Freitag, 13. Mai 2011

Innovations- und Entrepreneurpreis der GI

Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) hat diese Woche den Innovations- und Entrepreneurpreis für das Jahr 2011 ausgelobt. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird auf der GI-Jahrestagung im Oktober 2011 in Berlin vergeben. Es sollen „informatikbezogene Erfindungen, Innovationen und einschlägige Unternehmens-gründungen ausgezeichnet werden“, so heißt es in der Ausschreibung, die per E-Mail an alle Mitglieder ging. „Der Informatikbezug ist weit gefasst und bezieht Hardware, Software sowie Anwendungen und Plattformen gleichermaßen mit ein. Ein zugehöriges Patent kann beantragt oder erteilt sein, dies ist aber nicht Bedingung.“ Einsendeschluss ist der 31. Juli 2011.

Der Preis knüpft an den bisherigen Innovationspreis an, der seit 2005 fünf Mal vergeben wurde. Alle bisherigen Träger dieses Preises sind auf der Homepage der GI vorgestellt, zusammen mit einer kurzen Beschreibung der ausgezeichneten Innovation. Im Jahre 2010 fand keine Ausschreibung statt. Obwohl darüber nicht berichtet wurde, fand im letzten Jahr anscheinend innerhalb des Vorstands oder des Präsidiums der GI eine Evaluierung der fünf früheren Preisverleihungen statt. Als Konsequenz daraus wurde dem Preis das französische Wort ‚Entrepreneur‘, das auch im Englischen benutzt wird, angefügt. Ich kann diese Entscheidung sehr gut nachvollziehen.

Bei Innovationen denken die meisten Menschen an technische Neuerungen, die sich in Produkten oder Prozessen niederschlagen. Manchmal werden Innovationen auch mit Erfindungen gleichgesetzt, was aber nicht richtig ist. Erfindungen können zu Innovationen führen, müssen aber nicht. Erfindungen haben den großen Vorteil, dass es für sie einen klaren, in der gesamten Welt anerkannten Maßstab gibt, nämlich die Patentierbarkeit. Bei Informatik-Erfindungen bedeutet dies in der Regel, dass ein Mitarbeiter eines Patentamtes, der meist nicht Informatiker ist, den Neuigkeitsgrad und die wirtschaftliche Relevanz beurteilt. Außerdem muss der Erfinder selbst von dem Wert seiner Idee überzeugt sein, ehe er diesen Weg geht. Wie in einem früheren Beitrag über die Software-Branche in diesem Blog nachgewiesen, profiliert sich die Software-Industrie immer stärker als Patentanmelder. Dennoch hat sich die GI entschlossen, diesem Kriterium nur geringes Gewicht beizumessen.

Durch die Hinzufügung des Worts ‚Entrepreneur‘ wird der unternehmerische oder nicht-technische Aspekt einer Innovation als weiteres Kriterium klar benannt. Jede Unternehmensgründung setzt ein Geschäftsmodell voraus. Vereinfacht ausgedrückt, es muss eine Vorstellung dafür vorhanden sein, wie das eingesetzte Kapital verzinst wird. Die Praxis vieler Internet-Firmen, die wussten wie man möglichst viel Geld ‚verbrennt‘, fällt nicht darunter, noch die eher sozial denkenden Unternehmen, die sich darauf beschränken, Geschenke zu verteilen. Eine technische Idee kann noch so schön sein, ohne tragfähiges Geschäftsmodell sollte man sie schnellstens vergessen.

Auch für die in der Lehre tätigen Kolleginnen und Kollegen ist ein Hinweis auf die Rolle des Unternehmers in unserer Branche sehr nützlich. Eine auf die Zukunft ausgerichtete Qualifizierung des Nachwuchses muss über die heute vorhandenen Tätigkeiten und Arbeitsplätze hinausdenken. „Es genügt nicht, die Eliten von Morgen in den Methoden und Techniken von heute und deren theoretischen Grundlagen – sofern es sie gibt – auszubilden. Sie sollten vielmehr lernen, neue geschäftliche Chancen zu erkennen und zielgerichtet zu ergreifen. ‚Entrepreneurship‘ ist wichtiger als ‚employability‘, um es neudeutsch zu sagen.“ So schrieb ich in einem früheren Eintrag in diesem Blog. Diese Preisausschreibung bietet eine weitere Chance, Vorbilder für junge Menschen sichtbar zu machen. Sie leistet damit einen pädagogisch sehr wichtigen Beitrag.

Es wäre von Vorteil, wenn die Geschäftsführung der GI sich dazu entschließen könnte, die für die Preisverleihung angewandten Kriterien in einem Fragebogen für Antragsteller zusammenzufassen. Für die Ernennung zum GI Fellow gibt es einen derartigen Fragebogen schon länger, obwohl die Ernennung zum Fellow die GI weniger Geld kostet als der Innovationspreis.

Ich wünsche dem Preis ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und viele gute Bewerbungen. Das ist nämlich die Voraussetzung dafür, dass die Jury eine echte Wahlmöglichkeit bekommt. Überzeugende Preisideen wiederum regen andere Innovatoren an, sich ebenfalls anzustrengen. Ich freue mich sehr, dass mit der Wiederbelebung dieses Preises die GI zum Ausdruck bringt, dass sie auch an die Belange der Praxis denkt, und sich nicht nur der Wissenschaft sondern auch der Wirtschaft verpflichtet fühlt.

Dienstag, 10. Mai 2011

Manfred Roux über die Informatik-Ausbildung

Manfred Roux trat 1974 in den Bereich Softwareentwicklung der IBM ein und bekleidete dort ab 1979 verschiedene Aufgaben im Management. Seit 1995 leitete er die systemnahe Softwareentwicklung für Betriebssysteme, ab 1997 den Bereich Softwareentwicklung Information Management. Von 2003 bis zu seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst der IBM im Jahr 2005 war er verantwortlich für die Beziehungen der IBM zu Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.



Bertal Dresen (BD): Sie haben sich in den letzten Jahren Ihrer Berufstätigkeit sehr stark mit dem Verhältnis zwischen Industrie und Hochschulen befasst. Dabei spielte die Frage der idealen Ausbildung unseres Nachwuchses vermutlich eine zentrale Rolle. Sehe ich das richtig oder gab es andere gleichwertige Themen? 

Manfred Roux (MR): Die IBM Wissenschaftsbeziehungen – oder wie es jetzt heißt: die IBM Academic Initiative – hatte mehrere Stoßrichtungen. Das Thema der „Idealen Ausbildung“ spielte darin eigentlich bestenfalls eine untergeordnete Rolle.

Eine Zielsetzung der Academic Initiative war, die Ausbildung junger Menschen mit IBM Produktlinien zu fördern und zu unterstützen. Zu dem Zweck stellt die IBM Studenten und Hochschullehrern fast das gesamte Softwareproduktspektrum kostenlos zur Verfügung. So haben wir inzwischen in Deutschland eine sehr aktive Community, die zum Beispiel die Information-Management-Produkte der IBM in der Lehre einsetzt. Ziel ist es, mit der Qualität der Produkte zu überzeugen und die Entscheider von morgen mit den IBM Produkten und ihren Vorteilen vertraut zu machen. Ein wichtiger Nebeneffekt ist natürlich, dass die IBM an diesen Lehrstühlen Absolventen findet, die bereits mit den IBM Produkten vertraut sind und die relativ nahtlos in der Entwicklung oder Beratung eingesetzt werden können.

Die zweite Stoßrichtung war, die Kontakte zu Hochschulen zu intensivieren, um auf diesem Weg die „Besten der Besten“ mit Hilfe der Lehrstuhlinhaber zu identifizieren und später möglicherweise für die IBM zu gewinnen. Dazu gab es verschiedene Studentenprogramme, von denen das Projektpraktikum „Extreme Blue“ vermutlich das bekannteste war.

BD: Bei meinem letzten Besuch im IBM Labor im Oktober 2008 zeigte der damalige Laborleiter eine Statistik über die berufliche Zusammensetzung der Labor-Mitarbeiterschaft. Wenn ich mich recht erinnere, lagen Informatiker mit Abstand an der Spitze. Reflektiert dies nur die Umorientierung von einen ehemals auf Hardware-Entwicklung ausgerichteten Labors auf ein Software-Labor, oder spricht es generell dafür dass Informatik-Absolventen inzwischen auch in der Industrie geschätzt werden?

MR: Informatik-Absolventen werden selbstverständlich in der Industrie geschätzt; das sieht man schon allein daran, dass Informatiker problemlos angemessen bezahlte unbefristete Stellen finden. 

In der deutschen IBM Entwicklung ist es in der Tat ein Anzeichen für den Wandel von einer stark Hardware-lastigen zu einer Software-Entwicklungsorganisation. In den Zeiten vor 1990 gab es einen reinen Software-Entwicklungsbereich und Hardware-Entwicklungsbereiche, die sich unter anderem mit Prozessoren, Schaltkreisen, Druckern, Point-of-Sale Terminals und Bankautomaten beschäftigten. Heute hat das IBM Entwicklungszentrum in Böblingen mehrere Software-Entwicklungsbereiche, die mit Entwicklungsaktivitäten vom Betriebssystem Linux bis zu Websphere die IBM Software-Produktpalette abdecken, aber nur noch einen Hardware-Entwicklungsbereich. Zusätzlich gewinnt das Thema Services um diese Software-Produktpalette seit einigen Jahren an Bedeutung.

BD: Welche Erfahrungen mit Informatik-Absolventen lassen sich konstatieren? Wenn man sich ansieht, wie sich die Informatik-Absolventen auf die drei unterschiedlichen Bildungswege, Universität, Fachhochschule und Berufsakademie, verteilen, was besagt das? Stimmt mein Eindruck von früher auch heute noch, dass die BA-ler in gewissem Sinne die Nase vorn haben, da sie das Unternehmen bereits sehr früh kennen lernen?

MR: Ich denke, jeder der drei Wege bietet für die Studierenden gewisse Vorteile. Der BA-ler macht eine intensive Ausbildung mit und ist dabei eng ins Unternehmen eingebunden. Der FH-Absolvent macht ein relativ kurzes Studium mit ersten praktischen Erfahrungen in der Industrie und der Uni-Absolvent verfügt über ein stärkeres theoretisches Rüstzeug. 

Meine persönlichen Erfahrungen mit BA- und FH-Absolventen, die ich dem „Bachelor“ gleichsetzen würde, waren sehr gut. Nicht nur, dass diese Informatiker früher und jünger ins Unternehmen kamen, sie brachten auch weniger Ansprüche und eine stärkere Praxisorientierung mit. Ich habe aber auch Diplominformatiker mit Universitätsabschluss eingestellt, die sehr schnell produktiv wurden und ihr theoretisches Rüstzeug für Projekte sehr gewinnbringend einsetzen konnten.

Wenn ich heute mit meinen aktiven Kollegen spreche, dann gewinnen diese aus den Universitäten zum Teil Absolventen für die IBM, die durch die Kooperation zwischen IBM und den Hochschulen im Rahmen der Academic Initiative bereits interessantes Spezialwissen mitbringen und so einen sehr schnellen Start im Unternehmen haben.

Den Erfolg der BA-Ausbildung kann man auch in der IBM beobachten: Einer der Geschäftsführer der IBM Deutschland, Michael Diemer, ist Absolvent der Berufsakademie. Ich kenne aus dem Labor Beispiele von BA-Absolventen, die hohe technische Anerkennung als „Senior Technical Staff Member“ erreicht haben. Will heißen: Der Ausbildungsweg ist nicht notwendigerweise ein guter Indikator für den beruflichen Erfolg.

BD: Sie haben sich in Vorträgen auch zu den inhaltlichen Schwerpunkten der Informatiker-Ausbildung geäußert. Das betraf sowohl die fachlichen (‚harten‘) Fähigkeiten wie die nicht-fachlichen (‚weichen‘) Fähigkeiten. Wo sehen Sie heute die wichtigsten Probleme? Wo besteht akuter Korrektur- oder Nachholbedarf? Ist Ihrer Ansicht nach der Vorwurf berechtigt, dass es der Ausbildung an Praxisbezug mangelt? Was verstehen Sie darunter und was lässt sich tun, um dem entgegen zu wirken?

MR: Ich definiere „Praxisbezug der Lehre“ so, dass den Studenten das für das Berufsleben notwendige Wissen und die notwendigen Fertigkeiten nähergebracht werden, dass sich das Studium an den Anforderungen des Jobmarkts orientiert – die Absolventen brauchen die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die sie befähigt, im heutigen industriellen Umfeld erfolgreich zu sein. Das bedeutet, dass theoretische Ansätze mit realistischen, praktischen Beispielen und Experimenten untermauert sein sollten, dass auch praktische Erfahrungen mit gegenwärtig relevanten Technologien vorhanden sind.

Ich halte den Praxisbezug der heutigen Informatiker im Allgemeinen für gut bis sehr gut. Es ist für Unternehmen möglich, Absolventen einzustellen, die sehr schnell produktiv werden. Einarbeitungszeiten von Monaten, wie wir sie zum Teil in den 1980er Jahren noch erlebt haben, sind heute undenkbar.

Was in der Ausbildung fehlt, sind Aspekte der industriellen Softwareentwicklung. Zum einen geht es dabei um Softwareentwicklung in großen Teams, mit all den Problemen, die damit verbunden sind, wie zum Beispiel Kommunikation und Abstimmung mit anderen, Änderungskontrolle oder Dokumentation. Ebenso heißt Entwicklung meist „Pflege von Alt-Software“. Hierbei bedeutet Entwicklung meist „Ändern und Erweitern des Bestehenden“ ohne bestehende Schnittstellen zu zerstören und nur ganz selten Entwurf und Implementierung auf einer weißen Tafel.

Was ebenso fehlt, sind die „Soft Skills“. Ich war immer wieder überrascht, wie schwer sich manche Informatiker (aber auch andere Ingenieure) mit exzellenten Zeugnissen in Assessment-Centers taten, wo es nicht um Fachwissen ging sondern wo Fähigkeiten wie Antrieb, Kooperationsbereitschaft, Kommunikation oder Teamarbeit beobachtbar sein sollten. Diese Kompetenzen, die für Softwareentwickler in Teams unbedingt notwendig sind, waren häufig nur schwach oder gar nicht vorhanden. Ich denke, so etwas müsste und könnte im Studium praktiziert und geübt werden.

BD: Sie verfolgen sicherlich auch die Bologna-Diskussion um die zweistufigen Abschlüsse, zuerst Bachelor, dann Master. Teilen Sie die Meinung einiger Universitätsprofessoren, dass Unis den Master-Abschluss zum ‚Regelabschluss‘ machen sollen, also für annähernd 100% aller Studienanfänger? Wie wichtig ist eine frühe Berufsbefähigung gegenüber einer exzellenten Berufsfertigkeit? Gibt es Erfahrungen in der IBM mit Bachelor-Absolventen und wie sind diese? Wird IBM überhaupt Bachelor-Absolventen in signifikanter Zahl einstellen?

MR: Wenn ich mich recht erinnere, hatte Bologna zwei Zielsetzungen: zum einen sollten die Hochschulausbildungen in Europa „vergleichbar“ gemacht werden, zum anderen ging es aber in Deutschland auch darum, Absolventen schneller ins Berufsleben zu bringen, die Ausbildungszeit zu verkürzen. Dieser Zielsetzung würde aber der Regelabschluss „Master“ widersprechen. 

In Deutschland denkt man in der Politik eher in Quoten für den Übergang. Das halte ich für falsch – wer befähigt und willig ist, sollte die Gelegenheit haben, den Master-Studiengang an das Bachelorstudium anzuschließen. Das Konzept, nach ein paar Jahren Berufstätigkeit an die Universität zurückzukehren, um einen Master­studiengang abzuschließen, halte ich für Informatiker, Ingenieure und Natur­wissenschaftler für unrealistisch. Diese Leute stehen mitten im Berufsleben und haben mit einiger Sicherheit durch einen Masterstudiengang keinerlei finanziellen Gewinn, sondern nur einen Einkommensverlust. 

In der Entwicklung haben wir junge Absolventen bevorzugt – die demonstrierten mit ihrem frühen Studienabschluss Antriebskraft und Zielorientierung. Für einen Arbeitgeber ist es sicher besser, einen 25-jährigen Absolventen mit Master oder Diplom einzustellen, als einen über 30-jährigen Promovierten: Der mit 25 eingestellte kann nach fünf Jahren Berufserfahrung im Unternehmen mit einiger Sicherheit mehr bewegen als der später Eingestellte mit höherer Qualifikation. Dem 25-jährigen kann ich bei entsprechender Leistung eine attraktive Laufbahnperspektive aufzeigen. Bei dem älteren Promovierten fällt das erheblich schwerer, außer er entpuppt sich als sofortiger Hit, der sehr schnell signifikante Beiträge leisten kann. Das war in meinem Umfeld kaum jemals der Fall. Ich habe leider ausreichend viele Beispiele erlebt, wo „Verdiente“ mit Vorschusslorbeeren und hohen Einstellgehälter in die Firma eingetreten sind, die die Erwartungen ihres Umfelds nicht erfüllen konnten. 

BD: Wie finden Sie es, dass diese ganze Diskussion fast ohne Beteiligung der Kunden stattfinden? Sie erinnern sich an meinen Spruch[1] vom Brötchenbäcker und seinen Kunden. Wer kann da was tun? Wen muss man anstoßen?

MR: Ich denke, die BA und die FH haben hier geringe Probleme. Beide Institutionen verstehen sich als Ausbildungsstätten für Informatiker, die optimal für Beschäftigung in der Industrie geeignet sein sollen. Teilweise habe ich erlebt, wie einzelne FHs sich bemühen, Alleinstellungsmerkmale ihrer Ausbildung zu definieren. 

Alle Hochschulen − und das gilt insbesondere für Universitäten − kennen die Bedürfnisse der Industrie, wehren sich aber teilweise dagegen, als Zulieferer der Industrie verstanden zu werden. Da hilft nur den Kontakt zwischen Hochschule und Industrie zu intensivieren. Ein Weg sind die Forschungskooperationen, die alle großen Hersteller mit einzelnen Universitäten und Lehrstühlen haben – nicht nur die IBM ist dort präsent, sondern ebenfalls Microsoft, SAP und andere.  Ein weiterer ergänzender Ansatz ist, dass Industrievertreter an den Universitäten als Sprecher und Lehrbeauftragte auftreten, um Studenten und Lehrstuhlinhabern die Anforderungen des Berufsbilds „Informatiker in der Industrie“ zu verdeutlichen. Aber das ist sicher ein langer Weg zum Ziel – das Beharrungsvermögen ist doch beträchtlich.

BD: Haben Sie den Eindruck, dass die Informatik-Anwender (Banken, Autoindustrie, Handel) in Ausbildungsfragen ganz andere Forderungen stellen als die Primärindustrie (Hardware- und Software-Hersteller, Berater)? Wo liegen die Unterschiede?

MR: Diese Frage kann ich nicht kompetent beantworten, weil ich nur eine Seite kenne. Ich habe gelegentlich über den IBM Entwicklungsprozess vor Teilnehmern aus der Autoindustrie und der Luftfahrtindustrie gesprochen. In den Briefings und den anschließenden Q&A’s habe ich den Eindruck gewonnen, dass in dem Umfeld andere Aspekte, wie zum Beispiel Projektmanagement, eine große, vernachlässigte Rolle spielen. 

Das war ja in der IBM ebenso bis Gerstner aufgeräumt hat und dem Thema „Projektmanagement“ eine zentrale Rolle in der Ausbildung eingeräumt wurde. Da wurde sehr viel Geld investiert und ich denke, wir sehen den Erfolg dieser Bemühungen im Geschäftsergebnis der IBM bei den Services und der Software. 

BD: Herr Roux, haben Sie vielen Dank für das Interview. Ich vermute, es wird einigen Leserinnen und Lesern Stoff zum Nachdenken geben.



[1] Ich beziehe mich hier auf eine Aussage, von der ich nicht mehr weiß, wo ich sie herhabe: Modern sein wollende Hochschulen reden davon, dass sie Studierende als Kunden ansehen. Das ist aber nicht ganz richtig. Für einen Bäcker, der Brötchen backt, sind nicht die Brötchen die Kunden, sondern die Hausfrauen, die Brötchen kaufen.

Sonntag, 8. Mai 2011

Karl Ganzhorn wurde 90

Am 31.3.2011 schrieb Karl Ganzhorn an Verwandte und Freunde:

…darf ich bezüglich meines bevorstehenden 90. Geburtstags am 25. April 2011 eine Bitte übermitteln: Meine Frau und ich können zwar unseren Tagesablauf so eben noch bewältigen, doch wird er in letzter Zeit durch altersbedingte Belastungen immer vollständiger beherrscht. Unter anderem schließen diese fremde Hilfe im Haus aus. Das bringt es mit sich, dass wir einen Geburtstag nicht mehr in üblicher Form begehen können. Daher bitte ich herzlich, von Besuchen, Geschenken, Briefpost und Telefonanrufen absehen zu wollen, auf die wir nicht mehr in gebührender Weise reagieren könnten. Sie würden für uns zur zusätzlichen Belastung. Wir sind froh und dankbar dafür, wenn wir wenigstens die normalen Alltagspflichten noch aus eigener Kraft zu erfüllen vermögen.

Während ich mich seinem Wunsch entsprechend verhalten habe, halte ich es dennoch für angebracht, aus diesem Anlass ein paar Worte zu seiner Person zu sagen – und insbesondere zu unseren gegenseitigen Kontakten.

Ich lernte Ganzhorn Ende der 1950er Jahre kennen. Er war bereits seit 1952 bei der Firma IBM in Böblingen, als ich 1957 dort begann. Er war in dem der Fabrik zugeordneten Konstruktionsbüro (Kobü genannt) tätig, ich im kundenorientierten Rechenzentrum. Ich ging anschließend nach Düsseldorf und Nizza. Bereits bei meinem Wechsel von Düsseldorf nach Nizza im Jahre 1962 muss Ganzhorn im Hintergrund involviert gewesen sein, da ich formell in seinen Bereich versetzt wurde.


 Karl Ganzhorn  © IBM

Ganzhorn hatte bereits 1953 von Thomas Watson sen. den Auftrag erhalten, sich um die Anwendung elektronischer Bauelemente im damaligen Produktspektrum der IBM zu kümmern. Dies führte ihn im Jahre 1955 zu seinem ersten deutsch-französischen Kooperations­projekt, der World Wide Accounting Maschine (WWAM genannt).  Schon früher hatte Thomas Watson sen. dem deutschen Konstruktionsbüro den Auftrag erteilt, ein Kleinlochkarten-System zu entwickeln. Dieses Projekt wurde von Ganzhorn weitergeführt und als IBM System 3000 zur Vertriebsfreigabe gebracht. Leider stellte sich danach heraus, dass die für die Kleinlochkarte einzuhaltenden extrem engen mechanischen Toleranzen sich zwar von den Entwicklern (oder auch von Schwarzwälder Uhrenbauern) beherrschen ließen, aber für die industrielle Massenfertigung nicht erreichbar waren. Als Folge davon musste das System im Jahre 1961 vom Vertrieb zurückgezogen werden. 

Ganzhorn hat später immer wieder erzählt, wie sehr ihm die Reaktion des höheren Managements geholfen hatte, über diese Schlappe hinwegzukommen. Tom Watson bestärkte Ganzhorn darin, nie wieder seine ingenieurmäßige Intuition außer Acht zu lassen, auch dann nicht, wenn Vertrieb oder Management ihm ein Produkt aus der Hand reißen wollten. Über diese Erfahrung, sowie über die andern Projekte, die Ganzhorns Gruppe Anfang der 1950er Jahre durchführte, hat er ausführlich berichtet, und zwar im ersten Band der später von ihm herausgegeben ‚Blauen Reihe‘. Eine kürzer gefasste, englische Version erschien 2004 in den ‚Annals of the History of Computing‘. Sehr aufschlussreich ist auch das Oral-History-Interview, das die IEEE im Jahre 1994 aufnahm. Hier kommen unter anderem Ganzhorns prägende Erlebnisse im 2. Weltkrieg zur Sprache.

Im Jahre 1958 erfolgte unter seiner Leitung die Etablierung des Entwicklungslabors Böblingen als selbständige Unternehmenseinheit, unabhängig von Fertigung und Vertrieb. Gleichzeitig begannen die Suche nach einem geeigneten Ort für ein eigenes Laborgebäude und anschließend der Bau des Labors in Böblingen am Schönaicher First. Der erste Bauabschnitt wurde Ende 1960 bezogen (d.h. der mittlere helle Teil im eingefügten Bild). Dem schnellen Wachstum entsprechend gliederte Ganzhorn das Labor in vier Bereiche, die von kompetenten Kollegen geleitet wurden: Systementwicklung von Fred Albrecht († 2011), Halbleiter-Entwicklung von Otto Folberth, Software-Entwicklung von Horst Remus († 2007), und Technische Dienste von Fritz Haist. 

  
IBM-Entwicklungslabor Böblingen heute   © IBM

Im Januar 1964 wurde Ganzhorn die Leitung einer Gruppe europäischer IBM Laboratorien übertragen (Deutschland, Schweden, Österreich, letzteres hatte er 1958 selbst eingerichtet). Außerdem übernahm er in zunehmendem Maße externe europäische Aufgaben. Mit der Leitung des deutschen Laboratoriums wurde jetzt Walter Proebster betraut, der zuvor in der IBM Forschung in Zürich und in USA erfolgreich tätig gewesen war.

Als ich 1965 nach meiner Nizza-Zeit und meiner Amerika-Abordnung als Mitarbeiter des Labors de facto nach Böblingen kam (seit 1962 gehörte ich bereits de jure dazu), traf ich Ganzhorn immer wieder sporadisch. Mal ließ er sich unsere Projekte vorstellen, mal kam er mit externen Besuchern. Einen markanten Eindruck machte er auf mich bei den mindestens jährlich stattfindenden Management-Klausuren. Seine ruhige und sachliche Art der Diskussionsleitung entsprach überhaupt nicht dem Bild, das vor allem Externe vom Wesen eines IBM-Managers haben. Am meisten beeinflusste mich seine Auffassung von technischer Führung. „Als technische Führungskraft kann man Dinge bewerkstelligen, die man als Einzelner nie schaffen würde“, so ungefähr lautete seine Devise. „Sie selbst müssen allerdings eine technische Vision haben und diese an ihre Mitarbeiter vermitteln“. Dies motivierte mich darin, auch in technischer Hinsicht möglichst auf dem Laufenden zu bleiben. 

Einige der weiteren Aufgaben und Beiträge Ganzhorns sollen nur angedeutet werden. Von 1973 bis 1975 war er Direktor für Wissenschaft und Technologie der IBM Europa. Dazu gehörte die fachliche Betreuung von einem Dutzend Wissen­schaftlicher Zentren der IBM in Europa (einschl. Israel). Danach war er von 1975 bis 1978 Vizepräsident für Telekommunikationssysteme der Systems Communications Division der IBM Corporation unter Bob Evans. Daneben hielt er schon ab 1960 bis 1987 eine Vorlesung über Computertechnik an der Universität Karlsruhe. Im Jahre 1972 richtete er zusammen mit Clemens Hackl († 1991), dem späteren GI-Präsidenten, eine Denkschrift an die Bundes­regierung, in der eindringlich die Einführung eines Studiengangs Informatik an deutschen Hoch­schulen empfohlen wurde. Dies trug wohl wesentlich dazu bei, dass rasch 130 Lehrstühle für Informatik an deutschen Hochschulen etabliert wurden. Dafür wurde er 1982 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichchnet. Er war 1970/71 Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Von 1978 bis 1987 gehörte er dem deutschen Wissenschaftsrat an. Von Wirtschaft und Wissen­schaft erhielt er eine ganze Reihe weiterer Ehrungen. Im Jahre 1986 ging er in den Ruhestand.

Meine berufliche Karriere wurde etwa ab 1972 sehr stark von Ganzhorn beeinflusst. Zuerst übertrug er mir die technische Leitung mehrerer IBM-Seminare, die sich mit software-nahen Themen befassten. Teilnehmer dieser Veranstaltungen waren in erster Linie deutsche, österreichische oder schweizerische Professoren des gerade erst eingerichteten Studiengangs Informatik. Danach entsandte er mich als IBM-Vertreter in mehrere externe Gremien, so z. B. in den Sachverständigenkreis des Überregionalen Forschungsprogramms Informatik (kurz ÜRF genannt) der Bundesregierung. Dass ich zwischen 1974 und 1975 zwei Jahre lang freigestellt wurde, um an der Universität Stuttgart zu promovieren, verdanke ich neben Walter Proebster vor allem Karl Ganzhorn.

Als ich von 1993-1997 an der TU München tätig war, erfuhr ich, dass Ganzhorn eine Geschichte des IBM Labors Böblingen zu publizieren gedachte. Ich riet ihm damals, doch auf eine Veröffentlichung in Buchform zu verzichten, und das Ganze als Online-Dokumentation ins Internet zu stellen. Zu meinem großen Erstaunen stellte ich anschließend fest, dass sich damit das ganze Vorhaben mindestens um ein Jahr verschoben hatte. Ganzhorn entschloss sich nämlich zuerst die Sprache HTML gründlich zu lernen, da es damals noch nicht möglich war, etwas für das Internet zu produzieren, ohne dass man HTML beherrschte. Ganzhorn und die andern Autoren kehrten glücklicherweise zu der Idee einer Buchveröffentlichung zurück. So entstand die bereits erwähnte ‚Blaue Reihe‘, beginnend 2000 mit Ganzhorns Band über die Gründung des Labors. Die Reihe erreichte schließlich sieben Bände und legt damit ein hervorragendes Zeugnis über sein Wirken ab. Bei allen Bänden war er Anreger und Ideengeber. Außer dem ganzen Band 1 sind auch große Teile von Band 5 (Halbleiter- und Chip-Entwicklung) und von Band 6 (IT in Banken und Sparkassen) von ihm persönlich verfasst worden.

Wie aus dem am Anfang wiedergegebenen Schreiben ersichtlich, ist Ganzhorns geistiger Elan zwar nicht geringer geworden, seine Betätigungsmöglichkeiten sind jedoch stark durch familiäre Rücksichten eingeschränkt. Auch das verdient Anerkennung und Sympathie.

Freitag, 6. Mai 2011

Drei Buchtipps für philosophisch Interessierte

Mein Ex-Kollege und Freund Peter Hiemann in Grasse sandte mir gestern drei Buchbesprechungen, die vielleicht auch meine Leserinnen und Leser interessieren. Mit seiner freundlichen Einwilligung gebe ich seinen Text im Folgenden wieder. Peter Hiemann würde sich über Kommentare freuen. Sie können diese an diesem Blog-Eintrag anbringen. Im Falle, dass Sie in direkten Kontakt treten möchten, gebe ich Ihnen auch seine E-Mail-Adresse.


Das erste Buch ist von Norman Doidge: „Neustart im Kopf – Wie sich unser Gehirn selbst repariert“. Doidge befasst sich ausführlich mit dem Phänomen der Plastizität der Gehirnstrukturen. Ich war schon länger überzeugt, dass das Gehirn das wohl flexibelste Organ des Menschen ist. Zumindest ließ sich das auf Grund der Flexibilität menschlichen Verhaltens vermuten. Die Gehirnanatomie ist allerdings davon ausgegangen, dass lokale Bereiche fest definierten Gehirnprozessen zugeordnet werden können. Die Neurologen sprechen von „Lokalisationstheorie“. In gewissem Rahmen trifft das auch zu, zum Beispiel für Sehen, Hören, Sprechen, Sensormotorik und vieles mehr. Was aber auch zutrifft ist, dass das Gehirn äußerst plastisch ist, um unter gewissen Umständen existierende Gehirnbereiche „umzufunktionieren“. Diese Eigenschaft der Gehirnstrukturen ist ein Phänomen, das in der Evolution der Natur ziemlich spät aufgetreten sein muss. Allerdings weit früher als das von Metzinger postulierte Phänomenale Selbstmodell. Für mich sind die von Doidge dokumentierten Erkenntnisse auch eine gute Erklärung für den außerordentlichen Lebenslauf der Person Helen Keller, die mit 18 Monaten Gehör- und Sehsinn verlor. Trotz Verlust so wesentlicher Sinnesorgane vermochte ihr Gehirn  geistige Leistungen einer hochgebildeten Person zu vollbringen. Das Beispiel Helen Keller referiere ich zur Zeit in einem Essay über das Thema „Triumph des Bewusstseins“. Die Erkenntnisse über Plastizität der Gehirnstrukturen lassen sich meines Erachtens auch auf plastische Eigenschaften anderer biologischer, geistiger und gesellschaftlicher „Systeme“ übertragen.

Das zweite Buch, das meinen Überlegungen dienlich war und ist, stammt von Wolf Schneider: „Wörter machen Leute – Magie und Macht der Sprache“. Wolf Schneider ist  bekannt als ehemaliger Chefredakteur der WELT und Leiter einer renommierten Journalistenschule. Schneider fragt nicht nur, was wir mit der Sprache anstellen (das  ist sein Beruf), sondern auch, was die Sprache mit uns anstellt. Die menschliche Sprache ist ein kulturelles Phänomen, das sich formalen Analysen entzieht, weil es ein dynamischen Phänomen und Resultat geistiger Evolution ist. Und vor allem spielt Sprache auch eine entscheidende Rolle für Überlegungen hinsichtlich evolutionärer Phänomene einer Gesellschaft. Übrigens war meine ursprüngliche Motivation für Schneiders Buch, meinen Schreibstil zu verbessern. Umso angenehmer war ich überrascht, in Schneider einen profunden Kenner von Autoren kennenzulernen, die sich mit gesellschaftskritischen Themen auseinandergesetzt haben und heute auseinandersetzen. Er widmet auch ein kritisches Kapitel Kunstsprachen und struktureller Linguistik. Die Plastizität von Sprache und deren evolutionäre Geschichte bietet viel Stoff, „lebende Systeme“ mit mehr als rationalen Kriterien zu beurteilen.   


Das dritte Buch hat Karl-Heinz Brodbeck geschrieben. Es heißt: „Die fragwürdigen Grundlagen der Ökonomie – eine philosophische Kritik der modernen Wirtschafts­wissenschaften“. Brodbeck war mir in einer Scobel-Sendung aufgefallen und ich versprach mir von ihm eine kompetente Sicht der gesellschaftlichen Strukturen und Prozesse, die man unter der Überschrift „Ökonomie“ zusammenzufassen pflegt. Umso mehr war ich überrascht, in Brodbeck einen Autor zu finden, der meine evolutionären Ansichten erweitern hilft.  Brodbeck vermittelt eine historische Sicht, wie sich namhafte Autoren um einen wissenschaftlichen Ansatz für die Behandlung ökonomischer Situationen bemüht haben. Und Brodbeck ist sich sicher: Ökonomie handelt von der „sozialen Wirklichkeit, was Menschen in ihrer Auseinandersetzung mit der Natur und untereinander bewirken.“ Brodbeck kritisiert, dass die Wirtschaftswissenschaft von der Annahme ausgeht, dass  ökonomische Gesetze existieren, die vergleichbare Gültigkeit wie physikalische Gesetze haben. Auch statistische Verfahren wie in der Thermodynamik angewandt haben deshalb keinen Platz in der Wirtschaftswissenschaft. Ebenso wenig gelten in der Ökonomie Erhaltungssätze und Betrachtungen zum Erreichen von Gleichgewichtszuständen.  Es hat sich längst erwiesen, dass ökonomische Vorhersagen, die  mit „wirtschafts­wissen­schaftlichen“ Methoden „berechnet“ wurden, zu keiner Zeit realen  gesellschaftlichen Verhältnissen  entsprochen haben. Wirtschaftswissenschaft gehört zu der Kategorie „Sozialwissenschaften“. Die Behandlung ökonomischer Tatbestände kann nicht auf soziale Strukturen verzichten, die gemeinhin nur Menschen zugeschrieben werden: Recht, Sprache, Wirtschaft, Technik usw.  

Übrigens hat mich Brodbeck darauf hingewiesen, dass der Begriff Evolution in vielfältiger Weise verwendet wird. Erich Jantsch ist der Meinung: „Gott ist nicht absolut, sondern er evolviert selbst – er ist Evolution“. Ich halte es eher mit Karl-Heinz Brodbeck: „Es ist gerade die Instabilität, die eine Evolution überhaupt erst ermöglicht. Ferner führen Fehler der Reproduktion zu Mutationen (eine qualitative Form der Instabilität), die mit dem Gleichgewichtsbegriff nicht zu erfassen sind. Der Mensch selbst ist insofern eine Störung des natürlichen Gleichgewichtes; seine Weise zu produzieren ist jene Störung des „ökologischen Gleichgewichts“, das er gleichwohl bewahrt wissen möchte.“ 

Die Studien der aufgeführten Bücher haben bei mir bewirkt, die modernen Versuche der Systemtheorie in einem anderen Licht zu sehen. Statt nach geheimnisvollen Prinzipien der Selbstorganisation zu suchen (zum Beispiel auch nach der unsichtbaren Hand des Marktes), genügt es vermutlich, Phänomenen der Plastizität aller Couleur unter die Lupe zu nehmen.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Joerg Wechsler über Informatik im Finanzwesen

Joerg Wechsler begann seine Berufskarriere im Software-Entwicklungs-Bereich der IBM in Böblingen. Nach rund 20 Jahren in verschiedensten Bereichen, zuletzt als Leiter des IS Zentrums Informationssysteme, wechselte er Mitte der neunziger Jahre als Leiter des weltweiten Service Delivery zur Deutschen Bank. Im Jahr 1998 begann Wechsler dann als Geschäftsführer bei der damaligen dvg, einem Vorgängerunternehmen der heutigen Finanz Informatik. Er behielt diese Position nach einer Fusion von vier Sparkassen-IT-Dienstleistern im Jahr 2003 zur damaligen FinanzIT und nach der weiteren Fusion im Jahr 2008 zur Finanz Informatik. Zum Jahresende 2010 trat er in den Ruhestand. Wechsler hatte in Stuttgart Mathematik studiert.



Bertal Dresen (BD): Sie haben die Hälfte Ihres Berufslebens in der Finanzbranche verbracht. Worin sehen sie die größten Veränderungen in der Rolle der Informatik zwischen den 1990er Jahren und heute?

Joerg Wechsler (JW): Die Wichtigkeit der IT hat sich noch verstärkt: Vor 15 Jahren konnte man bei Ausfällen der Systeme im Kundenverkehr und auch im Zwischen­bankenverkehr ‚improvisieren‘. Da gab es noch Bargeld in allen Filialen, da wurden Überweisungen noch per Beleg am Schalter angenommen, da konnten Unter­schriften noch per Unterschriftenkarte geprüft werden, da konnte per Telex mit der Bundesbank oder zwischen Häusern ‚gecleared‘ werden, usw. Heute sind SB-Geräte, Online Banking, Online Vertrieb dominierend, und die funktionieren halt nicht ohne funktionierende IT. Außerdem hat sich die Rolle der IT auch etwas verändert: Wenn es früher lediglich um die Automatisierung ansonsten händischer Vorgänge ging, wird heute bereits Beratung, z.B. in der Akquise von Privatkundengeschäft, per System gemacht, und noch einschneidender, die Beurteilung von Kreditwürdigkeit, die Bewertung von Sicherheiten, und ähnliches, wird ebenfalls verstärkt durch IT-Systeme  durchgeführt – manchmal sogar ohne menschliche Interaktion.

BD: Wie alle Unternehmen, so waren auch die Banken von widerstrebenden organisatorischen Tendenzen geprägt. Mal stand Dezentralisierung hoch im Kurs, dann wurde wieder zentralisiert. Gibt es ein Optimum oder eine Faustregel, was vor Ort und was am besten zentral gemacht werden sollte?

JW: Ja, es wurde in den letzten Jahren massiv zentralisiert, und zwar nicht, weil es mal wieder ‚Mode‘ war, sondern aus dringender Notwendigkeit. Dazu gibt es drei Sichten:

(1) Aus fachlicher Sicht: Das Chaos ist vorprogrammmiert, wenn sie Kunden- und Kontendaten nicht an einer Stelle halten und verarbeiten, und eine Konsolidierung in eine konsistente Meldung an die Aufsichtsbehörden ist kaum möglich. 

(2) Aus betriebswirtschaftlicher Sicht: Durch den Verfall der Mainframe- und High-End-Storage-Preise, durch die zunehmende Reife von Virtualisierungsprodukten wie Citrix oder VMWare, durch die komplette Virtualisierung von Speicher, durch eine erhebliche Reduzierung des Personalaufwandes für den Betrieb, sind die Kosten dramatisch geringer geworden (genaue Zahlen habe ich da nicht, das hängt extrem von der jeweiligen Ausgangsituation ab, ob z.B. dezentrale Personalkosten gegen die zentrale IT gerechnet werden oder nicht, wie gut die Microsoft-Verträge verhandelt sind, u.ä.). 

(3) Aus IT-Sicht: 24h x 7 Tage Verfügbarkeit ist auch in einem zentralen Environment eine Herausforderung, und in einem dezentralen Environment noch viel schwieriger. Das Trauma für jeden IT-Betreib, die Software-Verteilung auf viele Tausend Endgeräte, war über viele Jahre die Ausfallursache #1. Und nicht zu vergessen das Thema Sicherheit: Eine Verteilung von Security Patches auf zentrale Server-Instanzen dauert Minuten, bei hunderttausend Endgeräten dauert es mehrere Wochen. Solche Risiken kann sich heute kein Finanzinstitut leisten.

Natürlich heißt ‚zentral‘ nicht notwendigerweise ‚nur an einer Stelle‘ oder ‚nur eine Instanz‘. Aus Sicherheitsgründen werden Rechner- und Speicherkapazitäten auf sehr wenige Lokationen verteilt. Aus Gründen der Ausfallmengen-Reduzierung wird auf mehrere identische Instanzen verteilt. Ich denke, in der Finanzbranche ist Zentralisierung gesetzt, keine Intelligenz vor Ort (außer natürlich die Intelligenz von SB-Geräten), maximal ‚Thin Clients‘ in der Fläche.

BD: Worin bestanden die größten technischen Probleme für Sie als technischen Leiter? War es der Anwendungsentwurf, Entwicklung und Test, das Roll-out neuer Anwendungen oder System-Versionen, oder die Einführung neuer Systeme vor Ort? Sind Standardisierung und Integration ein Problem? Wie weit half dabei die Automatisierung von Abläufen oder die Virtualisierung von Systemen? Welche Erwartungen haben Sie an Clouds?

JW: Das sind zu viele Fragen auf einmal, und sie lassen sich auch nicht klar beantworten, ‚it depends….‘ Alle Anwendungen brauchen heute alle Plattformen: Mainframe für Datenbanken und Transaktionsverarbeitung, Midrange für die Anwendungslogik, x86 für die Präsentation, und natürlich Netze. Anwendungsentwurf in Bezug auf Betreibbarkeit ist dann ein Thema, wenn man als Provider keine – oder nur eine grobe – Vorstellung einer Zielarchitektur des Gesamtsystems hat. Dann resultiert Wildwuchs in der Service Delivery und zwangsläufig schlechte Verfügbarkeit und schlechte Wirtschaftlichkeit. Gute Zusammenarbeit mit der Entwicklung und jeweiliges Verständnis für die Rahmenbedingungen des anderen sind hier unabdingbar. Keiner operiert auf der grünen Wiese.

Entwicklung und Test sind normalerweise ‚im Griff‘, es wird mit echten Daten und unter ernsten Lastbedingungen getestet. Aber es kann trotzdem zu einem Riesenproblem werden, wenn z.B. die Zeit knapp wird wegen fixer Termine (gesetzliche oder aufsichtsrechtliche Anforderungen). Dann kann die Testerei schon mal zu kurz kommen. Roll-out neuer System-Versionen oder neuer Plattformen nur nach intensiven Tests, speziell auch Lasttests, und dann nie mit einem ‚Big Bang‘ für die ganze Kundschaft, sondern schrittweise. Roll-out von Anwendungen nur nach mehrwöchiger Pilotierung durch verschiedene Kunden, und dann nicht für die gesamte Republik auf einen Schlag. Das klingt, als wäre alles in Butter, und im Normalfall ist es das auch. Aber wann ist schon mal etwas normal?

Standardisierung in Bezug auf Systemplattformen ist unabdingbar und auch weitgehend unstrittig. Lediglich um das Thema RISC/SPARC vs. x86 gibt es manchmal noch Glaubenskriege. Automatisierung von Abläufen: Ich bin kein Spezialist für System Management Tools und weiß mehr von herben Enttäuschungen auf diesem Gebiet als von Riesen-Erfolgs-Stories. Extrem hilfreich sind der Wegfall der Software-Verteilung und die Deployment-Fähigkeiten der Virtualisierungs-Software. Heute behauptet jeder, er macht ja schon Cloud-Computing. Wir natürlich auch. Aber mit unserer eigenen Cloud! Und das wird auch so bleiben. Und ich kann mir für die gesamte Branche nur schwer vorstellen, dass das einmal grundsätzlich anders wird.

BD: Ist die Zuverlässigkeit moderner IT-Systeme zufriedenstellend, um einen Dauerbetrieb (7 Tage 24 Stunden) zu gewährleisten? Wo gibt es die häufigsten Probleme, bei Hardware, Software oder bei den Übertragungsnetzen? 

JW: Wenn man all den Aussagen der verschiedenen Hersteller glauben könnte, dann wäre 24x7 kein Problem. In der Praxis muss man aber jede Menge Zusatzaufwände treiben. Nehmen Sie die Zusage, dass alle Hardware-, Microcode- und Systemsoftware-Komponenten unterbrechungsfrei gewartet oder aufgerüstet werden können. Das mag ja ab und zu funktionieren, aber genauso oft geht es schief mit fatalen Folgen für den Betrieb. Also existiert auch weiterhin das altbekannte Wartungsfenster, wo Systeme für die Dauer der Wartung aus der Produktion genommen werden. Um 24x7 zu halten, müssen dann eben Ersatzsysteme vorgehalten werden.

Und bei 100% Verfügbarkeit ist es ähnlich. Jede Komponente für sich ist sehr gut. Aber betrachtet man die bereits erwähnte Komplexität des Gesamtkonstrukts und die Vielfalt der involvierten Komponenten, dann sind 100% Verfügbarkeit schlicht nicht möglich. Hier ein paar wenige Beispiele gravierender Fehler der letzten Jahre: Massive z10-Probleme, Design-Limitationen IMS und DB/2, Mikrocode-Probleme von HP- und IBM-Platten, nicht identifizierbare Probleme in HP Blade Centers, Softwarefehler in GDPS, technische und organisatorische Probleme bei der Einführung von MPLS bei den Netzanbietern, fehlerhafte Sicherheits-Patches, usw., usw. Ganz zu schweigen von Infrastrukturproblemen in der Fläche (RZ’s sind mehrfach abgesichert) bezüglich Stromversorgung und Netzanbindungen. Also ganz klar, man kann nicht auf den einen oder anderen Themenkomplex deuten. Jeder ist mal dran. Um den 100% trotzdem nahe zu kommen, wird systemseitig  Redundanz gebraucht, um die Ausfallmengen zu reduzieren, was natürlich Geld kostet. Anwendungsseitig werden zusätzliche Programme bereitgestellt, die im Fehlerfall den Endkunden trotzdem noch befriedigen können, z.B. Ersatzautorisierung am Geldautomaten, und das kostet auch wieder zusätzliches Geld.
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BD: Für Banken ist Sicherheit gegen Manipulationen und Datenklau von elementarer Bedeutung. Wo liegen heute die größten Risiken und Gefahren? Sind es die Bedrohungen von außen oder von innen? Was können und müssen Hersteller, Nutzer und Betreiber tun?

JW: Am meisten Geld ergaunert wird nach wie vor am Geldautomaten durch Manipulationen an den Geräten oder durch Diebstahl/Kopieren von Karten. Das wird nie komplett zu verhindern sein. Beim Online Banking werden die Methoden immer subtiler: Nach den z.T. dumm-dreisten Ansätzen (‚Schick mir mal 3 TANs‘ oder ähnliches) sind im Augenblick die ‚Man in the Middle‘-Angriffe die erfolg­reichsten: Der ‚Gauner‘ infiziert die Online Banking Software auf dem PC des Kunden, und bei einer Transaktion modifiziert er die Zielkonto-Nummer und den Betrag, verwendet die korrekte TAN, und gaukelt dem Kunden vor, dass seine gewünschte Überweisung ausgeführt wurde. In Wirklichkeit geht das Geld auf sein Konto, wo es dann so schnell wie möglich auch wieder verschwindet. Dagegen werden heute unter anderem das Chip-TAN- und das SMS-TAN-Verfahren eingesetzt, wo die TAN nur gültig ist in Zusammenhang mit dem Zielkonto und dem Betrag.

Generell kann man sagen, dass Hersteller und Betreiber sehr alert sind und auf neu auftauchende Bedrohungen sehr rasch reagieren. Es wird gemeinsam konzipiert, entwickelt und getestet. Mit dem Nutzer ist das so eine Sache: Wenn sich jeder Nutzer ernsthaft mit dem Thema Virenschutz befassen würde und eventuell auch ein bisschen Geld dafür ausgeben würde, dann wäre dieses Problem deutlich entschärft. 

Datenklau von außen oder Datenmanipulation von außen kenne ich aus den letzten 10 Jahren nicht, obwohl so etwas eher unter der Decke bliebe. In meiner Zeit gab es öfter Angriffe auf Firewalls, aber nie ein Durch- oder Vorbeikommen. Auch hier sind Hersteller und Betreiber extrem wachsam und schnell.

Die Bedrohung von innen ist eine sehr konkrete, allerdings durch vorhandene Mechanismen der Betriebssysteme und durch interne Kontrollprozesse gut im Griff zu halten. Es werden alle schreibenden oder kopierenden Zugriffe protokolliert, so dass im Verdachtsfall sofort alle diese Vorgänge nachvollziehbar sind. Und das ist die Krux, es ist ‚after the fact‘. Meine persönliche Philosophie war, dass wir unseren Mitarbeitern trauen können, und die Personalabteilung hat schon beim Aufkommen von Gerüchten über finanzielle Schwierigkeiten eines unserer Mitarbeiter reagiert, und sobald die Möglichkeit von Erpressbarkeit bestand, wurden Mitarbeiter aus ‚kritischen‘ Jobs genommen. 

BD: Welche Erfahrungen haben Sie mit Absolventen von Informatik-Studiengängen gemacht? In welchen Aspekten müsste die Ausbildung nachjustiert werden? Ist das Bewusstsein für Professionalität hinreichend ausgeprägt?

JW: Wir haben in den letzten Jahren nur sehr selektiv eingestellt, so dass ich hier nicht viel direkte Erfahrung beisteuern kann. Ich bin auch nicht auf dem Laufenden, was heute im Informatik-Studium gelehrt wird (Compiler-Bau interessiert heute keinen Menschen mehr). Was wir vermisst haben, waren Projekt-Management-Kenntnisse, und zwar für große, komplexe Projekte. Ob man das an der Hochschule lehren kann, weiß ich nicht. Systemprogrammierer kamen gar nicht aus dem Informatikstudium, die haben wir selber in Zusammenarbeit mit einer Berufs­akademie ausgebildet.

BD: Vielen Dank für das Interview und willkommen im Kreis der Ruheständler.

Sonntag, 1. Mai 2011

Informare – alles über Information

Diese Woche (vom 3. - 5. Mai) steigt in Berlin zum ersten Mal die Informare-Konferenz. Es ist dies eine neue Veranstaltungsform um ein altes Thema, nämlich die Information. Wissen und Können werden dabei als ergänzende Unterthemen herausgestellt.

Mein Verlegerfreund Arnoud de Kemp hat dieses Ereignis konzipiert und aus dem ‚Boden gestampft‘. In Vorträgen, Podiumsdiskussionen und lockeren Mitmach-Veranstaltungen (Workshops, Ausstellungen, Poster Sessions) wird die Rolle der Information in der Gesellschaft beleuchtet. Namhafte Vertreter des Publikations- und Bibliothekswesen hinterfragen die Rolle ihrer beruflichen Tätigkeit im Angesicht eines offensichtlichen Überflusses an Information. Auch eine Reihe von bekannten Informatikern (Dengel, Rabe, Vossen) meldet sich zu Wort. Vielleicht wird damit eine (kleine) Brücke gebaut zwischen Informationswissenschaften und Informatik.

Parallel dazu haben die Veranstalter einen Netzdienst eingerichtet, die Informare!Community, über die man sich über verwandte Themen austauschen kann. Etwa 170 Interessenten haben sich bisher eingetragen.

Das Hauptanliegen der Informare-Veranstaltung verstehe ich wie folgt: Informations­vermittlung macht professionell gesehen wenig Sinn, wenn nicht auch Hilfe zur Verfügung steht bei der Orientierung innerhalb des Angebots und der Sicherung der Qualität, bezogen auf das benötigte oder gewünschte Wissen des Kunden. Die Frage ist, wer das machen kann und machen soll. Jemanden einfach mit Information (oder Wissen) zu überschwemmen, kann heute nicht mehr das Ideal sein. Das gilt sowohl für Allgemeinwissen wie für Fachwissen. Das Nachdenken muss sich daher auf unser Bildungs- und Ausbildungswesen ganz allgemein erstrecken. Dieselbe Problematik wird auch von Endres/Gunzenhäuser angesprochen, wenn sie sagen (S. 77): „Da in Zukunft Wissen wohlfeil ist, d.h. es immer einfacher und kostengünstiger zu beschaffen ist, müssen alle Schultypen einen Schwerpunkt darauf legen, außer Wissen auch Können zu vermitteln. Unter Können oder Kompetenz versteht man die Fähigkeit, unvorhergesehene Aufgaben und Probleme zu lösen. Dazu ist Wissen notwendig aber nicht ausreichend.“

Die Veranstaltung will so genannte ‚Information Professionals‘ ansprechen. Dass es für dieses Berufsbild kein passendes deutsches Wort gibt, ist symptomatisch. Wir sprechen sonst von Informationstechnikern (oder IT-Fachleuten) und Informations­wissenschaftlern. Zur ersten Gruppe gehören in der Umgangssprache auch die Informatiker, zu der zweiten auch die Bibliothekare und Informations­vermittler. Manchmal kann der Hinweis auf eine Analogie helfen, um klarzumachen, wie heillos verworren hier die Situation ist. Im Zusammenspiel der Begriffe Chemietechniker, Chemiewissenschaftler und Chemiker ist klar zu erkennen, was eine Abstufung der Kompetenz ist, und was den umfassenderen Begriff darstellt. Dass es nicht ganz ohne Chemiker geht, wenn danach gefragt wird, welches chemische Wissen wann relevant ist, ist zwar ein alter Hut. Manchmal muss jedoch selbst daran erinnert werden.

Eine Veranstaltung wie die Informare wäre völlig überfordert, würde man ihr nahelegen, bei beiden angeschnittenen Fragen (Bildungsinhalte, Berufsbild) einen echten Fortschritt erzielen zu wollen. Dennoch wäre es zu wünschen, wenn man langfristig zumindest die Absicht erkennen könnte, die Dinge langsam zum Besseren zu wenden. Eine Diskussion darüber würde dem Wissenschaftsstandort Deutschland gut anstehen.