Dienstag, 1. Februar 2011

Youtube-Tipps für Informatik-Interessierte

Mit Youtube hat wohl jeder von uns andere Erfahrungen gemacht. Die meisten Menschen sind reine Konsumenten, also keine Produzenten von Youtube-Inhalten. Was man konsumiert, hängt natürlich vom Interesse ab. Ich habe mir in den Jahren seines Bestehens sicherlich mehrere Hundert Videos angeschaut. Immer wieder fallen mir Themen oder Namen ein, nach denen ich noch nicht gesucht hatte.

Am meisten schaue ich (teils am PC, teils auf dem Tablettrechner) klassisch-populäre Musikvideos an, etwa solche mit Louis Armstrong, Maria Callas, Enrico Caruso, Edith Piaf oder Simon und Garfunkel. Es gibt aber auch historisches oder zeitpolitisches Material, das ich mir ansehe, etwa Filmaufnahmen während eines Erdbebens in Peru oder die Reden von Obama in Kairo und Prag.

Das Angebot ist einfach überwältigend. Mit etwa 15 Milliarden betrachteten Videos pro Monat (Stand Mai 2010) besitzt Google hier einen Marktanteil von etwa 45 %, bei etwa 150 Millionen verschiedenen Betrachtern. Beruhigend ist es − oder beunruhigend, je nach Standpunkt −, dass Google seit dem Kauf im Jahre 2006 immer noch nicht weiß, wie man mit Youtube Geld verdienen kann. Inzwischen soll sich der Dienst selbst tragen. Wenn jemand einen langen Atem hat, dann sicherlich Google. Man ist auf schnelle Einnahmen nicht angewiesen. Nicht zu befürchten ist daher, dass das Schlaraffenland Youtube sich alsbald als Fata Morgana herausstellt.

Im Folgenden möchte ich ausführlicher auf wissenschaftliches oder technisches Filmmaterial eingehen, das man bei Youtube finden kann. Unser Fachgebiet, die Informatik, ist dabei wirklich gut repräsentiert. Ich erwähne und kommentiere mehrere Videos, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Sie sind teils lehrreich, teils historisch wertvoll. Ich fasse sie in drei Gruppen zusammen.

Unternehmen und Projekte

Offensichtlich geben Jubiläen Anlass, dass sich Unternehmen oder Projekte darstellen. Im Herbst 2009 war es 40 Jahre her, seit das Internet in Betrieb ging. Aus dieser Zeit stammen ein einführender Film über die Geschichte des Internet, ein Vortrag von Vinton Cerf mit einem Ausblick auf die Zukunft, und mehrere sehr schöne Videos mit Leonard Kleinrock, so eines über Routers und eines über die erste funktionierende Verbindung zwischen Los Angeles und Palo Alto.

Zu ihrem 100. Geburtstag im Jahre 2011 hat die Firma IBM mindestens zwei Filme produzieren lassen. Einer von ihnen ist sehr publikums-orientiert. Anhand von  Menschen des entsprechenden Alters werden die einzelnen Jahrzehnte der Firmengeschichte dargestellt, beginnend mit einem Hundertjährigen, endend mit einem neugeborenen Kleinkind. Stärker spricht mich ein mehr technisch-orientierter Film an, in dem mehrere frühere technische Führungskräfte und Kollegen zu Wort kommen, so Ralph Gomory, Fred Brooks, Gregory Chatin und Benoit Mandelbrot.

Einige Filme des Computer History Museums in Mountain View, CA, sind Aufzeichnungen von ganzen Abendveranstaltungen, so etwa 30 Jahre Cray 1 oder 40 Jahre IBM System/360. Hier muss man zuerst langatmige Begrüßungsreden über sich ergehen lassen, ehe man einige der wenigen anwesenden Pioniere zu Gesicht bekommt. Im letzten der beiden Filme ist außer Fred Brooks vor allem der inzwischen verstorbene Bo Evans zu hören. Im selben Rahmen gibt es einen Vortrag von Linus Torvalds über die Geschichte von Linux. Hinzufügen möchte ich, dass es viele Filme über Linux gibt, bei denen man in weniger Zeit mehr lernen kann.

Lehr- und Forschungseinrichtungen

Viele Universitäten auf der ganzen Welt bieten ihre Vorlesungen kostenlos im Netz an. An zwei amerikanischen Beispielen sei das Prinzip illustriert. Das eine ist eine Vorlesung am MIT über Einführung in Algorithmen (Charles Leierson). Die andere Vorlesung ist in Stanford und behandelt Programm-Paradigmen (Jerry Cain).

Lehrveranstaltungen deutscher Unis konnte ich nicht finden, dafür umso mehr englische, indische und kanadische. Stattdessen wird erklärt, wofür die
Parabelrutsche der TU München da ist. Ein deutsches Institut, das sich anlässlich seines 10-jährigen Bestehens sehr gut darstellt, ist das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Ein bisschen Stolz klingt da schon durch.

Einzelne Persönlichkeiten

Über viele einzelne Informatiker kann man Filme finden. Ich nenne (in alphabetischer Reihenfolge) einige Beispiele, die mir auffielen. Beginnen möchte ich mit Barry Boehm, der anlässlich einer Veranstaltung in Kaiserslautern als Sänger auftrat. Ob Sie es glauben oder nicht, er singt Fortran. Es ist immer wieder ein Genuss Fred Brooks zuzuhören, auch wenn er mal nicht aus seinem früheren Leben als IBMer berichtet, sondern über Entwurfsprozesse im Allgemeinen (‚The Design of Design‘, so heißt sein neuestes Buch).

Es gibt mehrere Filme, in denen der unvergessliche
Edsger Diijkstra († 2002) auftritt. Als Beispiel ist eine siebenteilige Vorlesungsreihe herausgegriffen, die er 1992 in Newcastle upon Tyne gab. Sehr amüsant ist ein Interview, das Hasso Plattner vor kurzem mit sich selbst führte. Es heißt ‚Hasso on Hasso‘ und behandelt Plattners neues technisches Steckenpferd, die In-Memory-Datenbanken. 


Aus der Reihe von Interviews, welche die Zeitschrift IEEE Computing Now durchführte, sei eines von drei Gesprächen mit
Niklaus Wirth erwähnt. Seine Leistung und seine Person haben mich immer beeindruckt. Ich traf ihn jahrelang fast jede Woche, mal in Böblingen, mal in Zürich.

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