Mittwoch, 1. August 2012

Upstate New York – im lieblichen Hudson Valley

Nach New York City verschlug es mich wieder in die amerikanische Provinz. Der nördliche Teil des Staates New York, auch Upstate genannt, hat gewisse Ähnlichkeit mit dem Mittleren Westen. Die Kleinstadt Poughkeepsie wurde meine Heimat von Juli 1964 bis Mai 1965. Der Name der Stadt ist indianischen Ursprungs und bedeutet ‚Hütte am Fluss‘. Die Indianer, die früher hier wohnten, waren die Wapani (Leute des östlichen Landes). Sie gehörten zur Sprachgruppe der Mohawks, im Deutschen auch als Mohikaner bekannt. Es gibt mehrere Indianer-Reservate in der Nähe der Niagara-Fälle, der bekanntesten Sehenswürdigkeit des Staates New York.

Poughkeepsie und IBM

Poughkeepsie liegt etwa 130 km (80 Meilen) nördlich von New York City, am Ostufer des Hudson River. Hier hatte die Firma IBM damals eine ihrer größten Fertigungsstätten. Hier wurden die Großsysteme der Firma hergestellt. Das angeschlossene Entwicklungslabor gehörte zu den größten der Firma und war verantwortlich für die Entwicklung von Hardware und Software. Die Software-Entwicklung hatte die weltweite Verantwortung für das Betriebssystem OS/360, an dessen Entwicklung etwa ein Dutzend andere Labors beteiligt waren. Ich sollte die Verbindung wahrnehmen für das deutsche IBM Labor in Böblingen.

Die IBM in Poughkeepsie war kaum vergleichbar mit der IBM-Gruppe in New York. Während in New York kaum mehr als 100 Mitarbeiter in gemieteten Räumen tätig waren, umfasste das IBM-Gelände in Pougkeepsie einen ganzen Stadtteil. Das mehrere Hektar große Terrain erstreckte sich zwischen Hudson und der Bundesstraße 9 (US 9). Einige Tausend Mitarbeiter waren hier tätig, was die IBM zum größten Arbeitgeber der Region machte. Die Mitarbeiter wohnten in einem Umkreis von etwa 30 km, und zwar auf beiden Seiten des Hudson. Das Entwicklungslabor belegte einige Gebäude im nördlichen Teil des Geländes. Neben der Hardware-Entwicklung gab es eine sehr leistungsstarke Software-Gruppe, die mehrere Hundert Mitarbeiter umfasste. Sie war in zwei Gebäuden (704 und 705) untergebracht.


IBM-Werksgelände in Poughkeepsie (Foto IBM)


Die Kollegen in Poughkeepsie waren ein anderes Völkchen als die in New York. Teils stammten sie aus der unmittelbaren Umgebung, teils kamen sie aus allen Teilen der USA. Für kaum jemanden war es wichtig, dass er gerade hier arbeitete. Entscheidend war das Projekt, also die Aufgabe. War die Aufgabe interessant, ging man auch anderswo hin. Dabei spielte es schon eine Rolle, ob man im Großsystembereich arbeiten konnte, oder an den kleineren Systemen.Das führte schon mal zu Rivalitäten und kleinen Nicklichkeiten. Für die Kleinsysteme war damals das Labor im etwa 400 km entfernten Endicott, NY, zuständig. Aus Sicht von Poughkeepsie schaute man auf Endicott herab. Die Kollegen aus Endicott hielten die Kollegen aus Poughkeepsie für hochnäsig und realitätsfremd. Ich selbst geriet schon mal zwischen diese Fronten, da ich Kontakte zu beiden Gruppen pflegte. Meine konkrete Aufgabe hatte zur Folge, dass ich sehr viele Geschäftsreisen nach Endicott unternahm. Hin und wieder traf man sich auf halbem Wege, so dass beide den Tagungsort per Auto erreichen konnten. Meistens benutzte ich aber die Direktflüge zwischen Endicott und Poughkeepsie, die eine lokale Fluggesellschaft (Mohawk Airlines) anbot. Dann brachte mich meine Frau morgens zum nahen Flugplatz und holte mich abends wieder ab.


Labor-Gebäude 705 (Foto IBM)

Nie zuvor war IBM ein größeres Risiko eingegangen und hatte mehr Geld investiert als bei der Entwicklung und Einführung des System/360. Die verschiedenen, zwischen einander nicht verträglichen Rechnerfamilien sollten zu einer einzigen Linie vereinigt werden. Basierend auf den Vorarbeiten von Fred Brooks, Gerry Blaauw und Gene Amdahl war eine einheitliche Rechnerarchitektur entstanden. Beginnend im April 1964 wurden sechs Systeme angekündigt, die gleichzeitig in vier Labors (Böblingen, Endicott, Hursley und Poughkeepsie) entwickelt wurden. Sie umfassten Hauptspeichergrößen zwischen 8 kB und 512 kB.

Mit der Leitung der Software-Entwicklung wurde Fred Brooks beauftragt, allerdings erst kurz vor der Ankündigung des Systems. Brooks‘ erste Aufgabe bestand darin, den Entwurf und die Spezifikation für das Software-System OS/360 zu erstellen, das parallel in mehreren Labors entwickelt werden sollte. Nach intensiver Diskussion hatte Brooks sich dafür entschieden, diese Aufgabe nicht seiner Stabsabteilung zu übertragen, sondern denjenigen, die auch für die Implementierung verantwortlich sein würden. Die Stabsabteilung, der ich zugeordnet war, hatte nur noch die Aufgabe, die Spezifikationen zu begutachten und zu genehmigen (engl. to review, to approve). Ob diese Entscheidung richtig war und wieweit sie das Ergebnis beeinflusste, ist eine Frage, die Jahrzehnte später noch die Fachwelt beschäftigte.

Brooks‘ Stab umfasste etwa 20 Mitarbeiter, die alle wesentlich erfahrener waren als ich. Sie kamen teilweise von der Federal Systems Division (FSD) in Gaithersburg, MD, teilweise aus den andern Produktlabors (Endicott, Hursley, Kingston, San Jose, Time/Life). Die Arbeitsweise war extrem fordernd, gab es doch fast täglich Ergänzungen bzw. Änderungen zu den Spezifikationen, die schließlich einige Tausend Seiten umfassten. Sie wurden nachts in Loseblattform verteilt. Eine rein elektronische Verteilung, die damals eventuell schon möglich gewesen werde, hätte nur das manuelle Einordnen erspart. Das Problem, den Inhalt gedanklich zu verarbeiten, wäre bestehen geblieben. Wegen meiner Vorkenntnisse und meiner Herkunft befasste ich mich sehr stark mit Programmiersprachen und den Fragen der Internationalisierung.

OS/360 hat mit seinen Funktionen und Eigenschaften neue Maßstäbe für die Branche gesetzt. Vor allem die Datenverwaltungs- und Kommunikationsfähigkeiten waren richtungsweisend. Seine Sicherheit und Zuverlässigkeit, aber auch seine Form der Geräteunabhängigkeit, veranlassten Kunden immer mehr unternehmenskritische Anwendungen zu automatisieren. Der Preis waren Komplexität und Speicherbedarf. Erst für Maschinen mit mehr als 64 kB Speicher war es einsetzbar. Als Folge davon mussten für kleinere Systeme andere Lösungen entwickelt werden. Das resultierte in zwei weiteren Betriebssystemen BOS/360 und DOS/360, die in Endicott unter Earl Wheeler entstanden. In den 1970er Jahren wechselte die Verantwortung für DOS/360 zuerst ins holländische Labor nach Uithoorn und danach nach Böblingen.

Fred Brooks verließ kurz vor Ende meines Aufenthalts die IBM und ging als Professor für Informatik (engl. computer science) an die University of North Carolina. Sein Nachfolger wurde Fritz Trapnell aus Hursley. Ich hatte in späteren Jahren immer wieder Kontakt zu Brooks, aber auch zu mehreren Mitarbeitern seines Stabes (u. a. Lucian Endicott, Jack Henry, Jim Kessler und Tony Peacock). Brooks hat 1975, also 10 Jahre nach seinem Ausscheiden, mit dem Buch The Mythical Man-Month über seine Erfahrungen bei OS/360 reflektiert. Das Buch wurde als Fachbuch ein Bestseller (etwa 300.000 verkaufte Kopien). Auch einige spätere Veröffentlichungen Brooks‘ fanden große Beachtung.

Leben im Dutchess County

Der Stadtkern von Poughkeepsie war nach dem zweiten Weltkrieg sehr heruntergekommen, war aber inzwischen weitgehend saniert. Es gab ein verkehrsfreies Einkaufs­zentrum und restaurierte Stadthäuser. Dennoch wohnte die Mittelstandsbevölkerung entweder am Stadtrand oder in benachbarten Orten. Hier gab es endlose, gartenartig angelegte Wohnsiedlungen, die sehr locker mit Einfamilienhäusern bebaut waren. Was dem Stadtkern fast noch mehr zu schaffen machte als das Wegziehen der kaufkraftstarken Bevölkerung, war das pilzartige Hervorsprießen großer Einkaufszentren außerhalb der Stadt auf der grünen Wiese. Mit riesigen Parkplätzen und Geschäftszeiten bis spät in die Nacht lockten diese unzählige Menschen an. Hier erledigte man nicht nur seine Einkäufe und verlud sie anschließend im Kofferraum des Straßenkreuzers, hier trafen sich auch junge Leute, nur um zu bummeln oder um ins Kino zu gehen.

Die Wohnungssuche in Poughkeepsie und dem umgrenzenden Dutchess County unterschied sich sehr von der in New York. Es gab hier praktisch keine möblierten Wohnungen. Am einfachsten wäre es gewesen, ein Haus zu kaufen. Der dafür aufzuwendende Kapitalbetrag lag bei etwa 10-15% des Kaufpreises. Der Rest ließ sich finanzieren. Die Kaufpreise betrugen etwa ein Viertel dessen, was entsprechende Wohnflächen in Deutschland kosteten. Wäre ich gleich am Anfang meiner Abordnung nach Poughkeepsie gegangen, hätte ich vermutlich ein Haus gekauft. Die zwei oder drei möblierten Häuser, die wir uns ansahen, schreckten uns ab. Hier war meist gerade die Oma gestorben, die hier die letzten Jahre ihres Lebens allein gelebt hatte. Da der IBM diese Situation bekannt war, hatte sie in Wappinger Falls, etwa 4-5 km vom Werk Poughkeepsie entfernt, von einer Wohnungsbaugesellschaft eine Wohnanlage (Riverside Appartments) bauen lassen, bestehend aus ebenerdigen Mehrfamilienhäusern. Wir waren in der glücklichen Lage, hier einziehen zu dürfen. Alle andern Bewohner waren IBMer, die ebenfalls wie wir auf einer Abordnung in Poughkeepsie waren. Sie stammten aus Frankreich, England oder Italien, oder aus anderen Gegenden der USA. Es waren auch mehrere deutsche Familien dort.

Die Lage und der Charakter der Wohnung hatten Vor- und Nachteile. Zu den Vorteilen gehörte, dass die Bewohner alle sehr aufgeschlossen waren und auf einander zugingen. So wurde meine Frau sofort nach unserem Einzug in die Wohnung zu einer täglichen Frühstücksrunde der Frauen eingeladen. Auch gab es hin und wieder gemeinsame Grillabende (Barbeques). Eine besondere Attraktion für Familien mit Kindern bildete das Gelände des nahe gelegenen IBM Clubs. Hier lockte vor allem das Freibad. Die Umgebung der Wohnung bestand aus einem größeren Waldgelände. Soweit dieses nicht bereits durch Einfamilienhäuser zersiedelt war, war der Wald in einem urwaldähnlichen Zustand. Dass im Wald Bäume in Reihe und Glied stünden, das gäbe es nur in Deutschland, hieß es. Als wir meinten, dass man hier schöne Wanderungen und Spaziergänge machen könnte, wurden wir aufgeklärt. So etwas tut man hier nicht. Ausgenommen sind Jogger, aber die laufen nicht durch einen Wald. Wenn man irgendwo hin will, fährt man Auto. In Wälder hineinzugehen ist außerdem gefährlich. Dort gibt es überall giftige Efeuranken (Poisen Ivy). Berührt man sie, entsteht an Armen oder Beinen ein schmerzhafter Ausschlag. Wenn man sich damit nicht auskennt, bleibt man am besten draußen. Das gilt vor allem für Kinder. Wie bei allen privaten Wohnungen der Gegend, so war auch bei unserer Wohnanlage im Grunde erforderlich, dass die Familie über zwei Autos verfügt. Da ich täglich mit meinem Oldsmobile zur Arbeit fuhr, war meine Frau tagsüber ans Haus gebunden. Der nächste Laden war etwa 3 km entfernt. Alle Einkäufe wurden also abends oder am Wochenende vorgenommen.

In diesem Teil des Staates New York war der Anteil deutscher und holländischer Einwanderer einmal ziemlich hoch gewesen. Ortsnamen wie Germantown, New Hamburg, Rhinebeck und Staatsburg beweisen dies. Heute noch ist Poughkeepsie besonders stolz darauf, einige deutsche Bäcker und Metzger zu haben. So war Karl Ehmers Metzgerei, die über mehrere Filialen in der Umgebung verfügte, auch ein Anziehungspunkt für uns.

Der nördliche Nachbarort von Poughkeepsie ist in ganz Amerika sehr bekannt. Es ist Hyde Park. Es war der Geburtsort und Wohnsitz von Präsident Franklin D. Roosevelt. Das feudale Herrenhaus der Familie ist heute eine Art Pilgerstätte für Amerikaner. Fast ebenso berühmt ist eine zweite, ebenfalls direkt am Hudson gelegene Villa. Es ist das Haus der Familie Vanderbilt.

Auch hier gibt es einige Episoden, die meiner Frau und mir einfallen, wenn wir an diese Zeit zurückdenken. Höhepunkte des Familienlebens stellten die Kindergeburtstage dar. Bei lauter jungen Familien, die in unserer Wohnanlage lebten, gab es schon mal mehrere pro Woche. Alle etwa gleichaltrigen Kinder mit ihren Müttern nahmen teil. Sie fanden meist am frühen Nachmittag statt. Entscheidend war, dass sie pünktlich gegen 17 Uhr endeten. Bis der Ehemann nach Hause kam, musste nämlich die Wohnung wieder geputzt und in aufgeräumtem Zustand sein. Für Amerikanerinnen, die den ganzen Tag über mit Lockenwicklern in den Haaren herum liefen, war dies auch der Zeitpunkt, ihre Frisuren in Ordnung zu bringen.

Eine unserer Nachbarsfamilien stammte aus Frankreich. Ihre Tochter war im gleichen Alter wie unsere Tochter. Beide waren gerade dabei, ihr Sprachvokabular aufzubauen. Es überraschte uns, als wir feststellten, dass sie die Welt zwar beide mit denselben Begriffen belegten, diese aber aus zwei Sprachen stammten. Für beide war ein Mantel ein Pantélon, ein Vogel aber ein Vogel.


In Wappinger Falls

Wie bereits angedeutet, wohnten die Kollegen nicht in der Stadt Poughkeepsie, sondern weit verstreut in den vorwiegend bewaldeten Regionen des Umkreises. Es waren oft einsam gelegene Häuser mit großem Areal, aber auch sehr gepflegte moderne Siedlungen. Wie bereits angedeutet, leistete uns unser Oldsmobile in Poughkeepsie gute Dienste. Ich fuhr täglich zur Firma damit und benutzte es auch immer dann, wenn wir uns von unserer Wohnung entfernten, sei es zum Einkaufen oder um Freunde und Kollegen zu besuchen. Einmal brachte es mich sehr in Verlegenheit. Als ich die Post aus dem an der Straße liegenden Briefkasten nehmen wollte, fuhr er im Tempo von 10-15 Stundenkilometer seelenruhig weiter. Ich musste einen Spurt einlegen, um ihn wieder einzuholen.

Catskill Mountains und Niagara-Fälle

Westlich von Poughkeepsie, auf der rechten Seite des Hudson, erstreckt sich eine Mittelgebirgskette mit dem Namen Catskill Mountains. Es ist das Erholungsgebiet der Bürger aus der Stadt New York und von Naturparks und Ausflugszentren durchzogen. In den lokalen Zeitungen werben Hotels jeder Preisklasse mit ihren Wochenend-Paketen. Einmal wollten wir uns auch ein solches prächtiges Wochenende gönnen, mit allen Wohltaten inklusive. Wir wählten ein Hotel mittlerer Preisklasse aus. Natürlich hatten wir Vollpension gebucht.


An den Niagara-Fällen

Leider erwies sich unsere Buchung als Fehlspekulation. Wir trafen auf ein Haus, das total ausgebucht war, aber nur von älteren Leuten im Durchschnittsalter von 70 Jahren. Mit unsern 30 Jahren waren wir regelrechte Exoten. Bei der Verpflegung fiel uns eine weitere Besonderheit auf. Es gab nur jüdische Gerichte. Einige Gerichte hatten zwar deutsch klingende Namen, sie ähnelten jedoch nicht irgendwelchen Gerichten, die wir kannten. Meine Frau versuchte alles. Ich ging lieber abends hungrig ins Bett. Wir machten einige Spaziergänge in den schönen Parkanlagen des Hotels, waren aber froh, als das Wochenende vorbei war.

Obwohl ich schon bei meinem ersten Amerika-Aufenthalt bei den Niagara-Fällen war, konnte ich jetzt nicht umhin, auch meiner Familie dieses Naturwunder zu zeigen. Wir nahmen bei diesem Besuch auch an der Tour teil, bei der man in Ölkleidung geschützt unter dem amerikanischen Teil des Falles hindurch geht. Eine Bootsfahrt, bei der man vom Wasser her bis an die Fälle heranfährt, ersparten wir uns.

Abstecher nach Florida

Im September des Jahres 1964 entschlossen wir uns, einen Kurzurlaub in Florida zu verbringen. Ein Direktflug brachte uns von La Guardia nach Miami. Ein Strandhotel hatten wir in Miami Beach reserviert. Als wir dort ankamen, wunderten wir uns, dass überall umgestürzte Palmen lagen, und dass einige Fenster des Hotels mit Brettern vernagelt waren. Wir hatten gerade einen Wirbelsturm, hieß es.


In Miami Beach

Es war in diesem Hotel in Miami Beach, wo unsere damals noch nicht zwei Jahre alte Tochter ihr erstes Geld verdiente. Sie fühlte sich durch die Hintergrundmusik zu unserem Abendessen dazu angeregt, einen kleinen Tanz aufzuführen. Ein anderer Gast gab ihr daraufhin einen US-Quarter. Hier kamen wir auch ins Gespräch mit jüdischen Gästen. Als sie erfuhren, wo wir herkamen, meinten sie. „Das macht nichts. Mit Ihnen reden wir, denn Sie sind jung. Mit Ihren Eltern hätten wir es nicht getan.“

Familienzuwachs und Rückkehr nach Deutschland

Ich war gerade auf einer mehrtägigen Dienstreise in Endicott, als meine Frau anrief, und mir mitteilte, dass sie noch am selben Tag ins Krankenhaus müsse, weil sich die Geburt unseres zweiten Kindes ankündigte. Mohawk brachte mich pünktlich nach Poughkeepsie zurück. Ich brachte meine Frau per Auto ins nahe Vassar Hospital und harrte der Dinge, die da kommen würden. Noch ein werdender Vater und ich durften Fernsehen, bis dass spät in der Nacht unsere Kinder geboren wurden.


Neugeborener Amerikaner

Unser Sohn wurde auf diese Art amerikanischer Bürger (engl. native born citizen). Er wurde in der katholischen Pfarrkirche von Wappinger Falls getauft, und zwar in Abwesenheit beider deutscher Taufpaten. Als wir seinen Pass beantragten, musste ich die Frage nach dem Grund seiner Reise beantworten. Ich schrieb: „Begleitet seine Eltern in deren Heimatland“. Die Übersiedlung erfolgte im Frühjahr 1965, sobald unser Sohn zwei Monate alt war. Er überquerte den Atlantic zwar per Flugzeug, aber in einer Pappschachtel. Es war dies dieselbe Schachtel, in die er nach seiner Geburt im Krankenhaus gelegt worden war.

Mit diesem Eintrag enden meine Berichte über meine Wanderjahre. Von 1965 bis 1992 blieben wir im Raum Böblingen/Sindelfingen sesshaft. Die Zeit im Böblinger Labor wurde im Jahre 2001 auf Anregung von Karl Ganzhorn als Band 2 seiner ‚Blauen Reihe‘ dokumentiert. Er hat den Titel ‚Die IBM Laboratorien Böblingen: System-Software-Entwicklung. Die gedruckte Version gibt es nur noch in Archiv-Bibliotheken (wie der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart oder der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt), eine elektronische Version ist jedoch weiterhin verfügbar im Verlag Digiprimo in Heidelberg. Erst mit dem Eintritt in den Ruhestand gab es wieder einige Ortswechsel. Sie führten zuerst in die Neuen Bundesländer nach Rostock und dann nach München. Vielleicht berichte ich später auch darüber.

1 Kommentar:

  1. It would be interesting to hear a comparison of operations and social interactions between an IBM lab in USA versus Germany.

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