwendung (sowie alle anderen Anwendungen) neu im RAM-Teil des Speichers installieren. Außerdem musste nach dem Hochfahren die Standardeinstellung des Geräts manuell geändert werden, d.h. ein bestimmtes Häkchen in einem Eingabefeld musste gesetzt oder gelöscht werden.

Ausgereifte Spezialsysteme

Ans Navigieren gewöhnen konnte ich mich erst mit der nächsten Generation von Geräten. Nach entsprechenden Marktstudien entschloss ich mich Ende 2007 für das Gerät TomTom GO 730. Es enthält genug Speicherplatz, um Karten von ganz Europa vorzuhalten. Sowohl die Software des Gerätes wie auch die Karten lassen sich vom Internet her auf den neuesten Stand bringen. Vor jeder größeren Reise empfiehlt es sich, dies zu tun. Die Funktionalität des Geräts lässt sich in vielfältiger Weise anpassen. Man kann nicht nur die Stimmen und die Sprache der Ansager ändern, sondern auch die Art der Objekte, auf die man hingewiesen sein möchte. Das können Tankstellen sein und Parkhäuser, aber auch Sehenswürdigkeiten und Restaurants. Das Kartenmaterial ist in der Regel sehr zuverlässig, die Anzeige am Bildschirm klar und übersichtlich. 

Meine Frau und ich haben inzwischen mehrere Tausend Kilometer per Auto zurückgelegt, bei denen wir keine Papierkarten mehr dabei hatten. Auch wenn wir dieselbe Strecke bereits kennen, bleibt das TomTom-Gerät an. Es warnt dann vor Überschreitungen der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit und vor Radarfallen (letzteres nur als Zusatzfunktion). Statt über eine (simulierte) Tastatur können Ziele auch mündlich eingegeben werden. Die Laufzeit der Batterie ist kein Problem mehr, da alle Programme und Daten in nicht-flüchtigem Flash-Speicher vorgehalten werden.


TomTom GO 730

Kleinere Probleme gab es auch hier. Einige Beispiele, die sich einprägten, seien kurz erwähnt. In La Spezia an der ligurischen Küste Italiens kannte man eine neu eröffnete Stadtautobahn nicht und lenkte uns partout in abgeschnittene Querstraßen. In Eze-sur-Mer an der Côte d’Azur war der städtische Parkplatz bereits über 200 m vorbei, bevor wir zum Abbiegen aufgefordert wurden. Da die Moyenne Corniche, die Küstenstraße auf halber Höhe, anschließend bis nach Nizza keine Wendemöglichkeit mehr bot, entfiel das Wiedersehen mit Eze halt. Auch in Schweizer Tunnels kann die Ansage verwirrend werden, wenn der GPS-Empfang zu lange aussetzt. In kritischen Situationen nehme ich schon mal eine zweite Orientierungsmethode zu Hilfe, nämlich das Smartphone (siehe unten). Das geht allerdings nur als Beifahrer. Nachdem das TomTom-Gerät mehrmals völlig unerwartet durch die Gegend flog, ist das Ankleben des Geräts an der Windschutzscheibe vollkommen aus der Mode gekommen. Es liegt jetzt immer auf der Mittelkonsole.

Zusätzlich zum TomTom-Gerät verfüge ich über ein weiteres vollwertiges Navigationssystem. Es ist das System Navigon, das für Telekom-Kunden kostenlos auf dem iPhone zur Verfügung gestellt wird. Ich benutze es nur, wenn ich das TomTom vergessen habe. Da dies eher selten der Fall ist, bin ich mit diesem System auch noch nicht richtig vertraut.

Moderne Universallösungen

Während das TomTom-Gerät nur bei Autofahrten zum Einsatz kommt, gibt es längst ein Gerät, dessen Kartenmaterial ich tagtäglich auch zuhause benutze, ja oft mehrmals pro Tag. Es sind dies die Google Maps auf meinem iPhone, das ich seit Ende 2008 besitze. Hier gibt es kostenlose Karten für die ganze Welt. Man kann dank GPS sich sowohl die eigene Position (als kleine blaue Kugel) zeigen lassen, als auch Routen zwischen zwei Zielen berechnen lassen. Wenn immer ein Ortsname im Gespräch oder im Fernsehen erwähnt wird, von dem ich wissen möchte, wo er liegt, suche ich ihn per Google Maps. Das geht so schnell, dass das Gespräch nicht einmal ungebührlich verzögert wird. 

Wie oben bereits erwähnt, benutze ich die Google Maps auch manchmal beim Autofahren als Ergänzung zum TomTom-Gerät, um zu sehen, wo ich mich gerade befinde. Das kann mir das TomTom zwar auch sagen, ich muss aber von der Routendarstellung auf die Kartendarstellung umschalten. Das dauert während des Fahrens zu lange und geht oft daneben. Da ich mein Smartphone immer am Gürtel trage, bin ich mir (fast) sicher, dass ich mich in keinem Urwald und in keiner Stadt mehr verlaufen werde. Drei Voraussetzungen müssen allerdings erfüllt sein: die Batterie darf nicht leer sein, die Stärke des Mobilfunkempfangs muss ausreichen und der Roaming-Tarif muss tolerabel sein. Selbst im europäischen Ausland sind diese Bedingungen sehr oft nicht erfüllt. Das GPS-Signal dagegen ist weltweit verfügbar und kostenlos.


 Apple iPhone 3G

Ein weiterer Einstieg in das Kartenmaterial von Google kann über Google Earth erfolgen. Da für diese Anwendung die Kapazität des Mobiltelefons an ihre Grenzen stößt, benutze ich hierfür lieber den PC. Wird eine Urlaubsreise geplant, fliege ich das Ziel gerne vorher mit Google Earth an.

Das Smartphone stellt bekanntlich ein völlig neues und universelles Medium dar, dessen Verwendungsmöglichkeiten erst sukzessive erschlossen werden. Fast jedes Quartal werden neuartige Anwendungen (Apps genannt) angeboten, an die vorher niemand gedacht hatte. Drei Beispiele seien kurz erwähnt, da sie mit dem Thema Navigation verwandt sind.
  • Die App myCar Park merkt sich die Koordinaten eines geparkten Autos und führt den Besitzer später an diese Stelle zurück.
  • myTaxi ruft ein Taxi vom nächstgelegenen Taxistand und führt es zu der Stelle, an welcher der Rufer steht.
  • Mein IPhone suchen gestattet es, von einem andern iPhone (oder einem iPad) aus ein verlorenes iPhone (oder iPad) zu lokalisieren. Das geht natürlich nur, wenn das Gerät eingeschaltet war. Man kann das Gerät aus der Ferne ausschalten oder seine Daten löschen.
Für alle diese drei Anwendungen ist die derzeit verfügbare Genauigkeit der GPS-Ortung eigentlich nicht mehr ausreichend. Bei mehrfachen Versuchen können Schwankungen um 20-30 m auftreten. Wenn nicht von GPS selbst, so wird dieses (kleine) Problem vielleicht eines Tages von dem geplanten europäischen Satellitensystem Galileo gelöst werden. Meine Sorgen um dieses Projekt habe ich im Februar bereits zum Ausdruck gebracht, in diesem Blog natürlich.

Außer fürs Navigieren und Lokalisieren benutze ich mein Smartphone für ein immer größer werdendes Spektrum von Anwendungen. Neben dem Telefonieren sind dies im Moment vor allem Chatten, Fotografieren, E-Mails und Presseinformationen empfangen und Spielen. Was es im nächsten Jahr sein wird, weiß ich noch nicht.

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